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Topleistungen, Enttäuschung und ein fürchterlicher Schrei

Mehrkampfmeeting in Marburg Topleistungen, Enttäuschung und ein fürchterlicher Schrei

Eine Woche vor dem traditionellen Meeting im österreichischen Götzis stand am Wochenende das Georg-Gaßmann-Stadion in Marburg ganz im Zeichen des Mehrkampfs.

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Während die einen um jede Hundertstel verbissen kämpften, machten andere eine Verschnauf­pause (links) oder kühlten sich ab. Fotos: Nadine Weigel (2) / Helmut Schaake

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die deutschen Olympia-Kandidaten steigen bekanntlich erst am 28. und 29. Mai in Götzis (Österreich) ein. In Marburg waren somit zwar nicht die absoluten Topstars der Szene, aber andere nationale Spitzenathleten mit Ambitionen für die Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) am Start.

Und dennoch hatte sich ein Großer angekündigt: Pascal Behrenbruch von der LG Eintracht Frankfurt – Europameister 2012 mit persönlicher Bestleistung von 8558 Punkten. Doch am Ende hieß es anmelden ja, abmelden nein. Wo ist Behrenbruch? Das war dann auch die große Frage – nicht nur beim Orgateam in Marburg, sondern auch bei vielen Zuschauern und dem Bundestrainer.

Der inzwischen 31-Jährige, der schon so oft für Irritationen gesorgt hat und beim DLV wegen seiner Unzuverlässigkeit in Misskredit geraten ist, glänzte ebenso wie sein angekündigter neuseeländischer Zehnkampffreund und Trainingspartner Brent Newdick durch Abwesenheit. Später hieß es, Behrenbruch sei wegen muskulärer Probleme in Marburg nicht angetreten. Trotz alledem wurde den Fans im Georg-Gaßmann-Stadion einiges geboten. Dabei band der Herborner Sport-Moderator Artur Schmidt die Athletinnen und Athleten sowie die Zuschauer in das Wettkampfgeschehen ein.

Höhepunkte und krönender Abschluss eines jeden Mehrkampfs sind die 800 Meter beim Siebenkampf der Frauen und die 1500 Meter beim Zehnkampf der Männer. Dabei fordert Schmidt die Zuschauer kurzerhand auf, von der Tribüne zu kommen und Spalier auf der dritten Bahn zu stehen, um die Läuferinnen und Läufer lautstark bis ins Ziel zu unterstützen. Jeder Teilnehmer wurde mit einigen kleinen Episoden und Bemerkungen vorgestellt, so wie etwa die beiden Leverkusener Geschwister Silvia und Simone Mrotzek, die in Marburg persönliche Bestleistungen aufstellten.

Bei aller Harmonie erschreckte zwischendurch ein fürchterlicher Schrei beim Stabhochsprung die Zuschauer. Der 21-jährige Leverkusener Torben Blech lag auf der Bahn und schrie. Was war passiert? Aussichtsreich lag er bis zum Stabhochsprung auf Platz vier und leistete sich bei seiner Anfangshöhe nach drei ungültigen Versuchen einen „Salto-nullo“, sodass es für Torben Blech für die siebte Disziplin keinen Punkt gab und er auf Platz elf zurückfiel.

Er verstand die Welt nicht mehr. So ein Pech und das, obwohl er erst vor zwei Wochen 5,10 Meter übersprungen hatte. Er zeigte jedoch Kampfgeist, indem er danach mit dem Speerwurf weitermachte und auch die 1500 Meter absolvierte. Dies brachte ihm viel Beifall ein. Als „Neunkampfsieger“ schaffte er 6582 Punkte. Pech für Blech, der sonst mit der Gewissheit locker auf 7400 Punkte gekommen wäre. Die weitesten Sprünge in der Grube vor der Haupttribüne landeten bei den Männern Patrick Scherfose (LG Weserbergland) und Torben Blech mit jeweils 7,34 Metern. Bei den Frauen sprang die Österreicherin Karin Strametz bei der U20 mit 6,15 Metern Bestweite.

In der Frauenklasse sprang die Rumänin Judith Nagy im Trikot des Königsteiner LV mit ausgezeichneten 6,35 Metern nicht nur Tagesbestweite, sondern auch persönlichen Rekord.

Die höchsten Sprünge absolvierte Zehnkampfsieger René Stauß (SG Schorndorf), der sich mit dem Stab über luftige 5 Meter schwang und 2,09 Meter ohhn Stab überfloppte.

Pulverisiert hat Jan Ruhrmann seine Bestleistung: Er reiste mit 7307 Punkten an und mit 7972 im Gepäck wieder aus Marburg ab – schaffte damit die WM-Norm der U20. Mit 17,15 Metern stieß er auch die Kugel am weitesten und warf die Diskusscheibe auf hervorragende 49,17 Meter. Er macht sich nun berechtigte Hoffnungen auf eine der zwei WM-Tickets. Bundestrainer Lars Albert lobte: „Mit 7400 Punkten konnte man rechnen, aber 7972 sind einfach sensationell.“ Auch der zweitplatzierte Lennard Biere (Team Schleswig-Holstein/7371) und der Dritte Maximilian Vollmer (Ulm/ 7203) lagen über der Norm von 7200 Punkten für die Weltmeisterschaften in Bydgoszcz (Polen).

Die Dritte bei der weiblichen U20, die 17-jährige Mareike Rösing (Team Schleswig-Holstein/5411) lag als deutsche U-18-Hallenmeisterin ebenfalls knapp über der Norm. Athleten und die Bundestrainer waren sich einig: „Marburg war eine mustergültige Veranstaltung für die Mehrkämpfer. Wir kommen gerne wieder“, sagte exemplarisch die Bundestrainerin der weiblichen U20, Eva Rupp.

von Helmut Schaakeund Michael E. Schmidt

Ergebnisse

Siebenkampf Frauen

1. Lisa Linnell (Schweden) 5862 Punkte (100 m Hürden: 14,66 / Hoch: 1,77 / Kugel: 12,19 / 200 m: 25,19 / Weit: 6,09 / Speer: 41,18 / 800 m: 2:12,79. 2. Judith Nagy (Rumänien) 5839 (14,33 / 1,71 / 12,59 / 25,09 / 6,35 / 39,97 / 2:19,18). 3. Louisa Grauvogel (LG Saar 70) 5682 (14,05 / 1,68 / 12,59 / 24,80 / 5,84 / 40,09 / 2:21,30... 5. Christina Kiffe (ASC Darmstadt) 5542 (14,63 / 1,59 / 13,98 / 26,17 / 5,97 / 41,10 / 2:33,39.

Siebenkampf weibl. U20

1. Karin Strametz (Österreich) 5666 (14,24 / 1,71 / 10,50 / 25,27 / 6,15 / 39,28 / 2:15,93. 2. Bianca Salming (Schweden) 5596 (15,23 / 1,80 / 13,87 / 26,62 / 5,58 / 41,92 / 2:17,97. 3. Mareike Rösing (Team Schleswig-Holstein) 5411 (14,73 / 1,77 / 11,08 / 25,95 / 5,86 / 36,85 / 2:23,53).

Zehnkampf Männer

1. René Stauß (SG Schorndorf) 7812 Punkte (100 m: 11,42 / Weit: 7,08 / Kugel: 14,30 / Hoch: 2,09 / 400 m: 50,95 / 110 m Hürden: 15,47 / Diskus: 44,21 / Stab: 5,00 / Speer: 55,22 / 1500 m: 4:39,45.2. Patrick Scherfose (LG Weserbergland) 7667 (11,10 / 7,34 / 14,56 / 1,91 / 50,74 / 14,64 / 42,98 / 4,80 / 48,82 / 4:48,62. 3. Nils Merten (LAV Tübingen) 7590 (11,08 / 7,31 / 14,89 / 1,88 / 49,66 / 14,43 / 43,30 / 4,40 / 49,71 / 4:56,08.

Zehnkampf männl. U20

1. Jan Ruhrmann (Team NRW) 7972 (11,37 / 7,05 / 17,15 / 1,93 / 49,77 / 15,56 / 49,17 / 4,40 / 63,01 / 4:32,33. 2. Lennard Biere (Team Schleswig-­Holstein) 7371 (11,52 / 7,19 / 16,30 / 1,90 / 51,08 / 15,23 / 47,36 / 4,50 / 49,45 / 5:22,45). 3. Maximilian Vollmer (Ulm) 7203 (11,38 / 6,62 / 14,54 / 1,75 / 50,43 / 15,28 / 36,18 / 4,30 / 61,03 / 4:36,71).

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