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Weltmeister Wilhelm Noll trifft einen Fan aus Colorado

Motorradsport Weltmeister Wilhelm Noll trifft einen Fan aus Colorado

Für den US-Amerikaner Paul Higgins ist ein lang gehegter Traum in Erfüllung gegangen. Er hat den inzwischen 90-jährigen Motorradweltmeister Wilhelm Noll aus Kirchhain getroffen.

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Einmal BMW-Weltmeister Wilhelm Noll (links) aus Kirchhain treffen: Dieser Wunsch ging für Paul Higgins in Erfüllung.

Quelle: Bodo Ganswindt

Kirchhain. Der 62-jährige Paul Higgins hat glänzende Augen. Ihm gegenüber sitzt Wilhelm Noll. Der Altmeister der Motorrad-Seitenwagenklasse zählt inzwischen 90 Lenze. Doch seine Popularität in Fach- und Fankreisen scheint ungebrochen. Und warum auch nicht? Immerhin hat noch einer der vielen Geschwindigkeitsweltrekorde von Wilhelm Noll Bestand für die Ewigkeit. 1955 brachte er es auf der Autobahn München - Ingolstadt, die eigens zu diesem Zwecke gesperrt wurde, auf Tempo 280 mit einer 70 PS starken Rennmaschine von BMW. „Wir sind damals mit einem hochexplosiven Spezialbenzin gefahren“, sagt Noll. Er erinnert sich noch an so viele Geschichten der Vergangenheit in all ihren Details.

Es macht Freude, ihm zuzuhören. Vor allem der aus dem US-Staat Colorado stammende Paul Higgins blickt das Idol seiner Jugend mit feuchten Augen an. Als 16-Jähriger habe er ein Buch über BMW-Motorräder erstanden, in dem unter anderem auch die Erfolge von Wilhelm Noll und seinem Partner Fritz Cron in Wort und Bild festgehalten sind. „Ich habe das Buch noch heute“, sagt Paul, „ein Bild darin gefiel mir ganz besonders, es war das von Noll und Cron. Seit der Zeit bin ich Fan von Wilhelm Noll und hatte den Wunsch, ihn einmal persönlich kennenzulernen.“

Autogrammwünsche werden erfüllt

Wenn es auch einige Jahrzehnte gedauert hat, so ist der Traum des Motorradfreaks, der mittlerweile 30 Maschinen sein Eigen nennt, in Erfüllung gegangen. Über die Forschung in seiner Ahnenreihe hat Higgins herausbekommen, dass ein Teil seiner Familie Wurzeln in Deutschland hat. Sein Onkel Heino Günther wohnt in Gilserberg. Den hat er kontaktiert und über ihn erfahren, dass Wilhelm Noll in dem nur wenige Kilometer entfernten Kirchhain wohnt. Noll sagte einem persönlichen Treffen mit dem Motorradfan aus Übersee, dem er bis dato nur briefliche Autogrammwünsche erfüllt hatte, zu. „Wenn ich jemandem eine Freude bereiten kann, tue ich das gerne“, sagt Noll, dessen Frau Gertrud wesentlich dazu beigetragen hat, dass das Treffen stattfinden konnte.

Am Donnerstag vergangener Woche war es so weit. Der Fan und sein Idol sahen sich erstmals von Angesicht zu Angesicht. „Paul ist ein sympathischer Mensch“, sagt Noll und signiert fleißig alle Fotos verschiedener Formate, die ihm der Gast vorlegt. Und natürlich weiß er zu jeder Vorlage beredt die passende Geschichte zu erzählen, als habe sie sich erst gestern ereignet. Der Gespannweltmeister der Jahre 1954 und 1956 fühlt sich geehrt durch derlei Interesse und erfüllt „selbstverständlich noch immer gerne Autogrammwünsche, die ihn aus fast allen Erdteilen noch heute erreichen.

Paul Higgins, der in der Stadt Centennial nahe der Hauptstadt Denver mit seiner Frau lebt, hat überdies Gastgeschenke aus seiner Heimat mitgebracht. Noll zeigt sich mit von ihm signierten Dosen sowie einer Medaille erkenntlich, die ihm anlässlich der Feier „90 Jahre BMW-Motorräder“ im Jahr 2013 überreicht worden war. Der Amerikaner ist „happy“.

Schließlich lassen beide alle Devotionalien im Café Noll, in dem das Treffen stattfindet, liegen, um auf dem Parkplatz vor dem Haus für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Auf einem Motorrad mit Beiwagen selbstverständlich (Foto: Ganswindt). Ohne besondere Schwierigkeiten besteigt Noll die BMW R 69, die sich Higgins für die Anreise im Motorradmuseum Otterbach in Rheinland-Pfalz ausgeliehen hat. Zum Abschied lässt Paul auf Wunsch seines neuen alten Freundes das Motorrad noch einmal kräftig röhren. Noll hat nämlich seit 1956 nur noch einmal ein Motorrad gefahren, als er eine BMW von München nach Kirchhain überführen musste.

Die Einladung eines Gegenbesuches lehnt Noll dankend ab: „Das macht das Herz nicht mehr mit, mein Arzt würde es mir übel nehmen.“

von Bodo Ganswindt

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