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Lokalsport Spielverbot für den VfR Niederwald
Sport Lokalsport Spielverbot für den VfR Niederwald
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00:17 09.10.2018
Schiedsrichter Andreas Stey vom TSV Caldern zeigte nach dem Abpfiff zwei Niederwälder Spielern die Rote Karte. Daraufhin  eskalierte die Situation. Quelle: Marcello Di Cicco
Schönstadt

Die uns vom Schiedsrichter (Andreas Stey vom TSV Caldern, Anmerkung der Redaktion) geschilderten Vorwürfe waren so schwerwiegend, dass wir uns zu diesem Schritt veranlasst sahen“, begründet der Kreissportgerichtsvorsitzende Rolf Usinger die Entscheidung auf Nachfrage der OP.

Niederwald-Spiel gegen Ernsthausen fällt aus

Konkret gilt das Spielverbot für den VfR Niederwald ab sofort und bis zur Sportgerichtsverhandlung beziehungsweise bis zu einer Entscheidung der Kammer nach den Vorfällen beim B-Liga-Spiel SV Schönstadt – VfR Niederwald.

Das für Sonntag angesetzte Spiel gegen den TSV Ernsthausen fällt somit aus und wird mit 3:0 für die Ernsthäuser gewertet.
Nach derartigen Vorfällen sei es für andere Teams nicht zumutbar, gegen den VfR zu spielen. Auch sieht das Kreissportgericht die Sicherheit bei Spielen mit Niederwälder Beteiligung für Zuschauer und Schiedsrichter als nicht gewährleistet an.

Bei der Partie am vergangenen Mittwoch gegen Schönstadt hatte der Unparteiische während des Spiels drei Gelb-Rote Karten (wegen Unsportlichkeiten beziehungsweise Beleidigungen und wiederholten Foulspiels) sowie zwei Foulelfmeter gegen Niederwald gegeben. Zudem zückte Stey zwei Rote Karten gegen VfR-Spieler direkt nach Abpfiff, weil er massiv beleidigt und verbal bedroht worden sei.

„Rote Linie“ ist für Sportgericht überschritten

Im Zuge dessen stellten Niederwälder Spieler und Verantwortliche dem Schiedsrichter auf dem Platz nach und versuchten, ihn zu attackieren. Daraufhin wurde der Referee zunächst von Schönstädter Kickern und anderen VfR-Spielern in Schutz genommen, ehe ihn Platzordner des gastgebenden Vereins auf dem Weg in die Kabine begleiteten, wo Stey erneut verbal attackiert wurde.

„Wenn Schiedsrichter angegangen werden, ist die rote Linie überschritten“, sagt Rolf Usinger, für den der Vorfall seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren eine neue Qualität darstellt. Sollte sich herausstellen, dass Spieler gegen den Schiedsrichter tätlich geworden sind, könnten laut Satzung 12 bis 36 Spiele Sperre ausgesprochen werden. So weit ist es allerdings noch nicht.

Nachdem Stey am Donnerstag bei Kreisfußballwart Peter Schmidt seinen Sonderbericht zum Spiel eingereicht hatte, beantragte der Kreisfußballausschuss Marburg umgehend das vorläufige Spielverbot, dem das Kreissportgericht am Freitag zustimmte. Wie Usinger erklärt, sind die beteiligten Vereine aufgefordert worden, sich bis kommenden Donnerstag in dieser Angelegenheit zu äußern. Erst dann wird entschieden, ob und wann es zu einer Sportgerichtsverhandlung kommt.

Schiedsrichtervereinigung mahnt in offenem Brief

Unterdessen hat die Schiedsrichtervereinigung Marburg in einem offenen Brief auch zu den Vorfällen in Schönstadt Stellung bezogen.

In dem Schreiben heißt es: „Unsere Schiedsrichter sind kein Freiwild, die auf den Sportplätzen unseres Fußballkreises der Willkür einiger Weniger ausgesetzt sein können. Wir verurteilen jedwede Form von Gewalt, Diskriminierung, Beleidigungen und Respektlosigkeit gegenüber unseren Unparteiischen auf das Schärfste. Darüber hinaus können die Täter sich gewiss sein, dass der Kreisschiedsrichterausschuss Marburg alles in seiner Macht stehende daran setzen wird, sie in höchstem Maße für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen.“

Die Schiedsrichtervereinigung könne und werde es nicht tolerieren, „dass unsere Schiedsrichter auf den heimischen Sportplätzen Angst um ihre Gesundheit haben müssen“, heißt es weiter in dem vom stellvertretenden Kreisschiedsrichter-Obmann Julius Martenstein unterzeichneten Brief.

Niederwalds Sprecher Konrad Steinhaus konnte sich gegenüber der OP nicht zu den Vorfällen äußern, da er selbst beim Spiel nicht dabei war. Ein anderer Verantwortlicher des VfR Niederwald war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

von Marcello Di Cicco