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Sport-Welt Daum will neue Maßstäbe in Frankfurt setzen
Sport Sport-Welt Daum will neue Maßstäbe in Frankfurt setzen
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21:26 07.04.2011
Christoph Daum steht vor seinem Heimdebüt als Trainer bei Frankfurt. Quelle: dpa (Archivbild)

Die stählernen Absperrgitter an der asphaltierten Verbindung zwischen Bahnweg und Otto-Fleck-Schneise sind neu. Und die blickdichten grünen Planen rund um den Trainingsplatz an der Wintersporthalle auch. Und damit garantiert keiner auf dumme Gedanken kommt, haben sich böse schauende Sicherheitsleute mit schwarzer Weste auf allen erhöhten Positionen rund um die Frankfurter Arena postiert, die einen Blick auf das Übungsareal der Frankfurter Eintracht gewähren könnten. Die totale Abschottung hat Christoph Daum veranlasst, der neue emotionale Einpeitscher, der ansonsten doch keinerlei Scheu vor öffentlichen Auftritten verspürt.

Vor dem heutigen Heimdebüt in der Fußball-Bundesliga gegen Werder Bremen wird der 57-Jährige bei dieser Thematik grundsätzlich, denn er versteht nicht, dass deutsche Profiklubs immer noch Tür und Tor zur Übungsstunde öffnen. „Bei 80 von 120 Vereinen in Europa gibt es kein öffentliches Training mehr. Ich kann Spieler anders kritisieren, es ist eine ganz andere Atmosphäre.“ Selbst schuld seien die gegnerischen Klubs, die sich nicht verschanzen – Daum hat alle Einheiten erst in Wolfsburg und nun in Bremen beobachten lassen.

Es gibt keinen anderen Trainer in der Liga, der Pressekonferenzen so geschickt zum umfassenden Vortrag in eigener Sache umfunktioniert wie Daum. Die Fragestunde mit dem in feinem Anzug und grau-blau-orangefarbenen Schlips erschienenen Fußballlehrer fand ausnahmsweise im Eintracht-Museum statt; einer Erinnerungsstätte an eine glorreiche Vereinsgeschichte, die weitgehend in der Vergangenheit spielt. Doch in nostalgischen Erinnerungen will der weltgewandte Coach gar nicht schwelgen. „Tradition muss ein Sprungbrett sein – und nie ein Ruhekissen.“

Der vorerst nur bis Saisonende gebundene Retter hält sich selbst alle Optionen offen – wie anders sind Ausschweifungen zu verstehen, als Daum darüber fabulierte, Frankfurt sei ein Verein, „den ich eigentlich nicht im Beuteschema hatte“. Und überhaupt denke er ja „in anderen Kategorien“, in jenen, „die sich zur Champions League orientieren“. Wie zum Beleg fielen in seinen Ausführungen irgendwann die Namen Jose Mourinho und Alex Ferguson – so als seien dies Duzfreunde vom Nachbarklub.

Dabei hat Daum dummerweise unter der Woche gerade Historisches aus der „Königsklasse“ glatt verschlafen – beim Schalke-Spiel ist er zur Halbzeit eingeschlummert. Das Wunder von Mailand habe er erst mitbekommen, als er um halb fünf Uhr morgens vor dem Fernseher aufgewacht sei, sagt Daum: „Dann habe ich meinen Augen und Ohren nicht getraut.“ Die Anekdote soll dazu dienen, seinen Arbeitseinsatz zu kennzeichnen. Der Satz, „einige sind im Overload-Bereich“, bezog sind allerdings auf jene Schar Spieler, die den seit seiner Verpflichtung deutlich erhöhten Trainingsumfang mit Muskelverletzungen bezahlt haben.

Mit viel Pathos beschrieb der Vollgas-Rhetoriker, dass die Saison für die Hessen „bis zur letzten Sekunde ein Tanz auf der Rasierklinge“ werde. Das wahre Potenzial seiner Profis kenne er aber nicht, gibt er fast beiläufig zu. Das von Vorgänger Michael Skibbe ausgegebene Ziel von 50 Punkten? Daum zog die Augenbrauen hoch, als habe jemand einen schlechten Witz gemacht. „Das ist ein sehr hoher Anspruch.“ Lieber fabulierte er sodann darüber, dass er ja bereits Blockaden gelöst habe, „das dritte Bein hat uns in Wolfsburg in 15, 20 Situationen geholfen“. Eine Anspielung auf seine Aussage bei Amtsantritt, der Kopf sei das dritte Bein.

Es sind markige Sätze wie diese, die dem Allesverbesserer ein Alleinstellungsmerkmal geben. Aber die Tore kann auch er nicht schießen. „Ich versuche, alle mitzunehmen und voranzugehen. Es braucht Mitreißer, die Impulse geben.“ Sechs Spieltage vor Rundenende, mitten im Abstiegskampf, scheint auch egal, welche Halbwertszeit sie besitzen.

dpa

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