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Lokalsport Adlerhorst vermisst die Nestwärme
Sport Lokalsport Adlerhorst vermisst die Nestwärme
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19:58 17.11.2018
Etwa 6000 Zuschauer kamen 2015 zum Gastspiel der Frankfurter nach Stadtallendorf. Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Sportlich sind die Adler in Bundesliga und Europa League auf einem Höhenflug. Das freut die Mitglieder vom Adlerhorst Stadtallendorf selbstverständlich – Grund zum Klagen gibt es im Jahr eins nach Niko Kovac unter dem neuen Trainer Adi Hütter wahrlich nicht.

Wäre da nicht das nächste Jahr. Da nämlich feiert der Adlerhorst, mit derzeit exakt 801 Mitgliedern der größte Eintracht-Fanclub, sein 30-jähriges Bestehen. Und bei den letzten besonderen Jahrestagen war der Frankfurter Fußball-Bundesligist immer im Stadtallendorfer Herrenwaldstadion zu Gast. Mit voller Kapelle und allen Stars hieß es 2009 und 2015 (mit einem Jahr Verspätung) Eintracht gegen Eintracht zum freundschaftlichen Vergleich. Jeweils mehr als 5000 Zuschauer kamen, auch weil der Adlerhorst kräftig die Werbetrommel in ganz Mittelhessen rührte.

Im nächsten Jahr droht dieses Highlight aus Fanclub-Sicht zu platzen. „Zum 20- und 25-jährigen Bestehen hatten wir die Eintracht zu einem tollen Zeitpunkt zwischen den Trainingslagern in der Sommervorbereitung hier“, sagt Werner Fleckna, Schriftführer, Schatzmeister und Sprachrohr des Fanclubs Adlerhorst Stadtallendorf. Dieser Zeitpunkt sei ihm wichtig gewesen. Denn in Länderspielpausen im Herbst beispielsweise seien ja die Stars mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen.

Traditionsmannschaft 
„ist nicht unser Anspruch“

Am 7. Mai schrieb Fleckna also eine Mail an Rainer Falkenhain, der in den vergangenen Jahren für diese Belange bei der Frankfurter Eintracht zuständig war. Im nächsten Jahr würde man gerne „die Profimannschaft der geliebten Eintracht“ nach Stadtallendorf einladen, hieß es im Schreiben. Als attraktiven Gegner würde der Fanclub den hiesigen Südwest-Regionalligisten (zumindest nach derzeitigem Stand) vorschlagen.

Die Antwort ließ lange auf sich warten und erfolgte vor ein paar Wochen in Form eines Anrufs von Thomas Westphal, beim Bundesligisten zuständig für Spielbetrieb und Teammanagement. „Er hat mich angerufen und mir abgesagt“, erzählt Fleckna. In dem kurzen Telefonat habe ihm Westphal mitgeteilt, dass er im Sommer nächsten Jahres keinen Termin frei habe. Stattdessen könne er die Traditionsmannschaft der SGE anbieten. „Nichts gegen die Traditionself“, sagt Fleckna irritiert. „Aber das ist nicht unser Anspruch. Da war ich enttäuscht.“

„Ich kann es nicht nachvollziehen“

Die Medienabteilung von Eintracht Frankfurt verwies auf OP-Nachfrage darauf, dass die Planungen für die neue Saison schon auf Hochtouren liefen und beispielsweise Trainingslager geplant werden müssten. „In unserem sehr eng getakteten Plan hat dieses Spiel leider nicht reingepasst. Wir bedauern das sehr, weil uns der EFC Stadtallendorf sehr nah ist und wir immer sehr begeistert über die professionelle Arbeit und Vorbereitung sind“, teilt Pressechef Jan Martin Strasheim per E-Mail mit.

Seine Enttäuschung über die Absage brachte Fleckna am 2. Oktober gegenüber Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann, den er seit Jahren kennt und mit dem er per du ist, per 
E-Mail zum Ausdruck. Eine Antwort ist bislang ausgeblieben. „Ich kann es nicht nachvollziehen“, sagt das Adlerhorst-Sprachrohr zur Absage. Schließlich gibt sein Fanclub selbst sehr viel für die Eintracht.

Fleckna sagt es nicht so offen: Aber ein Freundschaftsspiel der Frankfurter in Stadtallendorf erwartet er dann doch als Gegenleistung, als Zeichen der Wertschätzung, als Anerkennung für die Unterstützung. Gerade in Zeiten, wo die Nationalmannschaft auch wegen fehlender Fan-Nähe viel Kredit verspielt hat, wäre das auch ein schönes Zeichen für den Adlerhorst.

Fans nehmen für ihr Team viel auf sich

Neulich haben sie einen Flieger nach Rom gechartert. In der italienischen Hauptstadt spielen die Frankfurter am 13. Dezember bei Lazio in der Europa League. 89 Mitglieder vom Adlerhorst und 85 aus der Binding-Szene Frankfurt fliegen dann gemeinsam um 7 Uhr im ausgebuchten Airbus A 320 gen Rom und nach der Partie nachts um 4.30 Uhr wieder zurück in die Mainmetropole. „Übernachten wäre nicht möglich gewesen, allein wegen der Standgebühren für das Flugzeug“, erklärt Fleckna. Stattdessen hat er vier Busse organisiert, für den Transport vom Flughafen zum Olympiastadion und zurück.

Genug Erfahrungen haben die Stadtallendorfer Fans mit Auswärtsfahrten. Seit ein paar Jahren auch europaweit. Das aus Fan-Sicht legendäre Spiel in Bordeaux, Nikosia auf Zypern, Tel Aviv oder das exotische Qarabag in Aserbaidschan – überall war der Adlerhorst dabei. „Wir zählen als Vielfahrer bei Auswärtsspielen“, erklärt Fleckna. Das heißt: Der Fanclub wird bevorzugt behandelt bei der Ticketvergabe. Trotzdem bekommen längst nicht alle Fans, die mitfahren wollen, Karten. Dann verfährt der Adlerhorst nach dem Motto: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Eintracht 
lässt Hintertürchen offen

Wie im Fall Lazio Rom. „Die 89 Karten zeigen schon unseren Stellenwert für den Verein“, sagt Werner Fleckna, der seit mehr als 50 Jahren mit seiner Eintracht auch zu Auswärtsspielen fährt, und noch einmal auf die Absage des Eintracht-Gastspiels in der Sommervorbereitung 2019/20 zurückkommt: „Wir sind nicht irgendwer. Umso enttäuschter sind wir.“

Immerhin: Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es. Denn zum Abschluss des Statements von Medienchef Strasheim heißt es, dass die Eintracht „leider keine Zusage zum gegenwärtigen Zeitpunkt geben“ könne.

Vielleicht wird also doch noch etwas aus dem Gastspiel der großen Eintracht bei der kleinen Eintracht. Später, wenn die Planungen für den Sommer abgeschlossen sind. Oder wieder mit einem Jahr Verspätung. Auch das würden Fleckna und der
Adlerhorst ihrer Eintracht
sicherlich verzeihen.

von Holger Schmidt