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Sport-Welt Glatt gescheitert
Sport Sport-Welt Glatt gescheitert
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00:15 13.06.2013
Von Björn Franz
Auch die Hannover Scorpions, hier mit David Wolf (rechts),  wollen nach dem Verkauf der DEL-Lizenz einen Neuanfang unter dem Dach des DEB starten. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Haben Sie einen Moment Zeit? Dann nehmen Sie sich schnell noch einen Kaffee oder etwas anderes zu trinken, leeren Sie Ihren Kopf von anderen Gedanken und lassen sich für ein paar Minuten in das chaotische Gesamtbild entführen, das das deutsche Eishockey in diesen Tagen wieder einmal abgibt. Es hat eigentlich alles, was man für eine gute Fernsehserie braucht. Zwei verfeindete Parteien  – den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) auf der einen Seite, neun abtrünnige Zweitligisten auf der anderen –, einen reichen Nachbarn – die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) – und einen großen Bösewicht – DEB-Präsident Uwe Harnos. Aber bitte konzentrieren Sie sich. Denn es ist nicht ganz einfach, den Irrungen und Wirrungen zu folgen, die sich rund um die schnellste Mannschaftssportart der Welt hierzulande abspielen.

Die DEL

Als Vorbild der Deutschen Eishockey-Liga diente bei der Gründung 1994 die nordamerikanische NHL. Wie die beste Liga der Welt besteht auch die DEL aus Vereinen, die nicht absteigen können. Dennoch kommt aus finanziellen Gründen immer wieder Bewegung in den Kreis der Teams, die den deutschen Meister ausspielen. Aus 18 Mannschaften sind 14 geworden, von den Gründungsmitgliedern sind nur noch sieben dabei. Zuletzt erklärten die Hannover Scorpions nach 17 Jahren ihren Rückzug und verkauften die Lizenz nach Schwenningen. Voraussetzung für die Aufnahme in die DEL sind die wirtschaftlichen Qualifikation und eine gewisse Stadiongröße.

Ihren vorläufigen Tiefpunkt könnte die Situation am Dienstagabend erreichen, wenn das Präsidium des DEB in München tagt. Es ist zu erwarten, dass der Verband bei seiner harten Linie bleibt und die neun Klubs von Spielbetrieb ausschließt, die keine Meldung für eine 2. Liga unter dem Dach des DEB abgegeben haben. Diese Vereine haben sich entschlossen, nicht länger in einer vom Verband geführten Liga spielen zu wollen und sich stattdessen als DEL II der bereits seit 18 Jahren selbstständigen 1. Liga  anzuschließen, der DEL. Das will der DEB natürlich unbedingt verhindern, der ohne die etwa zwei Dutzend führenden deutschen Profiklubs lediglich noch die Nationalmannschaft und den Spielbetrieb auf Landesebene verwalten würde – und nicht viel mehr wäre als ein zahnloser Tiger.

Zweitligisten suchen Heil in der Flucht

Doch was treibt die Mehrzahl der bisherigen Zweitligisten dazu, ihr Heil in der Flucht in den Schoß ausgerechnet der Liga zu suchen, die sie über viele Jahre als eine Fehlkonstruktion und durch das Fehlen eines sportlichen Auf- und Abstiegs auch als das eigentlich größte Problem im deutschen Eishockey bezeichnet hat? Um das zu verstehen, muss man zwei Jahre zurückblicken. Damals lagen der DEB und die DEL – wie eigentlich fast ständig seit der Gründung der geschlossenen Eliteliga im Jahr 1994 – im Streit.

Die DEL II

Anfang Mai dieses Jahres wurde in Heilbronn eine Spielbetriebs-Gesellschaft gegründet, die künftig unter dem Dach der DEL spielen soll. Neun bisherige Zweitligisten haben sich vom DEB abgewandt und für eine Teilnahme an der DEL II gemeldet – Ravensburg, Heilbronn, Bremerhaven, Dresden, Landshut, Crimmitschau, Weißwasser, Bad Nauheim und Rosenheim. Allerdings wird diese Liga vom Deutschen Eishockey-Bund strikt abgelehnt, der eine eigene 2. Liga anbietet. Als Folge dessen wird es keinen Kooperationsvertrag zwischen dem DEB und der DEL II geben, wodurch die neue Liga auch vom Weltverband nicht anerkannt werden würde.

Bei den Verhandlungen um einen neuen Kooperationsvertrag, in dem unter anderem die das Pass- und Schiedsrichterwesen sowie die dafür von der DEL zu zahlenden finanziellen Ausgleichszahlungen vereinbart sind, wollten die Zweitligisten unbedingt die überfällige Aufstiegsregelung festschreiben lassen. Dabei wähnten sie sich auf der sicheren Seite, weil DEB-Präsident Harnos ihrer Meinung nach klar signalisiert hatte, ohne diese Verzahnung zwischen 2. Liga und DEL keinen Kooperationsvertrag zu unterschreiben.

Doch letztlich willigte Harnos eben doch in einen neuen Vertrag ein – ohne Aufstiegsregelung. Denn ohne den Kooperationsvertrag hätten die DEL-Klubs keinen Spieler für die deutsche Nationalmannschaft abstellen müssen – und bei der nächsten Weltmeisterschaft wäre Deutschland mit einer Zweitligaauswahl zielstrebig auf den Abstieg zugesteuert. Für die Klubs in der 2. Liga war damit das Vertrauensverhältnis zum DEB und vor allem zu Harnos zerstört.

Monatelanger Rechtsstreit steht bevor

Zwei Jahre später wollen sich neun der elf nach dem Zwangsabstieg des insolventen EC Hannover Indians verbliebenen Zweitligisten nun also vollends vom DEB lösen und als DEL II auflaufen. Der Verband reagierte auf die Gründung dieser Gesellschaft mit der Drohung, die Vereine samt der angeschlossenen Jugendabteilungen vom Spielbetrieb auszuschließen und die DEL II zur „wilden Liga“ zu erklären, aus der kein Spieler mehr in eine andere Liga im In- und Ausland wechseln könnte. Maßlos beeindruckt wirkten die abtrünnigen Klubs auf dieses Szenario allerdings nicht. Sie ließen das Ultimatum des Verbandes zur Meldung für die 2. Liga verstreichen – und drohen nun ihrerseits mit dem Gang vor Gericht.

Die 2. Liga

Der Deutsche Eishockey-Bund bietet unter seinem Dach eine 2. Liga an, die den Unterbau zur DEL bilden soll. Allerdings haben für diese Liga, aus der es keine Aufstiegsmöglichkeit in die DEL gibt, bislang nur die beiden bisherigen Zweitligisten Rießersee und Kaufbeuren sowie die aus der DEL ausgeschiedenen Hannover Scorpions gemeldet. Sollten die neun Zweitligisten, die nicht für die DEB-Liga gemeldet haben, nicht einlenken, dürfte die 2. Liga zunächst in vier regionalen Gruppen spielen (Nord, Süd, Ost und West), ehe es eine eingleisige Liga geben soll. Teilnehmer wären dann außer den drei gemeldeten Klubs bisherige Ober- und Regionalligisten.

Die Sitzung des DEB-Präsidiums am Dienstag könnte also einen monatelangen Rechtsstreit einleiten, der den Eishockeysport in Deutschland vollends der Lächerlichkeit preisgeben würde. Und mittendrin stecken – obwohl eigentlich unbeteiligt – die beiden hannoverschen Klubs.
Die Scorpions wollen nach dem Verkauf der DEL-Lizenz nach Schwenningen einen Neuanfang unter dem Dach des DEB starten. Einem Beitritt in die DEL II hat Manager Marco Stichnoth bereits eine klare Absage erteilt, da die dort seiner Aussage nach festgeschriebenen Aufnahmekriterien (Halle mit 3000 Plätzen und Etat von mindestens zwei Millionen Euro) für den Meister von 2010 derzeit nicht zu erfüllen seien. Also läuft es darauf hinaus, dass die Scorpions in einer regionalen Liga mit Klubs wie dem Adendorfer EC, den dem Rostocker EC, dem EHC Timmendorf und den Indians auflaufen werden, die allesamt für die Oberliga Nord gemeldet haben – aus der der DEB wohl kurzerhand in 2. Liga Nord machen wird.

Aber vielleicht kommt es ja am Dienstag auch ganz anders. Wundern würde das im deutschen Eishockey wohl niemanden mehr.

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