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Zum Sommermärchen fehlt noch ein Stück

Fußball-EM Zum Sommermärchen fehlt noch ein Stück

Das deutsche Spiel und das Wetter sind noch weit entfernt vom Sommermärchenniveau. Trotzdem erlebt der Marburger Maurice Jauernick bislang eine schöne Fußball-EM in Frankreich.

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Der Blick vom Eiffelturm: Im Vordergrund stehen Polizeiwagen, hinten füllt sich die Fanmeile langsam.

Quelle: Maurice Jauernick

Paris. „Das war nicht so‘n tolles Spiel“, blickt Maurice Jauernick auf die Nullnummer der DFB-Auswahl gegen Polen zurück. „Eher ein bisschen zäh und sehr statisch.“ Der Stimmung im deutschen Block tat das keinen Abbruch, wie der Marburger aus Paris zu berichten weiß. Als Inhaber des „Follow my team“-Tickets reist er als Fan durch Frankreich und verfolgt alle Spiele Deutschlands live im Stadion.

Nach dem Auftakt gegen die Ukraine in Lille war nun das Stade de France Schauplatz der EM-Partie. Jenes Stadion, in dem am 13. November 2015 Deutschland ein Freundschaftsspiel gegen Frankreich austrug, als der Terror nach Paris kam. 130 Menschen starben damals. Nicht nur, aber auch deshalb war die Partie zwischen Deutschland und Polen am Donnerstag als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden. „Ein mulmiges Gefühl hatte ich aber überhaupt nicht“, sagt Jauernick. „Da habe ich nie drüber nachgedacht.“

Seltsame Sicherheitsvorkehrungen nach dem Spiel

Seltsam kamen dem 35-Jährigen jedoch die Sicherheitsvorkehrungen vor, vor allem nach der Partie, als die Polizei die Fans aus dem Stadion zum Bahnhof leitete. „Da standen mehrere tausend Menschen dicht gedrängt“, erzählt Jauernick. „Es war komisch abgeriegelt, mit Polizeiautos ist eine schmale Gasse gebildet worden. Wenn da Panik ausgebrochen wäre, wäre es schon kritisch geworden.“

Es blieb zum Glück ruhig. Sowohl vor als auch nach dem Spiel sei die Atmosphäre „sehr friedlich“ gewesen, so Jauernicks Beobachtung. „Es wurde viel gefeiert, es gab keine aggressive Stimmung.“

Polizisten mit Maschinenpistolen und Gewehren

Im Vorfeld hatte es verschärfte Kontrollen gegeben. Während Maurice Jauernick die Maßnahmen in Lille noch als lax empfunden hatte („In jedem Bundesliga-Stadion wird mehr kontrolliert“), begegneten ihm schon beim Verlassen der Haltestelle Polizisten. „In Kampfmontur“, beschreibt er deren Erscheinung „mit Maschinenpistolen und Gewehren“. Die Ordnungshüter kassierten Glasflaschen ein, beschränkten sich aber zunächst auf oberflächliche Gesichtskontrollen.

Etwa 400 Meter vor dem Stadion wurden die Überprüfungen dann intensiver. Das Abtasten sei aber auch „eher mau“ gewesen, „da wurde mal kurz an den Gürtel gepackt“, sagt der Marburger. Erst auf dem Vorplatz des Stadions, bei der dritten Kontrolle also, schauten die Sicherheitskräfte dann ganz genau hin. Jauernick empfand das Vorgehen aber nicht als übertrieben: „Es war nix, wo man sagen könnte, es hätte ewig gedauert.“

"Wenn die Polen etwas angestimmt haben, haben alle mitgemacht"

Im Stadion dann feuerten die Fanlager ihre Teams an. „Mein Eindruck war, dass die Polen lauter waren“, sagt Jauernick. „Wenn die etwas angestimmt haben, haben alle mitgemacht und sind aufgesprungen. Bei den Deutschen sah das etwas anders aus.“

Überhaupt ist die Stimmung noch vom Sommermärchen 2006 entfernt. Drei Gründe hat das Mitglied des Fanclubs der Nationalmannschaft dafür ausgemacht. Punkt eins: „Aufgrund des Wetters kann gar keine Stimmung aufkommen wie 2006. In Paris war es sehr durchwachsen.“ Punkt zwei: „Die Angst vor Anschlägen ist spürbar.“ Punkt drei: „Die Sache mit den Hooligans wie in Marseille trübt die Stimmung ein wenig.“

Strenge Einlasskontrollen beim Public Viewing

Die Zeit zwischen den ersten beiden Deutschland-Spielen hat Maurice Jauernick zusammen mit seiner Freundin zum Sightseeing in der französischen Hauptstadt genutzt. Auch auf dem Eiffelturm und auf der dortigen Fanmeile waren die beiden. „Alle wurden viermal abgetastet“, beschreibt er die strengen Einlasskontrollen dort. „Vor uns hatte einer Sonnencreme dabei, die durfte er nicht mitnehmen.“

Am Wochenende macht Jauernick einen Ausflug in die Normandie, bevor er am Dienstag nach Paris zurückkehrt. Dann geht es für Deutschland gegen Nordirland. „Darauf freue ich mich schon sehr“, sagt der Marburger. „Vor allem auf die nordirischen Fans.“

von Holger Schmidt

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