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"Splatter Fairies" sind hart im Nehmen

Roller Derby "Splatter Fairies" sind hart im Nehmen

Wer gemütlich mit anderen Rollschuh laufen will, der ist bei den "Splatter Fairies" falsch: Die jungen Frauen spielen Roller Derby. Bei der Sportart ist voller Körpereinsatz gefragt.

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Es geht ordentlich zur Sache beim Roller Derby: Die „Splatter Fairies“ gaben beim Schnuppertag einen Einblick in ihre Sportart,
bei der voller Körpereinsatz gefragt ist.

Quelle: Patricia Graehling

Marburg. Der Schiedsrichter ist der einzige Mann auf dem Feld. Als sein Pfiff ertönt, stürmen zehn Frauen auf Rollschuhen los. Sie spielen in zwei Teams gegeneinander Roller Derby. Das ist eine sogenannte Vollkontakt-Sportart aus Amerika. Dabei geht es nicht nur darum, gut und schnell Rollschuh zu laufen und damit dem eigenen Team Punkte zu bringen - es geht auch darum, die gegnerischen Spielerinnen am Punkte holen zu hindern, notfalls mit vollem Körpereinsatz. Punkte gibt es etwa, wenn der sogenannte „Jammer“ eines Teams die übrigen, im Kreis fahrenden Spieler, überrundet.

Schiedsrichter muss nur selten eingreifen

Dass das Spiel alles andere als gemütlich ist, wird in der Sporthalle der Martin-Luther-Schule schnell klar: Nach ­wenigen Minuten geraten die Frauen ins Schwitzen. Denn: Sie fahren nicht einfach nur im Kreis. Sie blockieren sich, halten sich fest, stoßen gegeneinander und ­fallen um. Und meistens ist das sogar erlaubt. Es gibt nur wenige Situationen, in denen der Schiedsrichter abpfeift. Manchmal muss eine der Spielerinnen für 30 Sekunden das Spielfeld verlassen, weil sie zu hart rangegangen ist. Hart im Nehmen sind hier aber alle. Das gehört eben neben dem Rollschuhfahren zu der amerikanischen Sportart dazu.

An diesem Tag ist aber alles reine Freundschaft - so brutal es manchmal aussieht: Die „Splatter Fairies“ spielen gegeneinander, um Besuchern bei einem Schnuppertag zu zeigen, wie Roller Derby geht und was das eigentlich ist. „Wir zeigen ein paar Spielzüge und vielleicht gewinnen wir ja heute neue Mitglieder“, sagt eines der Gründungsmitglieder, die unter dem Derbynamen Ginny K. Kong spielt. Denn das gehört auch zu dem Spiel: Eigene Derbynamen darf sich jede aussuchen, ebenso wie ein besonderes Styling. Da fahren Frauen mit blutig geschminkten Gesichtern, kurzen Röcken und zerrissenen Strumpfhosen mit. Pflicht sind eigentlich nur die Schutzausrüstung und das Mannschaftstrikot.

14 Spielerinnen gehören dem Marburger Team an

Die „Splatter Fairies“ gibt es laut Ginny K. Kong seit zwei Jahren. Die Gruppe ist eine Sparte der Turnabteilung des VfL Marburg und wurde von Kong und drei weiteren Frauen gegründet. „Wir haben uns über das Internet kennengelernt“, erzählt sie. Sie selbst hatte zu der Zeit in Frankfurt gespielt, die anderen drei Frauen ebenfalls außerhalb von Marburg. „Also haben wir unser eigenes Team vor Ort gegründet.“

Mittlerweile gehören 14 Skaterinnen und ein Schiedsrichter den „Splatter Fairies“ an. „Wir können aber noch mehr Unterstützung gebrauchen, auch wenn jemand nicht aktiv spielen will“, erklärt Ginny K. Kong. Denn Roller Derby sei ein selbst organisierter Sport, dabei falle eben viel Arbeit an. Einen ­Liga-Betrieb in Deutschland gibt es erst seit 2015. „Wir nehmen daran aber noch nicht teil.“ Das sei der Plan für die kommende Saison. Bislang spiele das Marburger Team bundesweit Freundschaftsspiele gegen einige der anderen 30 Teams in Deutschland. Trainiert wird dreimal in der Woche: Montags von 20 bis 22 Uhr und samstags von 13 bis 16 Uhr steht Hallentraining auf Rollschuhen auf dem Programm. Mittwochs von 18.30 bis 20 Uhr gibt es Krafttraining ohne Rollen.

Willkommen sind dabei auch Männer. Denn obwohl Roller Derby hauptsächlich von Frauen gespielt wird und die „Splatter Fairies“ ein reines Frauenteam sind, können die Männer mittrainieren und als Schiedsrichter tätig werden. Davon werden bei einem Spiel nämlich gleich sieben benötigt, um die Punkte während der rasanten Partien korrekt zählen zu können.

von Patricia Grähling

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