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Sport-Welt Freund gewinnt Tournee-Auftakt
Sport Sport-Welt Freund gewinnt Tournee-Auftakt
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22:39 29.12.2015
Severin Freund hat das Auftaktspringen der 64. Vierschanzentournee in Oberstdorf gewonnen. Quelle: dpa
Oberstorf

Es lag an diesem Dienstagabend Spannung über dem Skisprung-Stadion von Oberstdorf, und das hatte im Gegensatz zum Vortag nichts mit einem Stromausfall zu tun. Erstmals seit den glorreichen Zeiten zur Jahrtausendwende, als Martin Schmitt und Sven Hannawald fünf Siege in Folge am Schattenberg gefeiert hatten, war die Arena mit 25 500 Fans ausverkauft. Und die erlebten einen wahrlich historischen Moment: Severin Freund flog zum ersten deutschen Sieg beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee – auf den Tag genau 13 Jahre nach Hannawald. Das ganze Stadion sang begeistert „Oh, wie ist das schön“ und Tausende Fans schwenkten deutsche Fahnen.

Skispringen in Zahlen

1. Springen in Oberstdorf:

1. Freund (Rastbüchl) 307,2 Pkt. (126,0/137,5 Meter); 2. Hayböck (Österreich) 304,2 (130,0/139,0); 3. Prevc (Slowenien) 299,9 (129,5/130,0); 4. Fannemel (Norwegen) 295,8 (130,5/129,0); 5. Kasai (Japan) 290,6 (127,0/133,5); 6. Gangnes (Norwegen) 288,6 (129,0/135,5); 7. Kraft (Österreich) 287,7 (130,0/127,5); 8. Forfang (Norwegen) 278,8 (121,5/127,0).

Platzierungen der weiteren Deutschen: 9. Freitag (Aue) 276,5 (121,0/130,0); 13. Wank (Hinterzarten) 264,5 (120,5/130,5); 14. Leyhe (Willingen) 263,5 (118,5/129,0); 15. Wellinger (Ruhpolding) 261,0 (118,5/130,0); 19. Neumayer (Oberstdorf) 249,5 (123,0/123,0); 26. Geiger (Oberstdorf) 238,6 (119,0/120,0); 29. Paschke (Kiefersfelden) 231,5 (112,5/118,0); 36. Kraus (Oberaudorf) 115,5 (115,5); 41. Eisenbichler (Siegsdorf) 108,2 (113,5).

„Ich freue mich wahnsinnig über diesen Tag. Aber da war auch ein gutes Stück Glück dabei“, sagte Freund. Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger war er in der vergangenen Saison geworden, und an diesem Abend feierte der 27-Jährige endlich auch seinen ersten Tagessieg bei der Vierschanzentournee. Wie der Champion fair bemerkte, half am Ende der Wind bei diesem Triumph mächtig mit. Nach dem ersten Durchgang hatte Freund noch auf Platz fünf gelegen, doch dann drehte im entscheidenden Moment der Wind. Freund hatte einen Hauch Aufwind und setzte sich mit einem grandiosen Sprung auf 137,5 Meter an die Spitze. Danach blies es wieder von hinten – und die restlichen vier Springer stürzten regelrecht ab.

Auch der bis dahin im jeden Sprung von Oberstdorf dominante Überflieger Peter Prevc schaffte es so nur auf 130 Meter – und landete am Ende hinter Freund (307,2 Punkte) und dem Österreicher Michael Hayböck (304,2) nur auf Platz drei (299,9).

„Dieses Ergebnis sollte  man nicht zu 100 Prozent für voll nehmen. Es wurde zum Schluss richtig hektisch mit dem Wind. Es ist ein Riesenunterschied, ob man einen Hauch von vorn oder von hinten hat“, bemerkte Freund nach seinem 21. Weltcup-Sieg. Dass er jetzt Favorit auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit dem legendären Grand-Slam-Erfolg von Hannawald vor 14 Jahren ist, wollte er noch gar nicht richtig glauben: „Es ist ja nur ein kleiner Teil der Tournee vorbei.“

Jetzt fährt Freund als Spitzenreiter zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen. „Auch wenn uns der Wind im rechten Moment geholfen hat – Severin hat sich diesen Erfolg so verdient. Es war ein Gänsehautgefühl, die deutschen Fans nach so langer Zeit so jubeln zu sehen. Es war im zweiten Durchgang viel Kampfgeist bei allen dabei, der uns auch ein wirklich tolles Teamresultat beschert hat“, sagte Bundestrainer Werner Schuster.

Die zweite deutsche Sieghoffnung Richard Freitag landete auf Platz neun. Durch eine enorme Steigerung im zweiten Durchgang verbesserten sich Andreas Wank, Stephan Leye und Andreas Wellinger zudem auf die Plätze 13 bis 15. Im vergangenen Jahr hatte es den schlechtesten deutschen Tournee-Auftakt in der Geschichte seit 1953 gegeben. Severin Freund war auf Platz 13 bester Deutscher – diesmal landeten gleich fünf Deutsche unter den besten 15.
„Es war für alle Deutschen schwierig, im ersten Durchgang in die Tournee reinzustarten. Aber dann sind wir einfach rotzfrech runtergesprungen. Ich glaube, es wird eine schöne Tournee“, sagte daher auch Wank.

Freund war vor drei Jahren in Oberstdorf als Dritter schon einmal auf dem Podest gelandet. „Damals hatte ich Glück mit dem Wind. Aber ich war nicht in der Form, die Tournee zu gewinnen. Das ist diesmal anders“, hatte er schon vor dem Springen erklärt. Gestern sagte er noch: „Ich glaube, dass ich diesmal gut vorbereitet bin.“
Nach diesem Auftakt scheint für ihn alles möglich.

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