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Sport-Welt Auf einen Sprung nach Rio
Sport Sport-Welt Auf einen Sprung nach Rio
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11:08 24.02.2016
Von Christian Purbs
„Wie ein Rausch“: Im Stadionbad bereitet sich Jan Heinzel mit Sprüngen von der Zehn-Meter-Plattform auf die Wettkämpfe beim Klippenspringen vor. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Es war ein heißer Tag im Mai vergangenen Jahres, und Jan Wilko Heinzel wollte unbedingt trainieren. Also machte er sich auf den Weg zum Mittellandkanal, kletterte an einer Brücke hoch bis auf den Bogen - und sprang ins Wasser. Man darf halt nicht wählerisch sein, wenn man Klippenspringer ist und in Hannover lebt.

Sprung in den Mittellandkanal

„Man kann das machen, man darf sich nur nicht erwischen lassen“, sagt Heinzel. Der 25-Jährige beteuert jedoch, dass solche Sprünge aus einer Höhe von 16 Metern ins vier Meter tiefe Wasser des Mittellandkanals die Ausnahme sind. Nicht, was die Höhe betrifft, da darf es bei Wettkämpfen ruhig noch ein bisschen höher hinaus gehen. Aber zum Training geht Heinzel, der dem B-Kader des Deutschen Schwimmverbands (DSV) angehört, normalerweise ins Stadionbad, wo er von der Zehn-Meter-Plattform trainiert.

Seine Sportart Highdiving, so wird Klippenspringen genannt, wenn von einer Plattform gesprungen wird, ist wesentlich spektakulärer als das bekannte und auch olympische Turmspringen. Vier Sprünge aus einer Höhe von 26 bis 28 Metern absolvieren die Männer bei einem Highdiving-Wettkampf, die Frauen springen aus etwa 20 Metern, Punktrichter bewerten die gezeigten Figuren nach vorgegebenen Schwierigkeitsgraden. Bei den Sprüngen wird eine Geschwindigkeit bis zu 90 km/h erreicht. „Das ist kurz vor Verkehrsunfall“, sagt Heinzel.

Klippensprünge vor beeindruckender Kulisse

Es ist nicht nur der spektakuläre Sprung, der die Zuschauer fasziniert. Es sind auch die Bilder vor beeindruckender Kulisse - die bekannteste sind die Felsen von Acapulco -, die beeindrucken. „Wir sind alle vom gleichen Schlag. Eine positive Klatsche muss man schon haben“, sagt Heinzel, der in Hannover im ersten Master-Semester Meteorologie studiert.

Angefangen hat für den Klippenspringer aus der norddeutschen Tiefebene alles im heimischen Garten. „Meine Eltern haben mir ein Trampolin geschenkt, auf dem ich als Kind jede freie Minute gesprungen bin“, erzählt Heinzel. Im Freibad ging es dann schnell bis auf den Fünfmeterturm hinauf - und mit einem Dreifachsalto wieder hinunter. „Ich wollte schon zu den coolen Jungs gehören“, sagt der Student.

Mut und Risikobereitschaft sind Voraussetzung

Über das sogenannte Splash Diving („Das Ziel ist die perfekte Arschbombe“) kam Heinzel schließlich zum Klippenspringen, mit dem er vor fünf Jahren begonnen hat. Neben Talent bringt Heinzel, der einer von insgesamt nur vier im DSV organisierten Klippenspringern in Deutschland ist (zwei Männer, zwei Frauen), auch eine große Portion Mut und Risikobereitschaft mit. Respekt habe er vor jedem Sprung, jedoch keine Angst, sagt der 25-Jährige. „Das Glücksgefühl hält nach jedem Sprung über Stunden an. Das ist echt krass, wie ein Rausch.“

Von schweren Verletzungen blieb Heinzel bislang verschont. „Mir ist noch nichts passiert“, sagt der 25-Jährige, was vielleicht auch daran liegt, dass er bei seinen Sprüngen seine Eitelkeit beiseite schiebt und sich meistens mit zwei Badehosen in die Tiefe stürzt. Damit nichts in die Hose geht. Hört sich lustig an, ist es aber nicht. „Die zweite Badehose verringert mein Verletzungsrisiko um 70 Prozent“, sagt Heinzel. Beim Klippenspringen komme es meistens zu Verletzungen am Steißbein und Schließmuskel, berichtet er: „Ein Amerikaner hat sich auch schon mal einen Hoden abgerissen.“

Die Olympischen Spiele in Rio im Blick

Eine Premiere gibt es für den Studenten aus Hannover Ende des Monats. „Am 28. und 29. Februar werde ich bei meinem ersten Klippenspringer-World-Cup in Abu Dhabi an den Start gehen“, sagt Heinzel, der sogar die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im Blick hat. „Es ist möglich, dass Highdiving 2020 in Tokio fester Bestandteil der Olympischen Spiele sein wird. Wenn ich mich in Abu Dhabi gut anstelle, darf ich in Rio an einer Art Show-Wettkampf teilnehmen“, sagt der Klippenspringer. Seine Chancen für einen Sprung nach Rio stehen nicht schlecht: „Wenn es mich nicht total zersäbelt, kann ich es schaffen.“

Die deutsche Rugby-Nationalmannschaft steht auf dem letzten Platz - doch das wollen sie beim Länderspiel gegen Portugal ändern. So sagt auch 78-Spieler Pascal Fischer, dass er „das Ding rocken“ will. Außergewöhnlich ist das große Zuschauerinteresse an dem Spiel.

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