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Sport-Welt Stecken Islamisten hinter dem BVB-Anschlag?
Sport Sport-Welt Stecken Islamisten hinter dem BVB-Anschlag?
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10:06 12.04.2017
Am Morgen nach der Sprengstoff-Attacke auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sichert die Polizei den Tatort mit massiven Kräften ab. An den Zufahrten standen Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen und schusssicheren Westen. Querstehenden Polizeiautos blockierten die Straßen.  Quelle: dpa
Dortmund

Nach dem Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund sind mittlerweile zwei Bekennerschreiben aufgetaucht. Ein Schreiben wurde am Dienstagabend in der Nähe des Tatorts gefunden, ein weiteres wurde nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am späten Dienstagabend im Internet verbreitet.

Offenbar stammt dieses zweite Schreiben aus der antifaschistischen Szene. Darin wird erklärt, der Bus sei mit eigenes für den Anschlag angefertigten Sprengsätzen als „Symbol für die Politik des BVB“ attackiert worden, die sich nicht genügend gegen Rassisten, Nazis und Rechtspopulisten einsetze.

In unmittelbarer Nähe des Tatorts hatten Ermittler am Dienstagabend das erste Schreiben entdeckt. „In dem Schreiben wird Verantwortung für Tat übernommen“, sagte Staatsanwältin Sandra Lücke am Dienstagabend in Dortmund. Die Echtheit werde derzeit „intensiv geprüft“. Es werde wegen des „Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts“ ermittelt, sagte Lücke. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen.

Bei diesem Schreiben gibt es offenbar einen islamistischen Bezug: Nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung“, NDR, WDR sowie der Deutschen Presse-Agentur vom Mittwoch wird in dem Bekennerschreiben auf den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten vom Dezember und den Einsatz deutscher Tornado-Kampfflugzeuge in Syrien Bezug genommen. Mittlerweile hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Sportler angeblich auf „Todesliste des Islamischen Staates“

In Sicherheitskreisen wurde intensiv darauf hingewiesen, dass ein islamistischer Hintergrund des Anschlags weiterhin nicht geklärt sei. Es seien weitere Überprüfungen notwendig. Das Schreiben trage auch keine Symbole der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Es könne sich nach wie vor auch um gewaltbereite Fußballfans, Erpresser oder andere Täter handeln.

Das in deutscher Sprache verfasste, einseitige Schreiben beginnt nach den Informationen mit den Worten „Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen“. Es werde behauptet, dass die deutschen Kampfflugzeuge daran beteiligt seien, Muslime im Kalifat des sogenannten Islamischen Staates zu ermorden.

Weiter heiße es, ab sofort stünden Sportler und andere Prominente „in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen“ auf einer „Todesliste des Islamischen Staates“, schreiben die Rechercheure von „Süddeutscher Zeitung“, WDR und NDR.

Fußballfans angeblich kein Ziel

Nach Informationen der dpa soll die Drohung gegen Sportler, Schauspieler und andere Prominente so lange gelten, bis die deutschen Kampfflugzeuge aus dem Kriegsgebiet abgezogen und die US-Luftwaffenbasis im pfälzischen Ramstein geschlossen sei. Fußballfans werden angeblich nicht als Ziele erwähnt. Das Schreiben trägt demnach keine Unterschrift.

Die Staatsanwaltschaft Dortmund hatte am Mittwochmorgen angekündigt, zunächst keine weiteren Presseinfos rauszugeben. „Wir haben den Grundsachverhalt geschildert, jetzt ermitteln wir“, betonte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Dortmund.

Um 19.15 Uhr waren nach Polizeiangaben drei Sprengsätze neben dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund explodiert, das Team befand sich auf dem Weg zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco.

Anfang April explodierten am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund drei Sprengsätze. Ein Spieler und ein Polizist wurden teils schwer verletzt.

Die Partie wurde daraufhin abgesagt und auf Mittwoch (18.45 Uhr) vertagt. BVB-Profi Marc Bartra wurde bei dem Vorfall verletzt.

Die Polizei geht von einem gezielten Angriff auf den Bus der Dortmunder Mannschaft aus, die gerade auf dem Weg ins Stadion war. Sie sprach vom Verdacht auf ein versuchtes Tötungsdelikt.

Von dpa/RND/zys