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Sportangebot für Flüchtlinge - aber wie?

Flüchtlinge und Sport Sportangebot für Flüchtlinge - aber wie?

Die aktuelle Flüchtlingszuwanderung sorgt auch in den Sportvereinen des Landkreises für Bewegung. Hilfsbereitschaft ist vorhanden, aber wie vorgehen? Die Sportjugend Hessen hat dafür ein Konzept.

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Angelika Ribler (links), Sportwissenschaftlerin und Diplom-Psychologin, von der Sportjugend Hessen informierte Sportvereine aus dem hiesigen Landkreis darüber, wie man eine Verbindung zwischen Vereinen und Flüchtlingen herstellen kann.

Quelle: Yanik Schick/imago / Fotomontage: Ricarda Schick

Marburg. Gerade die Sportvereine, davon ist Angelika Ribler überzeugt, sind bei der Integration von Flüchtlingen gefragt. „Sport bietet niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten“, betonte die Referentin der Sportjugend Hessen während eines Vortrags im Seminarraum des Georg-Gaßmann-Stadions. Fast alle der 40 Vereinsvertreter - so das Ergebnis einer Handzeichen-Abstimmung - zeigten sich grundsätzlich offen für Flüchtlingsengagement.

Ein teils emotionaler Erfahrungsaustausch ergab allerdings auch, dass noch einiges an Unklarheit in der Herangehensweise an das sensible Thema herrscht.

Schon am Anfang steht meist die erste Herausforderung: ein Verein möchte ein Sport-Angebot für Flüchtlinge schaffen oder sie in das allwöchentliche Training mit einbeziehen. Wie aber Kontakt aufbauen?

Expertin schlägt „Kommunalen Sport-Coach“ vor

Zur Beantwortung dieser Frage hatte Expertin Angelika Ribler ein spezielles Konzept mit nach Marburg gebracht. Durch einen sogenannten „Kommunalen Sport-Coach“ könne man, so erklärte sie, die Verbindung zwischen Vereinen und Flüchtlingen herstellen. Entgegen des Titels müsse diese Person aber nicht besonders viel Wissen von Sport haben oder gar ein ausgebildeter Trainer sein. „Wichtig ist nur, dass man viele Kontakte zu den Flüchtlingsunterkünften, -initiativen und Sportvereinen hat“, sagte Ribler.

Auf diese Weise sei relativ leicht zu koordinieren, welche sportlichen Interessen die Flüchtlinge haben und wie die Angebote der lokalen Vereine dazu passen. Im vergangenen Jahr ist ein solches Projektmodell der Sportjugend Hessen in den Kommunen Egelsbach, Maintal und Butzbach angelaufen. Thomas Geiß hatte in Egelsbach die Rolle des „Sport-Coaches“ übernommen und Fußballtraining sowie Gymnastikübungen für Flüchtlinge initiiert. Er berichtete in Marburg von seinen Erfahrungen. Angelika Ribler bemerkte: „Auf die Vereine kommen keine zusätzlichen Aufgaben zu, die Ehrenämter werden damit nicht überlastet.“ Der oder die „Kommunalen Sport-Coaches“ arbeiten jeweils ehrenamtlich im Auftrag der Städte und Gemeinden.

Ihre Tätigkeit wird durch Fördergelder der Sportjugend unterstützt. Sportkreis-Geschäftsführer Peter Jacobi schätzte, in Marburg werde es drei bis fünf, im Landkreis etwa 15 solcher Ehrenamtlicher brauchen.

Interessierte können sich beim Sportkreis melden

Während des Abends sagte bereits Annedore Döring, die sich bei der Flüchtlingshilfe in Cappel engagiert, für Marburg zu, einen solchen Posten übernehmen zu können. „Ich arbeite am Info-Point und stelle fest, dass es sowohl viele Flüchtlinge gibt, die gerne Sport treiben würden, als auch viele Vereine, die etwas anbieten“, berichtete sie im Gespräch mit der OP, „das alles ist aber noch sehr unkoordiniert.“

Weitere Interessierte können sich beim Sportkreis melden. In Marburg sollen die ersten „Sport-Coaches“ schon in rund vier bis sechs Wochen ihre Arbeit aufnehmen.

Der Abend beim Sportkreis zeigte auch, dass vielen Vereinsvertretern noch die Frage der Versicherung Sorgen bereitet. Was ist, wenn den Flüchtlingen beim Sport etwas passiert? „Flüchtlinge, die in Deutschland registriert sind, haben grundsätzlich eine Krankenversicherung“, stellte Angelika Ribler klar. Ergänzend dazu habe der Landessportbund Hessen jüngst mit der ARAG eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Damit sind Flüchtlinge - auch ohne Mitgliedschaft - bei allen Veranstaltungen eines beim Landessportbund registrierten Vereins unfall- und haftpflichtversichert. Peter Jacobi rät lediglich dazu, sich aus organisatorischen Gründen Namen, Herkunftsland und den aktuellen Aufenthaltsort der Menschen zu notieren.

  • Kontakt: Peter Jacobi, Sportkreis Marburg-Biedenkopf (Telefon: 06421/4071641;E-Mail: info@sk-mrbid.de).

von Yanik Schick

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