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Fabian Hambüchens letzter Wettkampf

Kunstturn-Bundesliga Fabian Hambüchens letzter Wettkampf

Vom frechen Turnfloh mit Nickelbrille reifte Fabian Hambüchen zum Überflieger des deutschen Turnens. Am Samstag wird der 30-Jährige für seinen Club KTV Obere Lahn die allerletzte Übung seiner Ausnahmekarriere turnen.

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Fabian Hambüchen wird am Samstag beim kleinen Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft ­seine allerletzte Übung bestreiten – am Boden, danach ist Schluss.

Quelle: Michael Hoffsteter

Biedenkopf. Es war ein Abschied auf Raten. Am Ende aber kam es nicht mehr völlig überraschend, dass Fabian Hambüchen am Freitag vor dem Finale der Deutschen Turnliga (Sa., ab 18 Uhr) in der MHP-Arena Ludwigsburg) mit seinem Verein KTV Obere Lahn seinen endgültigen Abschied vom Leistungssport verkündete. „Ich habe zwar einen Riesenspaß in der Turnhalle – deshalb fällt mir diese Entscheidung auch nicht leicht. Für meine Zukunft und meine Gesundheit macht es für mich aber am meisten Sinn, nach dem Bundesliga-Finale den Absprung zu schaffen“, sagte der Olympiasieger und wohl populärste hessische Sportler dem Südwestrundfunk.

„Ja, wir haben es bereits länger gewusst“, räumt Albert Wiemers, Cheftrainer der KTV Obere Lahn, ein, „aber Fabian wollte es selbst verkünden. Deshalb hielten wir uns bedeckt.“ Bereits nach seinem Karrieregipfel, der Goldmedaille am Reck bei den Olympischen Spielen von Rio 2016, hatte der Weltmeister von 2007 und zwe­fache „Sportler des Jahres“ seinen Rückzug von der internationalen Bühne bekanntgegeben.

Danach widmete er sich neben dem Sportstudium turnerisch nur noch seiner alten Liebe in diesem Sport: der KTV Obere Lahn. Die Biedenkopfer, ursprünglich in der Bundesliga von den Etablierten noch als „Spaßtruppe“ belächelt, sind mit dem deutschen Vorturner in der Zwischenzeit zu einem ernstzunehmenden Top-Team gereift.

„Ich bin auf alles vorbereitet“

Neben Hambüchen gehen dort auch Mehrkampfmeister Lukas Dauser und Nachwuchshoffnung Nick Klessing an die Geräte. Beide werden jedoch am Samstag verletzungsbedingt nicht an die Geräte gehen. Hambüchen werde am Samstag nochmals alles in die Waagschale werfen: „In der Bundesliga muss man auch taktisch reagieren. Ich bin auf alles vorbereitet.“ Wenn es heißt, volles Risiko, dann werde er da sein.

„Er ist topfit und wird hoch motiviert an die Geräte gehen, wie alle anderen auch“, sagt Wiemers, der hofft, dass es am Samstag nicht nur um Hambüchen geht: „Fabian wird drei der insgesamt 24 Übungen turnen. Insofern kommt es am Samstag auf jede Übung an. Schließlich wollen wir gegen Stuttgart gewinnen und uns die Bronzemedaille sichern.“ Hambüchen startet am Sprung, dann am Reck und zum Abschluss am Boden. „Ich freu‘ mich einfach darauf, das wird eine Riesenshow“, sagt Hambüchen und meint damit sein Königsgerät, das Reck. Denn am Reck könne er einfach keine erleichterten Übungen turnen.

Gros des KTV-Kaders bleibt

Aber genau darin liegt auch das Problem des Meisters. „Auf dem Niveau weiter zu turnen, würde ein komplett anderes Leben mit sich bringen. Ich habe jetzt den Schwerpunkt auf meinem Studium liegen, ­habe angefangen ein Haus zu bauen, halte Vorträge, also ich habe so viele Projekte, dass das so mit dem Turnen auf Dauer nicht funktionieren kann“, erklärt er.

Die Bundesliga würdigte am Freitag ihr Aushängeschild. „Ein Mann, der das Turnen in Gesamtdeutschland geprägt hat wie keiner vor ihm. Aber auch einer, der den Sport kritisch, mit offenen Worten und Mahnungen begleitet hat. Er hat sich immer getraut, bei den Verbänden den Finger wieder und wieder in die Wunde zu legen“, sagte Liga-Präsident Jens-Uwe Kunze.

Indes macht sich Albert Wiemers bereits Gedanken über die Zeit nach Fabian Hambüchen. Gedanken, aber keine Sorgen: „Das Gros unserer Athleten hat bereits für die kommende Bundesliga-Saison zugesagt. In Lukas Dauser und Nick Klessing, die lange ausgefallen sind, haben wir zwei überragende Turner in unseren Reihen und damit auch ohne Fabian gute Perspektiven“, erläutert Wiemers, der hofft, dass zudem Ringe-Spezialist Jasper Jennemann nicht auch noch seine Karriere beendet. Seine weitere Planung ist noch offen – ganz im Gegensatz zu der von Hambüchen …

von Nils B. Bohl
 und Michael E. Schmidt

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