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Sport soll kein automatischer Drill sein

Leichtathletik Sport soll kein automatischer Drill sein

Die Vermittlung von und die Auseinandersetzung mit neuen Konzepten in der Leichtathletik war ­Gegenstand einer Tagung in der Turn- und der Spielhalle der Philipps-Universität Marburg

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Sportlehrerinnen und -lehrer, Sportstudierende und Trainer üben nach den Maßgaben des Konzepts zum differenziellen Lernen Techniken, die auf das Kugelstoßen vorbereiten.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Dass der Strukturwandel in der Leichtathletik vor allem im Schulunterricht nur recht zaghaft greift, mag die Tatsache belegen, dass etwa die Bundesjugendspiele in ihrer aktuellen Ausformung sich kaum von dem unterscheiden, was vor Jahrzehnten gängige Praxis war. Der Weitsprung in die Sandgrube, der Lauf über eine Kurzstrecke sowie der Schlagball- oder Schleuderball-Weitwurf sind noch heute die Disziplinen, in denen sich die Schüler zu beweisen haben. Neue didaktisch und methodisch den veränderten Lebens- und Bewegungsbedingungen Rechnung tragende Konzepte finden - wenn überhaupt - recht zögerlich Eingang in Rahmenpläne oder werden gar abgelehnt.

Entwicklungsphasen und Motivlagen berücksichtigen

Dominic Ullrich, Lehrer und Kadertrainer des Hessischen Leichtathletik-Verbandes, ist zuversichtlich, dass das von ihm in Marburg präsentierte DLV-Konzept zum Leichtathletikwettkampf für Kinder zunehmend Eingang findet in den Schulsportunterricht. „Wir stehen im konstruktiven Dialog mit den Kultusbehörden und hoffen darüber hinaus, dass auch über solche Veranstaltungen wie in Marburg über die Lehrer neue Konzepte in den Schulen ankommen.“

Deren Ausrichtung zielt besonders darauf ab, die unterschiedlichen Entwicklungsphasen und Motivlagen der Kinder zu berücksichtigen. „Es muss Spaß und Freude machen“, sagt Ullrich. Der von ihm propagierte leichtathletische Mehrkampf ist ein Teamwettkampf, der die Fähigkeiten im Laufen, Springen und Werfen in kindgemäßen Formen misst.

Kein automatischer Drill

Dass die Aneignung sportartspezifischer Fertigkeiten kein automatisierter Drill mittels schier endloser Wiederholungen sein soll und vielmehr über das differenzielle Lernen geschehen sollte, fordert Professor Dr. Wolfgang Schöllhorn. Er behauptet und belegt dies durch Untersuchungen, dass die Bewegungsausführungen im Sport ständigen Schwankungen unterliegen und niemals identisch seien. Diese individuelle Instabilität gelte es im Hinblick auf Lernfortschritte zu berücksichtigen. Ziel soll es sein, dass der Sportler sich variabel der jeweils neuen Situation anpasse. Das führe zur Selbstorganisation und zu Veränderungen in den Bewegungsmustern. „Wenn Erziehung nicht zur Selbstständigkeit führt, ist es keine“, sagt Schöllhorn. Der Sportler müsse unterschiedliche Bewegungsformen ausprobieren, „um sich selbst zu finden“.

In einem praktischen Teil der Veranstaltung vermittelten die Experten Eindrücke davon, wie einerseits ein zeitgemäßes Wettkampfkonzept in der Kinderleichtathletik aussehen könnte und welche Übungsformen etwa beim Erlernen der Lauf- bzw. Kugelstoßtechnik in der Gruppe auf der Basis des Lehransatzes für das differenzielle Lernen angemessen sind.

von Bodo Ganswindt

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Von Redakteur Bodo Ganswindt

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