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Stadtallendorf erhält Lehrstunde in Sachen Effizienz

Fußball-Hessenliga Stadtallendorf erhält Lehrstunde in Sachen Effizienz

Selten war eine Mannschaft in dieser Hessenliga-Saison so überlegen wie die Stadtallendorfer gegen den SV Wiesbaden - und doch stand die Eintracht am Ende mit leeren Händen da und verlor mit 0:2 (0:0).

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Eine Chance von vielen für die Eintracht: Hier verzieht Kevin Schudy (Mitte) aus aussichtsreicher Position. Wiesbadens Keeper Masar Qosa muss nicht eingreifen. Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Stadtallendorf. Manchmal sind Niederlagen nicht zu erklären. Das 0:2 (0:0) der Stadtallendorfer war so ein Fall. Immer dann greifen die Beteiligten zu Allgemeinplätzen wie diesen. „Im Fußball geht es um Tore. Wenn wir aus unserer Überlegenheit keine machen, ist der Fußball brutal.“ Oder auch: „Wenn man seine Chancen nicht nutzt, macht der Gegner eben mit seiner ersten Aktion das Tor.“ Das erste Zitat stammt von Eintracht-Trainer Dragan Sicaja, das zweite von seinem Abwehrspieler Dominik Völk.

Beide waren sich auch in einem anderen Punkt einig: Die fehlende Erfahrung hat nach dem Rückstand den Ausschlag gegeben, dass die Rollen anschließend nicht mehr so eindeutig verteilt waren. Denn die Stadtallendorfer kontrollierten das Geschehen in den ersten 45 Minuten nach Belieben. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte Sicaja und ließ sich sogar zu diesem Lob hinreißen: „Bis zum Gegentor haben wir überragenden Fußball gespielt.“

Doch dann kam eben der Nackenschlag: Jonas Grüter schlug einen langen Ball hinter die Dreierkette der Gastgeber. Abwehrchef Raul Guzu stand falsch und ließ sich von Younes Bahssou abschütteln. Allein vor Keeper Stephen Jäckel vollstreckte der Wiesbadener Torjäger abgezockt zum 1:0 (59.). „Dann fängst du an nachzudenken und der Gegner kommt auf“, sagte Völk.

Allerdings hatte sich der Treffer in den Minuten zuvor angedeutet. Die Elf aus der Landeshauptstadt war nach passiver erster Hälfte mit einer ganz anderen Einstellung aus der Kabine gekommen. „In den letzten vier Spielen haben wir nicht sehr gut gespielt. Wir haben sehr gehemmt begonnen, in der ersten Halbzeit haben wir sehr schlecht gespielt“, gab Wiesbadens Trainer Djuradi Vasic zu. „Wir haben das irgendwie überbrückt und Mut geschöpft.“ Bahssou zwang Jäckel zu einer Glanzparade. Bei der anschließenden Ecke fiel der Ball vor die Füße von Bartosz Franke, dessen Abschluss aber missglückte (51.). Acht Minuten später klingelte es doch im Kasten der Stadtallendorfer.

Zu diesem Zeitpunkt hätten die Herrenwälder längst führen müssen. Schon nach wenigen Sekunden leitete Oliver Richardt, der im ersten Durchgang bärenstark auftrumpfte und nach der Pause nachließ, die erste Chance ein. Nach seiner Flanke von der rechten Seite stocherte eine ganze Spielertraube nach dem Ball, Kevin Schudy konnte letztlich kein Kapital schlagen.

Immer wieder fanden die Stadtallendorfer über die Außenbahnen Lücken oder kamen mit langen Diagonalbällen gefährlich vors Tor. „Der letzte Tick, der letzte Pass hat aber gefehlt. Da haben wir falsche Entscheidungen getroffen“, bemängelte Sicaja. Ariel Szymanski schloss zu überhastet ab (4.), der glücklose Felix Erben war dagegen zu verspielt und blieb noch an Michael Seidelmann hängen (15.), Kevin Schudy verzog aus aussichtsreicher Position (27.) und nach einer Richardt-Flanke bekam Erben nicht genug Druck hinter den Kopfball (29.). Zudem hatte Gäste-Torwart Masar Qosa gleich mehrere Male Glück, dass seine Unsicherheiten bei hohen Bällen nicht bestraft wurden. Wiesbaden dagegen hatte vor der Pause nicht einen Torschuss zu bieten.

Nach dem Rückstand verlor die Eintracht den spielerischen Faden. Als Sicaja alles auf eine Karte setzte, den bis dahin geschonten Toptorjäger Del-Angelo Williams (Sicaja: „In den letzten Spielen hat man gemerkt, dass ihm die Spritzigkeit gefehlt hat“) einwechselte, Kevin Vidakovics in den Sturm beorderte und hinten nur noch zu zweit verteidigen ließ, ergaben sich dennoch kleinere Chancen. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Szymanski, die er sich wegen eines überflüssigen Fouls im Mittelfeld und seiner anschließend noch überflüssigeren Meckerei einhandelte (80.), nutzte Wiesbaden die Räume zum entscheidenden Konter. Kevin Bartheld verlor den Ball, Grüter passte in den freien Raum, Franke traf zum 2:0 (86.).

„Manchmal sind Niederlagen schwer zu akzeptieren“, sagte TSV-Trainer Dragan Sicaja, der aber gleich nach vorne schaute: „Wir haben eine lernfähige Mannschaft.“ Wiesbaden jedenfalls erteilte eine Lehrstunde in Sachen Effizienz.

Tore: 0:1 Younes Bahssou (59.), 0:2 Bartosz Franke (86.).

Stadtallendorf: Jäckel - Vidakovics, Guzu, Völk - Richardt, Atas - Bartheld - Schudy (72. Ademi), Szymanski, Dinler (62. Vogt) - Erben (58. Williams). Wiesbaden: Qosa - Seidelmann, Pajic, Kopilas, Reichardt - Grüter - Olumide (90. Cavallo), Ahmed (68. Amstätter), Hübner, Franke - Bahssou (85. Schug).

Schiedsrichter: Martin Kliebe (Hessisch-Lichtenau). Zuschauer: 280. Gelb-Rote Karte: Szymanski (Stadtallendorf, 80.). Gelbe Karten: Vidakovics, Vogt / Kopilas, Grüter, Franke, Pajic, Amstätter. Beste Spieler: Völk, Richardt / Pajic, Grüter.

von Holger Schmidt

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