Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Vom Fußballstadion ins Restaurant
Sport Lokalsport Vom Fußballstadion ins Restaurant
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:42 05.09.2017
Der Abschluss seiner Karriere als Profifußballer: Alexander Huber (rechts) im „Retterspiel“ der Offenbacher Kickers gegen den FC Bayern München um Youngster Marin Pudic. Quelle: imago
Rodgau

Kochen ist seine Leidenschaft, er liebt guten Wein. Alexander Hubers Zukunftsplanung überrascht daher nicht: „Vielleicht mache ich in ein paar Jahren mein eigenes Restaurant auf“, erzählt er im Gespräch mit der Oberhessischen Presse. Bereits kommende Woche beginnt der aus Neustadt stammende Familienvater, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Rodgau bei Offenbach lebt, eine zweijährige Umschulung zum Restaurantfachmann. Eventuell könnte sich eine Ausbildung zum Weinsommelier anschließen. „Es kann natürlich auch passieren, dass ich nach drei Wochen hinschmeiße, weil ich merke: Das ist alles so gar nichts für mich“, sagt Huber, schiebt sofort hinterher: „Das glaube ich aber nicht.“

Im Leben des 32-Jährigen wird sich einiges ändern, nachdem für ihn seit seiner Jugend der Fußball im Mittelpunkt stand. Als 14-Jähriger kam er vom VfL Neustadt zu Eintracht Frankfurt, spielte für die SGE in der zweiten und nach dem Aufstieg 2005 auch dreimal in der ersten Liga. Er erzielte im Uefa-Cup-Spiel im November 2006 bei Celta Vigo das Tor zum 1:1-Endstand. Die Bundesliga erwies sich jedoch als eine Nummer zu groß für den Rechtsverteidiger. 2007 ging die Reise Hubers, der 2005 bereits für ein halbes Jahr an die damals noch drittklassige TSG 1899 Hoffenheim ausgeliehen war, über Zweitligist Eintracht Braunschweig zum Hamburger SV II in die Regionalliga, ein Jahr später zu den Offenbacher Kickers in die damals neugegründete dritte Liga.

Einige Anfragen, aber kein ausreichend gutes Angebot

Der Kämpfertyp spielte stets unspektakulär, war nicht der überragende Mann auf dem Platz, enttäuschte aber auch so gut wie nie. Beim FSV Frankfurt, für den er ab 2011 nahezu alle Zweitligaspiele bestritt, galt er als „Mr. Zuverlässig“. Trotzdem bekam er von den Bornheimern nach dem Abstieg im Sommer 2016 nur ein „inakzeptables Angebot“, war darüber „ziemlich enttäuscht“. Er stellte die Vereinssuche zunächst zurück, ließ sich an der Achillessehne operieren, die ihm über Jahre immer wieder Probleme gemacht hatte. Huber kämpfte sich durch die Reha, hielt sich bestmöglich fit, hoffte auf attraktive Angebote. „Ich wäre auch für ein oder zwei Jahre nach Asien oder Amerika gegangen.“ Anfragen erreichten ihn aus dem In- und Ausland, auch mit Regionalliga-Neuling Eintracht Stadtallendorf habe er „losen Kontakt“ gehabt. „Aber ich spüre meinen Körper immer mehr, es zwickt hier und da. Ich hätte“, da redet er nicht drumherum, „nur ein Angebot eines Vereins angenommen, das sich für mich finanziell wirklich gelohnt hätte.“ Es kam nicht.

Zu einer Offerte sagte Huber aber doch ja: für die Nationalmannschaft Tadschikistans zu spielen. In der ehemaligen sowjetischen Unionsrepublik wurde der frühere deutsche Junioren-Nationalspieler 1985 geboren, für die Auswahl des zentralasiatischen Landes stand er im Juni in der Asian-Cup-Qualifikation gegen die Philippinen auf dem Platz. „Die Erwartungshaltung war riesig, ich konnte sie gar nicht erfüllen“, erzählt er. „Manche haben gedacht, da kommt ein Messi oder ein Ronaldo aus Deutschland.“ Huber spielte durchschnittlich, der derzeit 151. der Fifa-Weltrangliste verlor mit 3:4. „Das Kapitel ist für mich geschlossen.“

Zum Abschluss mit dem OFC gegen die Bayern

Huber bereut nicht, für Tadschikistan gespielt zu haben. Überhaupt ist er mit sich im Reinen. „Ich habe als Fußballer vieles erlebt und einiges erreicht, darauf bin ich stolz“, sagt der 1,73-Meter-Mann, der sich nicht komplett vom Sport verabschieden möchte: Neben seiner Umschulung will er den Trainerschein machen. Außerdem kann er sich vorstellen, künftig auf Amateurniveau zu kicken - dann auf Provinzsportplätzen statt in Stadien, wie zuletzt noch einmal vergangene Woche auf dem Bieberer Berg: Für die finanziell angeschlagenen Offenbacher Kickers, bei denen er sich in den vergangenen Monaten fit gehalten hatte, wirkte er im „Retterspiel“ gegen Meister FC Bayern München (1:4) als Gastspieler mit - ein „richtig schöner Abschluss“.

von Stefan Weisbrod