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Sterzhäuser rast zu Youngster-Titel

Motorsport Sterzhäuser rast zu Youngster-Titel

Mann gegen Mann im Rausch der Geschwindigkeit: Wenn Kai Bamberger mit seinem Motorrad auf der Rennstrecke ist, kennt er keine Freunde. In der kommenden Saison ­startet er im Deutschen Langstrecken Cup.

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Kai Bamberger jubelt über seinen Meistertitel im Klassik Youngster Cup. Mit der Honda CBR 600 (kleines Bild) tritt er nächste Saison im Deutschen Langstrecken Cup an.Privatfotos

Sterzhausen. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um das zu machen“, sagt Kai Bamberger über seinen eigenen Sport. Doch eben jene Verrücktheit ist es, die den Reiz am Motorradfahren ausmacht. „Das schnelle Fahren, die Zweikämpfe um eine Position, das Adrenalin - das macht den Nervenkitzel aus“, sagt er. Abseits der Strecke versteht er sich gut mit seinen Kontrahenten - im Rennen aber gibt es für ihn nur noch Rivalen. Das Sturzrisiko spielt dabei keine Rolle. „Die Angst fährt zwar immer ein bisschen mit, aber man blendet das aus“, sagt er.

Mit dem Rennfahrer-Virus hat Bamberger sich schon früh infiziert. Bereits im Alter von acht Jahren fährt er „mit einem kleinen Motorrädchen“ auf einer eigens dafür gedachten Strecke, vergleichbar mit einer Kartbahn. Anfangs fährt er nur zum Spaß, doch eines Tages wird er von Scouts des ADAC entdeckt. In dessen Minibike-Serie beginnt er seine Karriere als Rennfahrer. Vorläufiger Höhepunkt: Der Gewinn des Meistertitels im Klassik Youngtimer Cup 2015. Im Seniorenbereich der 400er-Klasse (400 Kubikzentimeter Hubraum) erreicht er mit seiner Kawasaki ZXR 400 in 12 Läufen, in denen er antritt, fünf Siege, sechs zweite Plätze und einen dritten Platz. Mit dem Titel empfiehlt er sich für höhere Aufgaben in der kommenden Saison.

Im „Mo2Project“-Team von Marc Szczesny aus Linden bei Gießen geht der 22-Jährige 2016 im Deutschen Langstrecken Cup in der 600er-Klasse an den Start. Im Team mit zwei weiteren Fahrern, mit denen er sich während des Rennens abwechselt, fährt er dort zum ersten Mal über lange Distanzen. Zum Saisonauftakt in Hockenheim am 26. März 2016 geht es zunächst über 1000 Kilometer. Im Laufe der Saison folgen unter anderem Rennen über eine Zeitdistanz von sechs beziehungsweise acht Stunden.

Die Teilnahme an diesen Veranstaltungen ist jedoch mit Kosten verbunden, das Rennfahren ist ein teures Hobby. Rund 3500 Euro kostete die letzte Saison für Reisen, Startgebühren, Ersatzteile und Sprit.

Vater als Mechaniker

Um in der 600er-Klasse starten zu können brauchte Bamberger jetzt außerdem ein neues Bike. 2 700 Euro kostete die Anschaffung der Honda CBR 600, weitere 1300 Euro investierte er in die Umrüstung. „Alleine würde ich das gar nicht schaffen“, erklärt er. Muss er aber auch nicht. Neben den Eltern und der Schwester unterstützt ihn auch der Verein MSC Rockenberg. Trotz allem bleibt der Sport für ihn ein Zuschussgeschäft. „Ein richtiger Sponsor würde sehr helfen“, sagt er. Leider seien Geldgeber aber schwer zu finden.

So investiert Familie Bamberger wohl auch in der Saison 2016 einen Betrag, der für einen Jahresurlaub reichen würde, in die Rennwochenenden. Doch auch diese geraten regelmäßig zum Familienausflug. Vater Reiner übernimmt gemeinsam mit einem Freund die Aufgabe des Mechanikers. „Die beiden schrauben am Bike herum und machen die Einstellungen. Ich kann mich dann ganz auf das Rennen konzentrieren“, so Kai Bamberger. Die Abstimmung des Motorrads ist dabei nicht immer einfach. „Man muss vieles lernen. Reifentyp, Reifendruck, Übersetzung und so weiter. Da braucht man Erfahrungswerte“, erläutert Reiner Bamberger. Auch Mutter Inge und die Schwester sind häufig mit von der Partie. Mit Wohnmobil und Zelten übernachten alle an der Strecke.

„Es ist immer eine Gaudi, auch mit den anderen Leuten, die an den Rennen beteiligt sind. Die Menschen dort sind wie eine Riesenfamilie“, sagt Kai Bamberger. Die Atmosphäre rundherum ist neben den Rennen selbst einer der Gründe, warum er trotz aller finanziellen Hürden die Motivation nicht verliert. Der Fahrzeuglackierer nimmt sich für Teilnahme zudem immer wieder Urlaubstage auf der Arbeit.

Damit es sportlich 2016 läuft, fährt Bamberger kurz vor Weihnachten mit seinem neuen Team in ein Trainingslager nach Spanien. Dort kann er die neue, ungewohnte Maschine schon einmal austesten. Auf den Straßen im Landkreis ist das nämlich nicht möglich - Bamberger besitzt keinen Motorradführerschein und darf lediglich mit Autos fahren. Einen wirklichen Trainingseffekt würde eine Fahrt im normalen Straßenverkehr aber ohnehin nicht bringen. „Auf der Rennstrecke kann man sich austoben - man muss sich richtig in die Kurve reinlegen und hat keine Knautschzone. Im Straßenverkehr muss man sich bändigen“. Etwas abschauen kann er sich hingegen bei den Profis der „MotoGP“ im Fernsehen.

Dass es für ihn selbst einmal bis in die höchste Liga reicht, ist schon aus finanziellen Gründen recht unwahrscheinlich. Dazu brauche man viel Geld für Trainingsmöglichkeiten und Material. Wenn er eines Tages aber die Möglichkeit bekäme, seinen Sport professionell zu betreiben, würde er keine Sekunde zögern.

von Peter Gassner

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