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Sommer erlebt zweiten Frühling

Triathlon Sommer erlebt zweiten Frühling

Europameister ist Frank Sommer in diesem Jahr geworden. Der Höhepunkt war für den Moischter aber die Triathlon-WM in den USA. Dort erreichte er Platz fünf in der Altersklasse 65.

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Frank Sommer bei der WM in Aktion: nach dem Schwimmen, beim Radfahren und beim Laufen.Privatfotos

Moischt. Bei den Wettkämpfen geht Frank Sommer an seine Grenzen. Und darüber hinaus. „Wenn ich ins Ziel komme, bin ich fertig“, sagt er. So war es auch in Chattanooga, wo er den abschließenden Halbmarathon bei der WM mit letzter Kraft beendete. „Kein schöner Anblick“, findet er selbst, wenn er sich die Bilder anschaut, auf denen er sich auf den letzten Metern in Richtung des rot-schwarzen Zielteppichs schleppt. „Da kamen sie mit dem Rollstuhl und haben mich weggefahren.“

Doch genau diese Erfahrung, sein Limit auszureizen, ist für Frank Sommer das Schöne am Triathlon. Seine persönlichen Ziele hat er darüber hinaus erreicht: Bei der Siegerehrung der besten fünf Triathleten wollte er dabei sein - er wurde Fünfter. Bester Europäer wollte er werden und damit seinen EM-Titel bestätigen - vor ihm landeten nur der Sieger Peter Turek aus den USA sowie zwei weitere Amerikaner und ein Kanadier.

Das Schwimmenist seine Schwäche

Dabei lag Sommer nach der ersten Disziplin weit zurück. Erwartungsgemäß. Denn das Schwimmen ist seine Schwäche. „Wenn du nicht in jungen Jahren mit der richtigen Kraultechnik anfängst, wird es schwer“, hat Sommer festgestellt. Da helfen auch die frühmorgendlichen Einheiten im Neoprenanzug im kalten See in Niederwald nicht. Ein zehntägiges Schwimmcamp am Olympiastützpunkt in Teneriffa mit Gegenstromanlage und professioneller Analyse brachte zwar eine Verbesserung, aber zu den Topschwimmern im Feld fehlt eine ganze Ecke.

41:50 Minuten brauchte Frank Sommer, um die 1,9 Kilometer im Fluss Tennessee zu bewältigen. Damit lag er als 23. ziemlich genau neun Minuten hinter dem späteren Sieger Turek, als er aus dem Wasser kam und auf das Rennrad stieg.

Studium der Elektrotechnikstatt Karriere im Radsport

Die zweite Disziplin kommt dem gebürtigen Leipziger entgegen. Kein Wunder, betrieb Sommer Radfahren doch als Leistungssport und gehörte dabei sogar der Nachwuchsnationalmannschaft der ehemaligen DDR an. „Dann habe ich gemerkt: Ganz für den Olympiasieg reicht‘s doch nicht“, sagt Sommer augenzwinkernd. „Ich gehörte nie zur absoluten Spitze.“ Mit 21 Jahren entschied er sich für ein Elektrotechnikstudium - eine Entscheidung hat, die der Leipziger, der einen Tag vor der Grenzöffnung über die ehemalige CSSR nach Offenbach rübermachte, nie bereut hat.

Lange Jahre blieb der Sport auf der Strecke. Schwimmen, Radfahren und Laufen war nur ein Hobby, ein Ausgleich zum Berufsleben. Da lag der Triathlon als Sport nahe. In den 1990er-Jahren fing Sommer mit einigen Volkswettkämpfen in Frankfurt und Wiesbaden an. „Was ich in der Jugend unterbrochen habe, bekomme ich jetzt hin. Der Ehrgeiz, gewinnen zu wollen und sich zu quälen, kam erst 2012“, sagt Sommer. Da ging es auf die Altersteilzeit zu und er konnte „ausphasen“, wie er es nennt. Morgens vor der Arbeit um 6.30 Uhr ein paar Bahnen im Frankfurter Rebstockbad, in der Mittagspause ein Lauf, abends mit dem Mountainbike in den Wald - das war von da an möglich. Jetzt ist er im Ruhestand und hat noch mehr Zeit für sein Hobby, was ihn sogar zur WM gebracht hat: „Das war in meinem Leben das sportliche Highlight“, erklärt der 65-Jährige, der zuvor schon im dänischen Elsinore die EM in seiner Altersklasse gewonnen hatte.

Insgesamt waren 4500 Teilnehmer am Start in Chattanooga,„einer wunderschönen Ortschaft in Tennessee“, wie der Moischter findet. Wirklich genießen konnte er die Landschaft während des Wettkampfs nicht. Die Strecke, speziell beim Laufen, sei sehr anspruchsvoll gewesen, es ging ständig bergauf und bergab. „Für mich war das der bisher härteste Kurs“, sagt Sommer, der sich nach 90 Kilometern Radfahren (2:56:06 Stunden) auf den zehnten Platz vorgearbeitet hatte. „Da muss ich mich nochmal quälen“, dachte er vor dem Halbmarathon. Gute Chancen, sich noch auf Platz fünf zu verbessern, rechnete er sich aber da schon aus. Denn: „Meine Lieblingsdisziplin ist zwar Radfahren, aber erfolgreicher bin ich beim Laufen.“ Bei Traumwetter von 25 Grad Celsius hatte sich der 1,81 Meter große und 72 Kilogramm schwere Athlet nach 1:47:34 Stunde ins Ziel gekämpft. Nach 1,9 Kilometern Schwimmen, 90 Kilometern Radfahren und 21,1 Kilometern Laufen hielt die Uhr bei 5:32:55 Stunden an, gut acht Minuten nach dem Weltmeister Turek.

Der Lohn für die Anstrengungen war nicht nur die Siegerehrung, sondern auch der Empfang, den ihm vier Sportfreunde aus seinem Radsportverein Dynamo Bortshausen am Frankfurter Flughafen bescherten. „Das gibt mir viel“, sagt der 65-Jährige, der bis zu seinem Ruhestand in Frankfurt bei Siemens als Elektroingenieur gearbeitet hat.

Die Ironman-Langdistanzüberlässt er den anderen

Den Traum vom Ironman auf Hawaii, wo an diesem Samstag die WM ausgetragen wird, hat Frank Sommer indes nicht. „Ich hatte mal mit dem Gedanken gespielt“, erzählt er. 2014 versuchte er einen Testlauf beim Frankfurt-Marathon. „Ich wollte 3:30 Stunden laufen“, sagt er. „Bei Kilometer 36 bin ich aber so eingebrochen, dass ich eine muskuläre Verkrampfung in den Beinen hatte, die sich bis in den Winter gezogen hat.“

Die Ironman-Langdistanz überlässt Frank Sommer also lieber den anderen. Auf der halben Ironman-Distanz, nach den amerikanischen Meilenmaßen „70.3“ genannt, hat er nach der WM in den USA Blut geleckt. Ihn reizen die Titelkämpfe, die dann an der Nelson-Mandela-Bay in Südafrika ausgetragen werden. Dafür wird er sich wieder quälen müssen im Training. Aber er freut sich darauf: „Ich weiß nicht, ob ich das in jungen Jahren so genossen hätte.“

von Holger Schmidt

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