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Von Glanzzeiten und Neuanfängen

KSV Hessen Kassel Von Glanzzeiten und Neuanfängen

Einst klopfte der KSV Hessen Kassel an die Tür zur Bundesliga. Mit einer Hypothek von neun Punkten Abzug kann es für den Klub vor dem Saisonstart aber nur ein Ziel geben.

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Tobias Cramer trainiert die Regionalligamannschaft des KSV Hessen Kassel.

Quelle: imago sportfotodienst

Kassel. Insolvenz. Ein Wort, das in vergangenen Jahrzehnten nicht zum ersten Mal die Runde macht, wenn von Hessen Kassel die Rede ist - und ein Wort, das aktuell wieder in aller Munde ist. Bereits 1993 erwischte es den „alten“, im Jahr 1947 gegründeten Kultur-Sport-Verein Hessen Kassel. Mit 2,5 Millionen D-Mark Verbindlichkeiten belastet, musste­ der Hauptverein wegen eingetretener Zahlungsunfähigkeit das Konkursverfahren eröffnen, genau 100 Jahre nachdem im FC Union - einer der Vorgängervereine des KSV - der erste Kasseler Fußballverein aus der Taufe gehoben worden war.

Im November 1997 der nächste Rückschlag: Beim in der Nachfolge des „alten“ KSV stehenden FC Hessen Kassel gehen alle Lichter aus, nachdem der Club 1,8 Millionen D-Mark Schulden angehäuft hatte. Ein Neuanfang in der achtklassigen Kreisliga A ist unvermeidbar. 20 Jahre später steht der im Februar 1998 gegründete Kurhessische Sportverein Hessen Kassel, der sich nach einem Amtsgerichtsentscheid seit April 1998 - gemäß seinen Ursprüngen - wieder Kasseler Sport-Verein Hessen Kassel nennen darf, wieder vor einem Scherbenhaufen. Am 13. Juni dieses Jahres reichten die „Löwen“ beim Amtsgericht Kassel erneut einen Insolvenzantrag ein.

Schuldenlast: gut zwei Millionen Euro. Gemäß Statuten starten die Nordhessen damit mit einem Abzug von neun Punkten in die kommende Runde. Angesichts dieses Umstandes und des im Vergleich zu den Vorjahren geringeren Etats, der zuletzt dazu führte, dass der KSV verstärkt auf Spieler aus der eigenen Jugend setzt, formuliert der Verein neben dem wirtschaftlichen auch das sportliche Überleben in der vierten Liga als Ziel. Doch KSV-Teammanager Steffen Friedrich meint auch: „Zu Beginn werden alle gegen den Abstieg kämpfen - bis auf die Topfavoriten.“ Letztere sind für den 23-Jährigen der 1. FC Saarbrücken, SV Elversberg, TSV Steinbach, SV Waldhof Mannheim und Kickers Offenbach. Und was ist mit Stadtallendorf? Also jenem Team, das in den vergangenen Jahren häufig in der Vorbereitung gegen die „Löwen“ testete und dessen Trainer Dragan Sicaja KSV-Coach Tobias Cramer (42) gut kennt.

In den 1980er-Jahren dramatisch gescheitert

„Stadtallendorf hat über die vergangenen Jahre hinweg bewiesen, dass es eine sehr gute­ Mannschaft hat. Sie sind verdient aufgestiegen. Wir sind gespannt, wie sie die ersten Partien in der Regionalliga absolvieren werden.

Mit ihrem Trainer haben sie einen hoch engagierten und emotionalen Mann an ihrer Seite. Wir sind uns sicher, dass er seine Elf gut einstimmen wird“, sagt Friedrich, der selbst auf 32 Regionalliga-Einsätze für Kassel kommt. Friedrichs Vorgänger im gut 18700 Zuschauer fassenden Auestadion, wo der Traditionsverein seine Heimspiele austrägt, sind bekannte Namen: André Breitenreiter etwa, oder Dieter Hecking. Im aus Wiesenbach stammenden Reiner Künkel (von 1970 bis 1974; 107 Spiele/32 Tore), im gebürtigen Sterzhäuser Klaus Zaczyk (1978 bis 1982; 78/16) sowie in Dreihausens Trainer Volker Münn (1981 bis 1986; 151/8) liefen auch Ex-Profis­ aus dem hiesigen Landkreis einst für die Kasseler auf - und dies zu erfolgreichen Zeiten, von denen es in der knapp 200.000 Einwohner zählenden Stadt ebenfalls einige gab.

Anfang der 1980er-Jahre­ hatte der KSV in der 2. Bundesliga jedes Mal bis zum letzten Spieltag die Chance auf den Bundesliga-Aufstieg, scheiterte­ jedoch immer, teils dramatisch - etwa als Kassel in der Spielzeit 1984/1985 am letzten Spieltag noch von Rang eins auf Platz vier (!) verdrängt wurde, ehe 1987 nach sechs Jahren Zugehörigkeit zur „eingleisigen“ 2. Bundesliga der bittere Abstieg in die Oberliga Hessen folgte.

1964 war der KSV als Meister der Regionalliga Süd knapp am Sprung in die Bundesliga gescheitert. Mit 37.000 Zuschauern im Aufstiegsspiel gegen Hannover 96 (1:2) hat der damalige Heimspiel-Besucherrekord bis heute Bestand.

von Marcello Di Cicco

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