Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sotschi 2014 Victor An entzückt Putin
Sport Sotschi 2014 Victor An entzückt Putin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:13 23.02.2014
Die Russen feierten ihren Shorttrack-Import Victor An aus Südkorea lautstark mit „Molodez“-Rufen (Prachtkerl). Quelle: dpa
Sotschi

Victor An konnte seine Tränen nur mühsam unterdrücken. Die Russen feierten ihren Shorttrack-Import aus Südkorea lautstark mit „Molodez“-Rufen (Prachtkerl), Kremlchef Wladimir Putin gratulierte stolz. Mit olympischem Doppel-Gold über 500 Meter und in der Staffel innerhalb von nur einer Stunde wurde der 28 Jahre alte An bei den Sotschi-Spielen auch in seiner neuen Heimat zum Helden. „Das war die beste Erfahrung meiner Karriere. Ich werde Dich nie vergessen, Sotschi“, sagte der Sprinter mit dem gefärbten roten Haarschopf nach seinem Super-Coup.

Bei Olympia 2006 in Turin startete der wendige, fintenreiche Shorttracker für Südkorea - und war mit dreimal Gold und einmal Bronze der Star der Winterspiele. Acht Jahre später wiederholte er dieses bemerkenswerte Kunststück - nur diesmal für Russland. Mit jetzt sechs Olympiasiegen und zwei Bronzemedaillen rückte An damit in der ewigen Bestenliste der erfolgreichsten Winterolympioniken auf Platz fünf vor. „Es ist für mich eine Riesen-Ehre, in einer Reihe mit den größten Athleten zu stehen“, sagte der Asiate brav. „Ich hatte das nie erwartet.“ Zudem zog er dank seiner achten Medaille mit dem bei Olympia meistdekorierten Shorttracker Apolo Anton Ohno aus den USA (2/2/4) gleich.

Allein für jeden Olympiasieg kassierte An 122 000 Dollar (89 000 Euro), so dass er Sotschi mit fast 300 000 Euro Staatsprämie verlässt. Russlands neuer Importschlager reibt sich die Hände - er gilt als einer der begehrtesten Partner für Sponsoren. Die Tageszeitung «Sowjetski Sport» brachte die Euphorie im Lande auf den Punkt: „Man möchte auf die Straße laufen und vor Glück schreien! Victor An – der König von Olympia in Sotschi!“ Auch Staatspräsident Putin ließ es sich nicht nehmen, zu gratulieren. „Sie haben mit Ihrer Geschwindigkeit und Ihrer Technik alle Rivalen übertroffen und Siege in schwierigsten Rennen erkämpft“, erklärte Putin.

An versteckte seine Gefühle hinter einer bläulich schimmernden Sonnenbrille. „Auf diese Momente habe ich lange hingearbeitet und viele Schwierigkeiten überwunden“, sagte er nicht ohne Genugtuung. In Turin war er im Alter von 20 als Ahn Hyun-Soo erfolgreich, wurde in Südkorea auf Händen getragen und kassierte Millionen aus der Werbebranche. Doch 2008 begann nach einer schweren Knieverletzung seine Leidenszeit. An verpasste die Qualifikation für Vancouver und zerstritt sich mit dem Verband.

Im Sommer 2011 wechselte er nach Russland. Noch immer ist nicht gänzlich geklärt, wie ihn sein Weg dorthin führte. Der russische Eislauf-Verband dementiert jedenfalls, An mit viel Geld angelockt und dabei auch die USA ausgestochen zu haben. „Das sind Anschuldigungen. Es hat keinen Kampf zwischen Russland und den USA gegeben“, sagte Verbandspräsident Alexej Krawzow. „Angefangen hat alles mit einem Brief seines Onkels, der auch sein Agent ist, im März 2011. Ich lud ihn zu Gesprächen nach Moskau“, meinte er. Allerdings seien die Ärzte damals sehr skeptisch gewesen wegen Ans Fitness. „Sie sagten, Victors Verletzungen seien zu ernst, um nochmals das Olympia-Ziel ins Auge zu fassen“, enthüllte Krawzow in Sotschi. Dennoch erhielt An im Dezember 2011 die russische Staatsbürgerschaft.

Seinen neuen Namen nahm er in Würdigung des sowjetischen Rockmusikers Viktor Zoi an, der ebenfalls koreanische Wurzeln hat. „Und außerdem, weil das Victory im Namen steckt“, verriet An. Mit seinen koreanischen Gegnern pflege er inzwischen einen entspannten Umgang, behauptete er. „Es gibt weder Kränkungen noch Hass.“ Interessant wird sein, ob und für welches Land An in vier Jahren bei den Spielen im südkoreanischen Pyeongchang an den Start gehen wird. Sein Vertrag in Russland läuft nach der Saison aus, im Moment hält er sich alle Optionen offen.

dpa

Mehr zum Thema

Insgesamt 98 Entscheidungen in sieben Sportarten gibt es in den zwei Wochen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Der Olympiaplaner hilft Ihnen dabei, stets im Bilde zu bleiben, damit Sie keine Medaille verpassen.

21.02.2014

Ohne große Medaillenaussichten startet das deutsche Team in das zweite Olympia-Wochenende. Für eine Überraschung könnten am ehesten noch die Skispringer sorgen. Mit Spannung wird Alpin-Hoffnung Felix Neureuther in Sotschi erwartet

15.02.2014

Mehr als 2000 Sportler und Sportlerinnen aus aller Welt kämpfen in den nächsten Tagen in Südkorea bei den Special Olympics für Menschen mit geistiger Behinderung um Medaillen. Die Weltwinterspiele Pyeongchang 2013 vom 29. Januar bis zum 5. Februar finden im Gebiet um den Austragungsort der Olympischen Winterspiele 2018 im Nordosten des Landes statt.

28.01.2013
Sotschi 2014 Deutsche Snowboarderinnen im Finale - Karstens zieht an Gold vorbei, Kober holt Bronze

Slalom-Silber für Anke Karstens, Bronze für Amelie Kober: Die deutschen Snowboarderinnen haben am Final-Wochenende der Olympischen Winterspiele von Sotschi groß abgeräumt.

22.02.2014

Die Sotschi-Spiele waren für Felix Loch bereits nach seinen beiden Olympiasiegen unvergesslich. Jetzt darf der 24 Jahre alte Bayer bei der Schlussfeier auch noch die deutsche Fahne tragen.

22.02.2014

Maria Höfl-Riesch hat bei den Winterspielen von Sotschi eine weitere Olympia-Medaille verpasst. Die 29 Jahre alte Skirennfahrerin fiel beim Slalom im zweiten Durchgang auf Platz vier zurück.

21.02.2014