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Sport-Welt Jan Ullrich bleibt der ewige Zweite
Sport Sport-Welt Jan Ullrich bleibt der ewige Zweite
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19:54 23.06.2013
Von Carsten Schmidt
Dopingsünder unter sich: Lance Armstrong und Jan Ullrich. Quelle: dpa
Berlin

Seine Bekenntnisse in der heute erschienenen Ausgabe des Nachrichtenmagazins „Focus“ folgten erst fünf Monate nach der Betrugsbeichte des Amerikaners Lance Armstrong, der schon bei den Frankreich-Rundfahrten von 1999 bis 2005 gegenüber Ullrich stets die Nase vorn hatte – wenn der Deutsche mitgefahren war.

Ullrich beschränkte sich allerdings nur auf das Einräumen von Eigenblut-Doping. Dieses habe er mithilfe des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes durchgeführt, der im April wegen Gefährdung der öffentlichen Gesundheit zu einer Bewährungsstrafe und vier Jahren Berufsverbot von einem Madrider Gericht verurteilt worden war – ein Anti-Doping-Gesetz gab es 2006 in Spanien noch nicht, als die Machenschaften Fuentes’ bekannt wurden. „Ich wollte für Chancengleichheit sorgen“, sagte Ullrich.

Eigenblut-Doping

Transfusionen mit Eigen- oder Fremdblut sind seit den siebziger Jahren bekannt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzte diese Methode 1988 auf die Verbotsliste. Bei Eigenblutdoping wird dem Sportler bis zu einem Liter Blut abgenommen und Monate später kurz vor dem Wettkampf wieder zugeführt. Ausdauersportler versprechen sich durch solche Transfusionen eine Erhöhung des Gesamtvolumens an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dadurch wird der Sauerstofftransport verbessert – und die Leistungsfähigkeit gesteigert. Eigenblut-Doping ist nur durch aufwendige Testverfahren nachweisbar.

Transfusionen mit Eigen- oder Fremdblut sind seit den siebziger Jahren bekannt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) setzte diese Methode 1988 auf die Verbotsliste. Bei Eigenblutdoping wird dem Sportler bis zu einem Liter Blut abgenommen und Monate später kurz vor dem Wettkampf wieder zugeführt. Ausdauersportler versprechen sich durch solche Transfusionen eine Erhöhung des Gesamtvolumens an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Dadurch wird der Sauerstofftransport verbessert – und die Leistungsfähigkeit gesteigert. Eigenblut-Doping ist nur durch aufwendige Testverfahren nachweisbar.

Die Kontakte zum spanischen Arzt hatte der 39-Jährige, der heute mit seiner Familie in der Schweiz lebt, allerdings schon im Vorjahr eingeräumt. Zudem waren der Internationale Sportgerichtshof CAS als auch die Bonner Staatsanwaltschaft von Dopingvergehen Ullrichs überzeugt gewesen. Der CAS sperrte den deutschen Radprofi im Vorjahr für zwei Jahre bis zum 22. August 2013 und annullierte dessen Ergebnisse seit dem 1. Mai 2005. Und Oberstaatsanwalt Fred Apostel sagte schon im April 2008: „Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: Ullrich hat gedopt.“ Die rheinische Anklagebehörde eröffnete aber kein Verfahren wegen Betrugs zu Lasten seines damaligen Arbeitgebers, des T-Mobile-Rennstalls, da zur aktiven Zeit des Radprofis „eine weithin verbreitete Doping-Mentalität vorherrschte“.

Mit dem Einräumen von Eigenblut-Doping verabschiedet sich Ullrich in der Öffentlichkeit von dem Bild des hartnäckigen Leugners und scheint eine zweite Chance im öffentlichen Ansehen für sich einzufordern. Diese wäre bei seinen Zukunftsplänen hilfreich: Der Mecklenburger will zusammen mit seinem ehemaligen Teamchef Olaf Ludwig Touren für Hobbyradfahrer anbieten. Dabei hilft ihm Reue mehr als Verdrängung, wobei Ullrich seinen Betrug nach wie vor kräftig relativiert.

„Fast jeder hat damals leistungssteigernde Substanzen konsumiert. Ich habe nichts genommen, was die anderen nicht auch genommen haben“, sagte er. „Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so.“ Erfolge im Radsport seien am Ende eine Frage von Talent, Teamgeist, Siegeswillen und der Leistungsfähigkeit. Parallelen zu Armstrong zog Ullrich selbst. „Beide sind wir nicht davongekommen und schuldig. Ich bin nicht besser als Armstrong, aber auch nicht schlechter“, sagte er. „Die großen Helden von früher sind heute Menschen mit Brüchen, mit denen sie klarkommen müssen.“

Anders als Armstrong dürfte Ullrich von horrenden Regressforderungen verschont bleiben. Prozesse sind nicht mehr anhängig. „Wir rechnen nicht mit juristischen Folgen“, sagte Falk Nier, Manager des früheren Radprofis. Auch der Tour-Sieg 1997 und die olympische Goldmedaille 2000 sind nicht in Gefahr. Die bisher gesicherten Dopingerkenntnisse über den Deutschen betreffen allesamt einen späteren Zeitraum.

Deshalb sind neue Ullrich-Enthüllungen kaum zu erwarten – etwa zu der Frage, ob er neben Eingenblut-Infusionen auch das Blutdopingmittel Epo oder Wachstumshormone erhalten habe. Er wolle die Vergangenheit ruhen lassen, so der gestürzte Rad-Held. „Das Thema ist für mich abgehakt“, sagte Ullrich. „Ich will nur noch nach vorne schauen und nie wieder zurück.“ Der 39-Jährige lieferte auch keine Namen von Helfern oder Mitwissern, die seine Manipulationen mitorganisiert hatten. Dieses Schweigen stieß auf Kritik: Die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA forderte Ullrich auf, die Namen der Hintermänner zu nennen. Und sein langjähriger – und jetzt noch aktiver – Profikollege Jens Voigt nannte Ullrichs Eingeständnis, Blutdoping betrieben zu haben, „einen alten Hut“.

Wenig Interesse an den Ullrich-Enthüllungen zeigte auch Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer. „Mit solch einem Geständnis hätte er sich und dem Radsport vor Jahren einen Gefallen getan“, sagte der frühere Verteidigungsminister und ergänzte: „Aber mit dem heutigen Radsport hat das nichts mehr zu tun.“ Ob sich diese Hoffnung bewahrheitet, wird sich spätestens bei der Tour de France zeigen, die am Sonnabend beginnt. Deren Belastungen sind mit zwei Ansteigen nach L’Alpe d’Huez und der Kletterpartie Mont Ventoux so hoch wie noch nie für die Teilnehmer.

Der Fall Ullrich – Chronik eines gefallenen Sporthelden

1996: Bei seinem Tour-de-France-Debüt wird Ullrich für das Team Telekom auf Anhieb Zweiter hinter seinem Mannschaftskapitän Bjarne Riis (Dänemark). Riss gesteht 2007, dass der Tour-Sieg mit Hilfe von EPO zustande kam.
1997: Ullrich wird erster deutscher Tour-Sieger und zum „Sportler des Jahres“ gewählt.
1998: Im badischen Merdingen, Ullrichs Wohnort, wird eine Straße nach dem Radprofi benannt.
2000: Ullrich wird in Sydney Olympiasieger im Straßenrennen und holt Silber im Zeitfahren. Im August ist er für kurze Zeit als erster deutscher Radsportler Weltranglistenerster.
Mai 2002: Ullrich begeht unter Alkoholeinfluss Fahrerflucht in seinem Porsche. Bei einer feucht-fröhlichen Disko-Sause nimmt Ullrich zwei Ecstasy-Pillen und wird später positiv auf Amphetamin getestet. Er wird gesperrt, das Team Telekom kündigt seinen Vertrag.
2006: Einen Tag vor dem Tour-Prolog werden Ullrich, Teamkollege Oscar Sevilla und Betreuer Rudy Pevenage vom 
 T-Mobile-Team wegen Doping-Verdachts suspendiert. Ullrich leugnet jede Schuld. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt wegen Betrugsverdachtes, die Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Falschaussage.
2007: Ullrich erklärt in Hamburg seinen Rücktritt vom aktiven Radsport und bestreitet weiter die Dopingvorwürfe. Nach einem DNA-Abgleich weist die Staatsanwaltschaft Bonn Blutbeutel, die beim spanischen Skandalarzt Eufemiano Fuentes gefunden worden waren, eindeutig Ullrich zu.
2008: Die Staatsanwaltschaft Bonn stellt die Ermittlungen gegen Ullrich wegen Betruges ein. Ullrich zahlt dafür 250 000 Euro für gemeinnützige Zwecke. Er behauptet bei seinem ersten Auftritt vor einem deutschen Gericht in Düsseldorf, nie gedopt zu haben.
2010: Das Landgericht Hamburg weist eine Unterlassungsklage von Ullrich gegen den Anti-Doping-Aktivisten Werner Franke zurück. Die Behauptung Frankes, Ullrich habe Geld für Doping bezahlt, sei als „wahr anzusehen“.
2012: Der Internationale Sportgerichtshof CAS sperrt Ullrich bis zum 22. August 2013 und streicht alle seine Ergebnisse seit dem 1. Mai 2005. Nach dem Urteil räumt Ullrich ein, Kontakt zu Fuentes gehabt zu haben.
Juni 2013: Jan Ulrich gibt im Interview mit dem Nachrichtenmagazins „Focus“ erstmals Blutdoping zu.

(mit: dpa)

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