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Sport-Welt Ein Trio jagt Weltmeister Harting
Sport Sport-Welt Ein Trio jagt Weltmeister Harting
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10:26 27.07.2010
Von Carsten Schmidt
Der nächste große Wurf? Diskuswerfer Robert Harting holte bei der Heim-WM im vergangenen Jahr Gold; in Barcelona wird er sich einem harten Vierkampf stellen müssen. Quelle: dpa (Archiv)

Welche Bedeutung haben Europameisterschaften in der Leichtathletik?

Die kontinentalen Titelkämpfe liegen genau in der Mitte eines olympischen Vier-Jahres-Zyklus. Wer sich bei der EM in guter Form zeigt, weiß also, dass er sich zugleich auf dem richtigen Weg zu den Sommerspielen befindet. Allerdings sind Titel und Medaillen nur bedingt aussagekräftig. In den Laufwettbewerben sind Afrikaner und Amerikaner derart dominierend, dass der Europameister kaum Chancen auf einen Endlaufplatz bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen hat. Dagegen zählen die Europäer in den Geher-, Sprung- und Wurfwettbewerben sowie in den Mehrkämpfen nach wie vor zu den Weltbesten, sodass in diesen Disziplinen die Wettkämpfe in Barcelona auf Weltniveau stattfinden.

Seit wann werden Europameister gekürt?

Die Premiere fand bereits 1934 in Turin statt, allerdings nur für Männer. Die Frauen ermittelten vier Jahre später erstmals auf europäischer Ebene Titelträger und Medaillengewinner. In Barcelona findet die 20. Auflage der EM statt, die bisher im Vierjahresturnus in geraden, nicht-olympischen Jahren ausgetragen wurden (Ausnahme 1970, im damaligen olympischen Zyklus gab es zwei Veranstaltungen 1969 und 1971).

Wer sind die „Medaillenhamster“?

Den ewigen Medaillenspiegel führen zwei Staaten an, die es nicht mehr gibt: Die Sowjetunion stellte 121 Sieger und 333 Medaillengewinner zwischen den Jahren 1946 und 1990, die DDR gewann 91-mal Gold und insgesamt 238-mal Edelmetall zwischen 1958 und 1990. Dahinter folgen Großbritannien (84/221) und der Deutsche Leichtathletik-Verband (73/239). Insgesamt gewannen 38 Verbände Edelmetall bei Europameisterschaften, darunter auch Island und Luxemburg.

Wie ist die Beteiligung in Barcelona?

Die Veranstaltung in der katalanischen Metropole präsentiert sich in Rekordlaune schon vor dem ersten Startschuss. 1370 Athleten, so viele wie nie zuvor in der EM-Geschichte, haben gemeldet. Das Budget beträgt etwa 24 Millionen Euro. 3000 Medienvertreter und 2000 freiwillige Helfer sind im Olympiastadion dabei.

Wie viele Entscheidungen fallen in Barcelona?

Insgesamt 47 Wettbewerbe finden in Barcelona statt, 24 bei den Männern, 23 bei den Frauen. Das Programm unterscheidet sich kaum für die Geschlechter. Nur das Gehen über 50 Kilometer und der Zehnkampf ist reine Männersache. Die Frauen ermitteln dafür ihre beste Allrounderin im Siebenkampf.

Welche Ziele haben die Deutschen?

Eine zweistellige Medaillenzahl lautet die Verbandsvorgabe, diese Marke wurde 2006 mit zehnmal Edelmetall exakt erreicht. Die Vorgabe ist realistisch für das 73-köpfige deutsche Aufgebot angesichts von vier Sportlern, die die europäische Bestenliste anführen (Hürdensprinterin Carolin Nytra, Stabhochspringerin Carolin Hingst, Weitspringer Christian Reif und Diskuswerferin Nadine Müller). Ganz vorn mitmischen sollten zudem Titelverteidiger Ralf Bartels (Kugelstoßen), Weltmeister Robert Harting (Diskuswurf), die Hammerwerferin Betty Heidler, die Siebenkämpferin Jennifer Oeser, die Kugelstoßerin Nadine Kleinert (jeweils WM-Zweite 2009), Christina Obergföll, WM-Zweite 2005 und 2007 im Speerwurf, Hochspringerin Ariane Friedrich (WM-Dritte 2009) und die übrigen fünf Stabhochspringer. In den Läufen sieht es eher trüb aus. Außer Nytra hat sich bisher nur Langstrecklerin Sabrina Mockenhaupt für einen Vorderplatz empfohlen.

Wer sind die möglichen Stars der EM?

Im Sprint gibt es das Duell zwischen dem Briten Dwain Chambers und dem Franzosen Christoph Lemaitre, beide liefen in diesem Jahr schon unter zehn Sekunden. Ein weiteres Duell Frankreich – Großbritannien steht im Dreisprung zwischen Teddy Tamgho, dem Beinahe-18-Meter-Springer, und Weltmeister Phillips Idowu bevor. Die Weltmeisterinnen Blanka Vlasic (Kroatien, Hochsprung), Anna Rogowska und Anita Wlodarczyk (Hammerwurf, beide Polen) haben das Potenzial für Höchstleistungen ebenso wie der Norweger Andreas Thorkildsen im Speerwurf. Besondere Spannung verspricht der Diskuswurf der Männer, dort hat der Berliner Harting mit Olympiasieger Gerd Kanter (Estland), dem polnischen WM-Zweiten Piotr Malachowski und dem Ungarn Zoltan Kovago gleich drei Weltklasse-Kontrahenten.

Ist Doping ein Problem in der europäischen Leichtathletik?

In West- und Mitteleuropa gibt es in vielen Ländern Anti-Doping-Gesetze und weltweit die größte Dichte an Trainingskontrollen. Schon unentschuldigte Abwesenheiten werden konsequent sanktioniert. Lückenhaft ist das Kontrollnetz im Osten Europas. Gerade in der russischen Leichtathletik sind aber in den vergangenen Jahren zahlreiche Topathleten des Dopings überführt worden, sodass sich offenbar auch zwischen St. Petersburg und Wladiwostok ein Bewusstseinswandel breitmacht. Frühere „Problemländer“ wie Griechenland oder Bulgarien spielen mittlerweile kaum noch eine Rolle im europäischen Wettstreit.

Gibt es Liveübertragungen im Fernsehen?

Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF senden abwechselnd aus Barcelona, wobei die ARD heute beginnt. Vormittags gehen die Übertragungen bis maximal 14 Uhr, die Livesendungen am Abend mit allen Entscheidungen beginnen gegen 18.30 Uhr und dauern bis maximal 22.15 Uhr. Auch der Spartensender Eurosport sendet vormittags und abends live aus Barcelona.

Leichtathletik-Europameisterschaften in Barcelona: Der erst 19 Jahre alte Russe Stanislaw Emeljanow hat den Titel beim 20 Kilometer Gehen mit einer Zeit von 1:20,10 Stunden gewonnen.

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