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Sotschi 2014 Pechsteins Medaillentraum bleibt unerfüllt
Sport Sotschi 2014 Pechsteins Medaillentraum bleibt unerfüllt
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18:07 19.02.2014
Claudia Pechstein beim Eisschnellauf über 5000 Meter. Quelle: dpa
Sotschi

Völlig ausgepumpt, aber gefasst verabschiedete sich Claudia Pechstein von ihren Fans. Ihre Sehnsucht nach der zehnten Olympia-Medaille blieb unerfüllt: Die fünfmalige Olympiasiegerin belegte bei den Winterspielen in Sotschi am Mittwoch über 5000 Meter in 6:58,39 Minuten den fünften Platz und konnte damit das Debakel der deutschen Eisschnellläufer nicht verhindern, die zum ersten Mal seit 50 Jahren keine Medaille holten.

Trotz der Enttäuschung will die 41-Jährige bis Pyeongchang 2018 auf jeden Fall weitermachen. "Warum soll das das Ende sein?", fragte Pechstein sichtlich aufgeräumt, "es ist schade, dass es nicht zur Medaille gereicht hat, aber die Konkurrenz war groß wie nie. Ich habe wieder die beste Leistung der Deutschen gebracht. Da muss die Alte wieder herhalten."

Die tschechische Vancouver-Olympiasiegerin Martina Sablikova feierte in 6:51,54 Minuten bereits das dritte Olympia-Gold ihrer Karriere. Silber ging an Ireen Wüst (Niederlande/6:54,28) vor ihrer Teamkollegin Carien Kleibeuker (6:55,66). Die Vancouver-Zweite Stephanie Beckert aus Erfurt wurde in 7:07,79 Achte, Bente Kraus (Berlin) landete in 7:10,65 auf dem elften Rang.

"Bombenzeit, Bombenkampf. Auf diese Leistung kann man stolz sein", lobte Pechstein-Freund Große nach der enormen Kraftanstrengung der Berlinerin, die es verpasste, als erste Athletin bei sechs Olympia-Teilnahmen Edelmetall zu holen. "Was diese Woche abgelaufen ist, da hätte man auch Fünfzehnte werden können." Immerhin war sie rund sechs Sekunden schneller als bei ihrem dritten Platz bei der WM im vergangenen Jahr an gleicher Stelle. "Respekt und Hochachtung vor dieser Weltklasseleistung", sagte Verbandschef Gerd Heinze. "Wir brauchen sie weiter als Motor im Team, weil sie mit ihrem professionellen Anspruch auf die Jungen ausstrahlt."

Mit einem Lächeln hatte sich Pechstein auf dem Ergometer aufgewärmt. Nach Platz vier über 3000 Meter und Rang 19 über die 1500 Meter wollte sie auf ihrer Lieblingsdistanz noch einmal angreifen. Sie versuchte alles auszublenden - die beinahe erdrückende Übermacht der Niederländerinnen bisher und ihre offensichtlichen Probleme, mit dem schweren Eis in der Adler-Arena zurechtzukommen. "Das ist nicht mein Eis, das ist Holland-Eis", so Pechstein vor dem Rennen. Seit die 5000 Meter 1988 bei Olympia eingeführt wurden, holten die Deutschen immer mindestens eine Medaille - dieses Mal nicht.

Auch der Vorteil, im letzten Paar aufs Eis gehen zu können und die vorgelegten Zeiten zu kennen, nützte ihr nichts. Zu stark waren die Vorgaben der Konkurrenz. Pechstein ging das Rennen sehr schnell an. Große und viele deutsche Olympia-Teilnehmer feuerten sie auf der Tribüne lautstark an. Bis zur Hälfte des Rennens durften sie noch von einer Medaille träumen - dann schwanden ihr auf dem schweren Eis langsam die Kräfte.

Dabei hatte Pechstein nichts dem Zufall überlassen. Rechtzeitig vor ihrem letzten Auftritt flogen zwei Techniker ihrer Partnerfirma auf eigene Kosten nach Sotschi und präparierten die Schlittschuhkufen der Berlinerin mit einem Präzisionsschliff. "Es waren zwei schlaflose Nächte. Es dauerte vier Stunden, um einem Paar Schlittschuhe ein Refit zu geben", erklärte Cheftechniker Andreas Babbe. Der ganze Aufwand reichte nicht zum erhofften Edelmetall.

Für Pechstein sollte eine Medaille zugleich ein "Schlag ins Gesicht der ISU" sein. Die Internationale Eislauf-Union (ISU) hatte sie 2009 wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt. Pechstein bestreitet bis heute jegliches Doping und gibt eine von ihrem Vater geerbte Blutanomalie als Grund für ihre nach wie vor wechselhaften Retikulozytenwerte an. Sämtliche sportgerichtliche Instanzen wiesen ihre Einsprüche gegen das ISU-Urteil aber zurück. Inzwischen hat sie den Weltverband auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt. Am 26. Februar soll in München über das Prozessprozedere entschieden werden. Dies alles schien in diesem Moment völlig nebensächlich.

dpa

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