Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Turniermodus soll auf den Prüfstand
Sport Lokalsport Turniermodus soll auf den Prüfstand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 11.01.2019
Trotz dieses spektakulären Fallrückziehers von Thomas Wellner (rechts) verlor der VfB das Finale gegen die SF BG Marburg. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Geschafft und müde, aber auch stolz war Bernhard Nather am Tag nach dem großen Finale. „Die neuen Sachen sind gut angenommen worden“, sagte der Turnierleiter des Ausrichters TSV Elnhausen am Tag nach dem Turnier. Biergarten mit Fassbier, Live-Ergebnisse und Live-Übertragungen auf Leinwänden fanden großen Anklang.

Auch das Heft zur Stadtmeisterschaft kam bestens an. Darin enthalten waren sämtliche Statistiken zu den bisherigen 34 Turnieren, akribisch zusammengetragen von Nather selbst. „Das ist ein Hobby von mir“, sagte er, wollte sich aber nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen. Das Team, die 15 Ehrenamtlichen, wollte er unbedingt erwähnt wissen. Ohne sie wäre das Turnier nicht zu stemmen gewesen.

Mit ihnen wurde es gerade am Endrundenwochenende ein Fußballfest unterm Hallendach. „Es war ein würdiges Finale der zwei besten Mannschaften“, befand Nather, der zugab, insgeheim darauf gehofft zu haben, dass ein unterklassiger Verein einen Favoriten ärgern würde. Die Hauptsache für ihn war aber: „Es war fair. Die guten Schiedsrichter haben keine Rote Karte verteilen müssen, es gab keine Verletzungen.“

Blau-Gelb Marburg siegt im Lokalderby gegen den VfB. 24 Mannschaften waren am Start.

Am Ende feierten die Sportfreunde Blau-Gelb Marburg ihren insgesamt vierten Titel (einer davon noch als Blau-Gelb Marburg). Wobei das Endspiel gegen den Verbandsliga-Lokalrivalen VfB Marburg ein Spiegelbild des Turnierverlaufs bot. „Es war ein Auf und Ab“, bilanzierte der Sportliche Leiter des Siegers Maurice Jauernick.

In der Vorrunde sei man nicht souverän gewesen, in der Zwischenrunde habe sein Team dann „richtig guten Fußball gespielt und schön kombiniert“. Die Gruppenphase der Endrunde sei dann wieder durchwachsen gewesen. Beim 1:3-Rückstand gegen den FV Wehrda standen die Blau-Gelben kurz vor dem Aus, drehten aber die Partie noch. „Danach haben wir dann wieder richtig guten Fußball gezeigt, gerade im Halbfinale gegen Bauerbach“, sagte Jauernick.

Im Finale dann führten die SF BG mit 3:0, kassierten den Ausgleich um letztlich doch mit 4:3 gegen den VfB zu gewinnen. „Ich denke, wir sind verdienter Stadtmeister. Vom Kollektiv war das stark“, lobte „Momo“ Jauernick, um dann doch die Routiniers Michel Kleemann und Ingo Czyrzewski, dem sogar ein Fallrückziehertor gelang, gesondert hervorzuheben: „Die beiden haben in der Halle ihren zweiten Frühling erlebt.“

Rückblick

Bauerbach ist bereit – und auf der Hut

SF BG Marburg sind Hallen-Stadtmeister

Aufregung nach Tritt in die Bande

Für beste Stimmung sorgten am Finaltag 560 Zuschauer. „Wehrda hat viel dazu beigetragen“, lobte Bernhard Nather speziell den Anhang des FV. „Für uns war es sportlich ein toller Erfolg, den Gruppenligisten Richtsberg zu schlagen“, sagte Stefan Clasani, Fußball-Abteilungsleiter des eine Klasse tiefer spielenden FV Wehrda. „Wir haben uns auch in der Endrunde gut verkauft.“

Lob verteilt Clasani – wie alle hier Zitierten – an den Ausrichter TSV Elnhausen. Die Kritik fiel allgemein aus: „Schade, dass nur 24 Mannschaften teilgenommen haben. Das Turnier hätte mehr Teilnehmer verdient gehabt“, fand Clasani.

In die gleiche Kerbe schlägt auch Peter Schmidt: „Es gefällt mir nicht, dass so wenige Mannschaften teilgenommen haben“, erklärte Marburgs Kreisfußballwart und kündigte an, ein paar Vorschläge aufs Papier bringen zu wollen, die den Austragungsmodus beträfen. Konkret wollte Schmidt noch nicht werden, einige Beteiligte dagegen äußerten schon Ideen.

„Vor 10, 15 Jahren wollte noch jeder teilnehmen. Jetzt ist der Reiz nicht mehr so da“, sagte „Momo“ Jauernick. Ein anderer Turniermodus und eine Erhöhung beziehungsweise andere Verteilung des Preisgeldes wären aus Sicht des Sportlichen Leiters der SF BG Marburg sinnvoll. „Vielleicht wäre ein Modus interessant, wo A- und B-Ligisten eine Vorrunde unter sich ausspielen“, schlägt Jauernick vor. „Da haben die Vereine doch auch mehr Spaß dran.“ Möglicherweise könne man für diese Vorrunde – neben der Qualifikation für die Endrunde – ein kleines Preisgeld ausloben, um den Anreiz zu erhöhen.

Beltershäuser für „Tannenbaumsystem“

Marc Schönfelder pflichtet dem grundsätzlich bei. Der Trainer geriet mit seinem B-Ligisten SV Beltershausen in der Vorrunde gehörig unter die Räder. 1:5, 0:8, 0:10, 1:7 – das waren die Ergebnisse gegen die SF BG Marburg, die BSF Richtsberg, den SV Bauerbach und den TSV Michelbach. „Zuerst wollten alle mitspielen“, berichtete Schönfelder. „Dann kam bei der Auslosung eine Gruppe heraus, die für uns nicht machbar war. Da hatte keiner mehr Lust hinzufahren.“ Der Trainer musste all seine Überredungskünste aufbieten. Der SV Großseelheim, auch in dieser Vorrundengruppe, trat dagegen nicht an.

Ein „Tannenbaumsystem“ schlägt Schönfelder vor, um die Stadtmeisterschaft attraktiver zu machen. Also Vorrundengruppen, in denen unterklassige und höherklassige Vereine zunächst unter sich sind. Dann – so seine Hoffnung – hätten die besten Kreisligisten vielleicht auch die Chance, die K.-o.-Runde zu erreichen.

Kreisfußballwart stellt Bande zur Disposition

Eine weiters Dorn um Auge ist Peter Schmidt „die hohe Aggressivität innerhalb des Spielfelds“. Zudem werde immer über das Spielniveau diskutiert. „Wie sieht der Hallenfußball aus, wenn keine Bande im Spiel ist?“, stellt der Kreisfußballwart eine Frage in den Raum. Futsal also, eine Variante, in der inzwischen fast überall Hallenturniere ausgetragen werden. „Man müsste es mal probieren.“ Das allerdings müssten die Vereine – sofern gewünscht – mit der Stadt Marburg besprechen.

Die Meinungen scheinen allerdings auseinander zu gehen. Stefan Clasani vom FV Wehrda zum Beispiel ist ein Verfechter des Bandenkicks: „Das macht das Spiel schneller und interessanter. Zur Marburger Stadtmeisterschaft gehören Banden dazu.“ Beltershausens Schönfelder würde Futsal mal probieren“, da es körperloser sei und die Verletzungsgefahr ablehne. Für Jauernick hat beides seinen Reiz. Er bringt aber noch eine Variante ins Spiel: „Es gibt auch Turniere mit Bande und Kunstrasen.“

Es gibt also noch viel Rede- und Diskussionsbedarf unter den Vereinen. Fest steht aber, dass sich der TSV Elnhausen über ein ordentliches Plus freuen darf. Das Geld soll laut Nather ins Vereinsheim – genauer in die Renovierung der WC-Anlagen – gesteckt werden.

von Holger Schmidt