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Sport-Welt Chatton: „Wir müssen Mut haben für Neues“
Sport Sport-Welt Chatton: „Wir müssen Mut haben für Neues“
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22:19 13.06.2013
Von Uwe Kranz
„Warum holen wir uns nicht mehr Know-how aus dem Ausland?“, so Chatton. Quelle: dpa
Hannover

Nach dem Verpassen der Olympischen Spiele 2012 in London droht erstmals seit Einführung der EM 1994, auch ein Kontinental-Turnier ohne die Deutschen über die Bühne zu gehen. Es wäre eine große Peinlichkeit für ein Land, das sich rühmt, die stärkste Handball-Liga der Welt zu haben.

Für Bob Hanning, der beim Bundestag des Deutschen Handball-Bundes (DHB) im September in Düsseldorf als Vizepräsident Leistungssport kandidiert, geht der sportliche Abstieg der Auswahl nach dem WM-Sieg 2007 einher mit der Personalpolitik vieler Bundesligaklubs. Obwohl der deutsche Nachwuchs zuletzt mehrfach bei Großereignissen Gold holte, kommen die Talente in der Eliteklasse kaum zum Zug. Vom Champions-League-Sieger HSV Hamburg war in Montenegro kein Spieler dabei, vom Double-Gewinner THW Kiel waren es lediglich zwei.

Mut zum Verlieren

„Es fehlt an Klasse und auch am Mut der Vereine, letzten Endes auch mal ein Spiel verlieren zu können. Es ist immer sehr schwierig zu sagen, wir wollen den Nachwuchs fördern, aber gleichzeitig den Erfolg erwarten, den man vielleicht hat, wenn man ausschließlich mit Weltklassespielern arbeitet“, meinte Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin ist.

Die stärkste Liga der Welt als Fluch für junge deutsche Talente? Für Benjamin Chatton ist das nur eine Seite der Medaille. „Die Vereine können erst relativ spät eingreifen“, sagt der Geschäftsführer der TSV Hannover-Burgdorf und sieht die Verantwortung bei allen Beteiligten, viele Dinge müssten infrage gestellt werden – auch die Trainerausbildung, die dem DHB untersteht. Es stelle sich die Frage, ob die Ansätze in der Ausbildung trotz der Erfolge im Nachwuchsbereich noch zeitgemäß seien. „In der Schule würde man fragen: Bilde ich die Jugend aus, damit sie ein gutes Abitur macht, oder bereite ich sie ausreichend auf den Arbeitsmarkt vor“, sagt er. Anscheinend reichten die körperlichen Voraussetzungen der erfolgreichen Jugendspieler nur unter Altersgleichen zu Topleistungen. „Wenn ein 19-Jähriger gegen einen 23-Jährigen spielt, ist es offenbar nicht mehr genug“, sagt Chatton.

Die Förderung des Nachwuchses steckt in der Krise

Für den Burgdorfer ist es oft nicht die richtige Entscheidung für junge Spieler, immer gleich einen Bundesligisten als erste Station zu wählen. Manchmal könne auch der Gang in die 2. Liga der richtige Weg sein, „da ist aber jeder anders“. Vordergründig sei aber die Förderung junger Leistungssportler in Deutschland insgesamt in der Krise. „Sobald jemand das Schulsystem verlässt, ist Leistungssport nicht mehr vorgesehen“, sagt Chatton. Individualsportarten erhielten zwar noch viel Unterstützung durch die Bundeswehr, Mannschaftssportler könnten dagegen nur auf ein vereinseigenes Ausbildungssystem hoffen oder müssten bereits genug verdienen, um die sportliche Karriere zu finanzieren. Wenn sich daran nichts ändere, so Chatton, „glaube ich nicht, dass wir in zwölf Jahren bei Olympia in vielen Mannschaftssportarten noch dabei sind“. Einen Vorgeschmack boten die Spiele in London, wo Deutschland in den Teamsportarten nur im Hockey und Männer-Volleyball vertreten war.

Für den TSV-Geschäftsführer steht deshalb die Ausrichtung des Handballsports im Mittelpunkt. „Die Frage ist: Wo wollen wir 2020 stehen, und was müssen wir tun, um das zu erreichen?“, sagt er. Dazu solle der Verband auch offener für Anregungen von außen werden. In Spanien würden beispielsweise immer wieder innovative Deckungssysteme entwickelt, isländische Handballer hätten dagegen oft Vorteile in der Athletik. „Wir müssen Mut haben für Neues. Warum holen wir uns nicht mehr Know-how aus dem Ausland?“, fragt Chatton.

Was bringt die Zukunft?

Allerdings steckt der DHB derzeit in einem Macht-Vakuum. Über die Zukunft von Bundestrainer Martin Heuberger, der längst nicht mehr unumstritten ist, aber noch einen Vertrag bis 2014 besitzt, entscheidet das Verbandspräsidium. Aber beim Bundestag im September treten Präsident Ulrich Strombach sowie die Vizepräsidenten Horst Bredemeier und Heinz Winden nicht mehr an. „Es ist schwer, jetzt schon über Konsequenzen zu sprechen“, sagte Bredemeier, „das aktuelle Präsidium wird sicherlich keine Trainer-Entscheidung mehr treffen. Das müssen unsere Nachfolger besprechen.“

Chatton sieht in der Situation das Positive. „Manchmal kann das auch eine Chance sein“, sagt er. „Es geht aber nur miteinander.“ Ohne überflüssige Schuldzuweisungen.

mit dpa

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