Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sport-Welt Debatte um Fairplay überschattet 16. Etappe
Sport Sport-Welt Debatte um Fairplay überschattet 16. Etappe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:42 21.07.2010
Fair gewonnen? Alberto Contador (l.) fährt auf der 16. Etappe hinter Andy Schleck (r.) mit dem tags zuvor gewonnenen Gelben Trikot des Führenden. Quelle: ap

Die Aktion hatte für Diskussionen gesorgt und den Gesamtführenden der Tour de France, Alberto Contador, sogar genötigt, sich per Videobotschaft öffentlich zu entschuldigen. „Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht“, sagte der Spanier am Dienstag vor Beginn der 16. Etappe in einer Videobotschaft auf der Internetplattform YouTube. „Das tut mir leid.“ Durch eine Attacke am Port de Balès hatte Contador seinem Rivalen Andy Schleck am Montag das Gelbe Trikot entrissen – weil der Angriff aber just in dem Moment geschah, als Schleck ein technischer Defekt ausbremste, geriet Contador in die Kritik. Nun versuchte der Vorjahressieger, die Wogen wieder zu glätten. Unterdessen gab es am Dienstag, auf dem Teilstück nach Pau mit zwei Berganstiegen der höchsten Kategorie, keine Attacken der Favoriten.

Schon nach der Etappe vom Montag wollte sich Contador offenbar erklären. In Bagnère-de-Luchon, im Ziel, bot er Schleck den Handschlag an. Der Luxemburger lehnte ab. „Ich habe Alberto gefragt: ,Wie konntest du nur so etwas tun?‘“, sagte Schleck, der noch immer sichtlich aufgebracht war von der vorangegangenen Aktion. „Ich habe dieses Trikot nicht gestohlen“, konterte der Spanier sofort. Im lange so zurückhaltend geführten Duell um den Gesamtsieg ist somit pünktlich vor dem Showdown in den Pyrenäen Pfeffer drin. Doch das wollte Contador nach eigenen Angaben offenbar nicht. „Ich bin traurig, denn Fairplay ist mir sehr wichtig“, sagte Contador im Internet. Er hoffe, das Verhältnis zu Schleck werde wieder, wie es vor der Aktion war. „Contador ohne Gnade“, titelte dagegen die französische Sportzeitung „L’Equipe“ am Dienstag über dem Foto des schelmisch grinsenden Contador.

Das Manöver Contadors ist derzeit das Gesprächsthema Nummer 1 im Tour- Tross. „Man erntet, was man sät“, sagte Columbia-Sportdirektor Rolf Aldag in Anspielung auf die bedingungslose Tempo-Arbeit von Schlecks Team Saxo-Bank während der 3. Etappe nach Arenberg, als Contador wegen eines Defekts aufgehalten wurde. Der ehemalige Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer sieht das ähnlich: „Jetzt steht es 1:1.“ Die Frage aber bleibt: War die Aktion nun fair oder nicht? „Schwer zu sagen“, sagte Lance Armstrong, im vergangenen Jahr noch Mannschaftskollege von Contador im Team Astana, „wir hatten auf dieser Tour schon so manche eigenartige Tage.“ Der Rekordsieger kam 2003 übrigens beim Duell mit Jan Ullrich selbst auf einer schweren Pyrenäen-Etappe zu Sturz, konnte danach aber wieder zum Deutschen aufschließen, weil dieser wartete.

Dass eine Fairplay-Diskussion im Radsport, der nur allzu häufig von Meldungen über Doping oder angeblichen Motoren in den Rennrädern aufgeschreckt wird, ohnehin deplatziert sei, glaubt Aldag nicht. „Das eine ist das geschriebene, das andere das ungeschriebene Gesetz.“ Außerdem wehrte er sich davor, den Radsport ins schlechte Licht zu rücken. „Bei jedem Fußballspiel siehst du 15 Schwalben, da sagt keiner was“, sagte Aldag.

Armstrong, dem die amerikanischen Doping-Ermittler derzeit wohl auch keinen Fairplay-Preis verleihen würden, wollte den Vorfall ebenfalls nicht allzu hoch hängen. Entscheidend für den Ausgang der Tour sei der Angriff nicht. „Auch wenn Alberto eine halbe Minute hinten geblieben wäre, könnte er immer noch die Tour gewinnen“, sagte Armstrong.

Fedrigo hängt Armstrong ab

Der tief in seiner Ehre gekränkte Radprofi Lance Armstrong hat sich bei seiner Abschiedstour doch noch einmal zurückgemeldet. Der Rekordsieger – im Gesamtklassement längst in der Versenkung verschwunden – ließ mit seinem 6. Platz auf der 16. Etappe kurz jene Klasse aufblitzen, die ihn seit 1999 bei der Tour de France ausgezeichnet hatte. Der 38-Jährige, der in den vergangenen Tagen mit dem sportlichen Niedergang auch viele Schmähungen einstecken musste, hatte am Dienstag nach 199,5 Kilometern im Zielsprint einer neunköpfigen Ausreißergruppe in Pau allerdings keine Chance auf den Tagessieg. Den sicherte sich der Franzose Pierrick Fedrigo vor seinem Landsmann Sandy Casar.

Bei seinem nicht mehr für möglich gehaltenen Aufbäumen profitierte Armstrong aber sicher auch von der Inaktivität der Topfahrer Alberto Contador und Andy Schleck. Die Nummer 1 und 2 des Gesamtklassements erreichten das Ziel mit 6:46 Minuten Rückstand auf die Armstrong-Gruppe und ließen bei der Tagestour über vier Pyrenäen-Berge in der Verfolgung eine gewisse Konsequenz vermissen. Beide Spitzenfahrer trennen vor dem zweiten Tour-Ruhetag weiterhin acht Sekunden.

Das moderate Tempo der Spitzenfahrer kam Armstrongs Plänen entgegen. Der inzwischen in der Gesamtwertung tief gefallene frühere Seriensieger aus Texas hatte sich kurz nach dem Start in Bagnères-de-Luchon gemeinsam mit weiteren Fahrern vom Hauptfeld gelöst. Die legendären Pyrenäen-Anstiege Peyresourde, Aspin, Tourmalet und Aubisque bremsten die Fahrt der Ausreißer nicht.

Ermittlungen gegen Petacchi

Gegen den Italiener Alessandro Petacchi, der bei der Tour de France derzeit das Grüne Trikot des besten Sprinters trägt, wird in seiner Heimat wegen Dopings ermittelt. Mit den Untersuchungen gegen den Sprinter und vier weitere Fahrer sei bereits vor Beginn der Tour begonnen worden, hieß es am Dienstag. Bei dem Radprofi seien die synthetische Betäubungssubstanz Pfc (Perfluorocarburo) und menschliche Albumine sichergestellt worden. Petacchis Anwalt teilte dazu mit, der Radsportler wolle beweisen, „dass er mit dieser Sache schlichtweg nichts zu tun hat“.

Manuel Schwarz/Andreas Zellmer/dpa

Mehr zum Thema

Alberto Contador hat sich nach einer technischen Panne des Luxemburgers Andy Schleck bei der 15. Etappe der 97. Tour de France zum ersten Mal in diesem Jahr das Gelbe Trikot gesichert.

19.07.2010

Vorjahressieger Alberto Contador hat bei der 12. Etappe der Tour de France den Rückstand auf den Führenden Andy Schleck verkürzt. Der Spanier kam am Freitag nach 210,5 Kilometern von Bourg-de-Péage nach Mende als Zweiter zeitgleich mit dem Tagessieger Joaquin Rodriguez (Spanien) über die Ziellinie, und nahm Schleck zehn Sekunden ab.

16.07.2010

Der Brite Mark Cavendish hat den Sprint-Hattrick perfekt gemacht und mit dem 13. Tour-Etappensieg seinen Lehrmeister Erik Zabel übertroffen. Das Columbia-Ass Cavendish entschied bei der 97. Frankreich-Rundfahrt die dritte Massenankunft in Serie für sich und hat schon im zarten Alter von 25 Jahren Sprint-Legenden wie Zabel und Mario Cipollini hinter sich gelassen.

15.07.2010

Die Basketball-Weltmeisterschaft in der Türkei findet in diesem Jahr ohne Dirk Nowitzki statt. Der NBA-Star sagte seine Teilnahme bei den Titelkämpfen am Bosporus ab. Er will sich auf die Dallas Mavericks konzentrieren und bei der EM 2011 in das Nationalteam zurückkehren.

20.07.2010

Alberto Contador hat sich nach einer technischen Panne des Luxemburgers Andy Schleck bei der 15. Etappe der 97. Tour de France zum ersten Mal in diesem Jahr das Gelbe Trikot gesichert.

19.07.2010

Stabhochspringerin Silke Spiegelburg, Hochspringerin Ariane Friedrich und ihre Kollegen sind für die Leichtathletik-EM in Barcelona gerüstet. Von den Deutschen Meisterschaften in Braunschweig am Wochenende schöpfen die meisten Selbstvertrauen.

Carsten Schmidt 19.07.2010