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Sport-Welt Nach 9. Etappe: Schleck bekommt das gelbe Trikot
Sport Sport-Welt Nach 9. Etappe: Schleck bekommt das gelbe Trikot
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18:09 13.07.2010
Andy Schleck freut sich über das Gelbe Trikot. Quelle: afp

Sie spielten Katz und Maus mit der Konkurrenz und degradierten Lance Armstrong und Weltmeister Cadel Evans zu geschlagenen Statisten: Die 97. Tour de France hat sich auf das Duell Andy Schleck gegen Alberto Contador reduziert. Auf der letzten große Alpenetappe dominierten die beiden Kletterspezialisten das gesamte Fahrerfeld und sorgten am Dienstag für ein weiteres Favoritensterben. Diesmal erwischte es den Australier Evans, der krachend einbrach und sein Gelbes Trikot an Schleck verlor. Der Luxemburger führt jetzt mit 41 Sekunden vor Vorjahressieger Contador das Gesamtklassement an.

Den Tagessieg auf der verrückten 9. Etappe sicherte sich nach 204,5 Kilometern der Franzose Sandy Casar einen Tag vor dem Nationalfeiertag. Er war von einer zwölfköpfigen Ausreißergruppe übriggeblieben und siegte vor Luis-Leon Sanchez aus Spanien. „Ich habe die letzten 30 Kilometer an nichts anderes mehr gedacht als an die Ziellinie“, meinte der glückliche Tagessieger. „Ich bin dann einfach Vollgas gefahren und habe den Sprint komplett durchgezogen.“

Vor zwei Tagen hatte die Tour die Götterdämmerung des Rekordsiegers Lance Armstrong erlebt. Der einstige Dominator ist inzwischen zum blassen Mitläufer geworden. In diese Kategorie gehört jetzt auch Evans, in dessen Gesicht sich vor der abschließenden Abfahrt über 32 Kilometer Wut und Verzweiflung spiegelten. Vor zwei Tagen hatte der 33-Jährige noch von seiner „bisher besten Tour“ geschwärmt, am Dienstag verlor Evans auf den Tagessieger über acht Minuten und war im Ziel in Tränen aufgelöst.

Der große Schlagabtausch zwischen den Topfahrern aus Spanien und Luxemburg spielte sich auf dem grausamen Col de la Madeleine ab, dem letzten von fünf Anstiegen. Auf der 25 Kilometer langen Klettertortur zündeten Schleck und Contador auf der Verfolgung einer Spitzengruppe ein Feuerwerk, an dem sich fast alle die Finger verbrannten. Auch Armstrong musste 48 Stunden nach seinem Debakel von Morzine wieder erkennen, dass er nicht mehr zur ersten Wahl gehört und verlor wie Evans und Ivan Basso weiter an Boden.

Auf der Abfahrt vom Startort Morzine hatte sich eine 12-köpfige Spitzengruppe gebildet. In ihr fuhren auch die deutschen Profis Jens Voigt von Saxo Bank und Johannes Fröhlinger vom Milram-Team. Nach anstrengenden Führungsarbeiten für seine Kapitäne Fabian Cancellara und Andy Schleck fand der 38-jährige Voigt zum ersten Mal bei dieser Tour zu alter Leidenschaft zurück und versuchte sein Glück in der Flucht nach vorne. In der entscheidenden Schlussphase unterstützte er noch für einige Kilometer den von hinten mit Condador kommenden Schleck. Dann waren die beiden entwischt und Voigt ließ abreißen.

Der jüngere der Schleck-Brüder wird trotz seiner bekannten Schwäche im Zeitfahren nicht erst seit Dienstag allgemein als ärgster Widersacher des Vojahressiegers Contador gehandelt. Er fühle sich „in der Form meines Lebens“ und könne „alle schlagen“, hatte der Luxemburger vor dem Start der 9. Etappe zu Protokoll gegen. In den folgenden Stunden ließ er daran kaum Zweifel.

Laut Schleck, der sein Team am Ende der Saison wahrscheinlich verlassen wird, würde die Tour aber erst auf der 17. Etappe in den Pyrenäen entschieden: „Wer auf dem Tourmalet Gelb trägt, gewinnt auch in Paris“, meinte Schleck, der das abschließende Zeitfahren von Bordeaux nach Pauillac über 52 Kilometer in seiner Prognose offensichtlich nicht auf dem Zettel hat.

Das kurze Aufbäumen von Fröhlinger, der im Finale einbrach, konnte die Mienen im Milram-Team kaum aufhellen. Der Sponsor Nordmilch bestätigte laut Teamchef Gerry van Gerwen noch einmal unmissverständlich, im nächsten Jahr keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung zu stellen. Van Gerwen klammert sich jetzt an vage Hoffnungen, die ihm andere Geldgeber gemacht haben sollen.

dpa

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