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Söldner sind bereit zum Kick-Off

Football Söldner sind bereit zum Kick-Off

Die Helme werden eng geschnallt und die Stollenschuhe fest geschnürt. Es ist Zeit für Tackles und Touchdowns. Die GFL-­Saison 2015 beginnt am Sonntag für die Marburg Mercenaries.

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Die Neuen der Marburg Mercenaries: Andrecus Lindley (hinten von rechts), David Beale, Simon Oehlmann, Marten Kraus, Oskar Prust, Felix Schumacher, Dominik Sons, Sascha Ludwig, Marvin Schmidt, Alexander Wenzel sowie Sam Weiss (Mitte von rechts), Janis Evers, Stefan Bierau, Merlin Detroy, Philip Prohaska, Karol Kapinski, Johannes Kraft und Alexis Delgado (vorne von rechts), Lorenz Petri, ­David Döricht, Carsten Graf und Tim Kombächer.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Was das Management-Team um Mercenaries-Vereinspräsident Carsten Dalkowski in den vergangenen Jahren geleistet hat, ist beeindruckend: Mit einem der niedrigsten Budgets der gesamten Liga spielen die Marburg Mercenaries in der GFL-Süd jährlich um einen Playoff-Platz sowie um den ersten Rang in der GFL Süd mit - bemerkenswerte Konstanz. In der Saison 2014 erreichten die Mercenaries nur den dritten Platz, mussten in der ersten Runde der Playoffs bei den Dresden Monarchs antreten und erlitten eine deutliche 22:42-Niederlage.

„Geld regiert die Welt!“

Dalkowski und Headcoach Matthias Dalwig sind sich einig: In dieser Saison sollen die Südmeisterschaft und Playoff-Erfolge eingefahren werden, um das Debakel in Dresden vergessen zu machen. Es sind ambitionierte Ziele, die sich die Marburger gesetzt haben, denn die Konkurrenz ist stärker geworden. „Die GFL-Süd ist dieses Jahr exzellent bestückt. Fast alle Teams haben sich verstärkt. Insbesondere die Allgäu Comets und die Schwäbisch Hall Unicorns haben ordentlich investiert und Spieler aus dem Ausland eingekauft. Geld regiert die Welt!“, erklärt Dalkowski. Nicht so bei den „Söldnern“. Die Mittelhessen backen weiter „kleine Brötchen“, wie Dalkowski sagt, und setzen insbesondere auf junge deutsche Spieler. „Wir haben einige Spieler, die in der vergangenen Saison GFL-Luft geschnuppert haben. Natürlich hoffen wir, dass sich diese weiterentwickeln, zu besseren Footballspielern werden“, fügt der Vereinspräsident hinzu.

„Männer mit Leidenschaft“

Die Saisonvorbereitung gestaltete sich für die „Mercs“ in Sachen Spielerplanung schwierig. Im Januar gab der US-amerikanische Quarterback Micah Brown bekannt, dass er den Verein in Richtung Polen verlässt, um dort zu spielen. „Der Weggang von Micah hat uns natürlich vor einige Probleme gestellt. Wir mussten bei unseren Planungen von Null anfangen. Aber ich denke, wir haben es letzten Endes doch ganz gut hinbekommen“, erinnert sich Dalkowski.

„Brown ist nicht der einzige Importspieler, der das Lager der „Söldner“ verlassen hat. Luke McCann, Sean Barber, Curtis Slater werden 2015 nicht mehr das weiß-rote Trikot überstreifen. Doch die Mercenaries wären nicht so konstant, wenn sie nicht in der Lage wären, Abgänge wichtiger Spieler zu kompensieren. So konnte der Verein Quarterback, Running Back ­Andrecus Lindley, Safety Sam Weiss und Left Tackle David Beale, allesamt US-Amerikaner, an die Lahn holen.

Auch in Sachen Trainerstab hat sich einiges gewandelt. Natürlich führen Veränderungen immer zu einem gewissen Maß an Unsicherheit. Ob es einen gemeinsamen Nenner bei den Trainerverpflichtungen gibt? „Männer mit Erfahrung und Leidenschaft für den Sport“, schmunzelt Dalwig.

Leidenschaft. Man braucht sie als Coach für die Mercenaries unbedingt. Im Gegensatz zu manch anderen GFL-Teams zahlt der Verein seinen Trainern keine großen Gelder, sondern eine Aufwandsentschädigung. Diese wiegt die vielen Stunden, die die Coaches mit Busreisen bei Auswärtsspielen, Filmanalysen und Trainingsvorbereitungen kaum auf. „Ich liebe dieses Spiel und bin dankbar, dass ich hier in Marburg bin als GFL-Coach“, sagt der neue Defensive Coordinator Carsten Weber. Die Leidenschaft für den Sport und die Vorfreude auf die Saison steht dem Verantwortlichen für die Verteidigung, der 2014 noch den Regionalligisten Cardinals Football Essen trainierte, ins Gesicht geschrieben.

Neben Weber gibt es noch zwei neue Gesichter im Trainerstab: US-Amerikaner James Yock Sr. (Foto Mitte), zuvor Headcoach der Wetzlar Wölfe, der sich der Offensive Line annimmt, und Boyan Pohl (links), vorher Trainer in Jena, der die Wide Receiver betreut. Headcoach Dalwig überblickt in dieser Saison die Offensive des Teams.

Am Sonntag (3. Mai, 16 Uhr) werden es Trainerstab und Kader im heimischen Georg-Gaßmann-Stadion mit den Rhein-Neckar Bandits zu tun bekommen. Eine Bewährungsprobe, die erste Antworten auf folgende Fragen liefern wird. Welche Qualität hat der neue Quarterback? Wie funktioniert das Laufspiel um Andrecus Lindley?

Einer der großartigsten Aspekte des Sports ist, dass taktische Theorie und Trainingsleitungen gut und schön sind, aber sie müssen auf dem Feld gegen erfolgshungrige Gegner umgesetzt werden. Doch schafft insbesondere die Theorie, die der Praxis zugrunde liegt, das Fundament für Erfolg. Wie sieht es also in der Theorie aus?

Neuer Quarterback

Am Offensivsystem wird sich laut Dalwig nichts ändern. Dennoch gäbe es viele Änderungen in der Offensive. Wie ist das zu verstehen? Zweifelsohne sei der Verlust des Quarterbacks immer unangenehm, da der „Rasengeneral“ fehle, doch mit Brian Ensminger habe man einen mehr als adäquaten Ersatz gefunden. Dalwig weiß, dass die Offensive nun einmal primär über diese Position läuft. Der Angriff ist so gut, wie es der eigene Quarterback erlaubt. Brown erlaubte den Mercenaries zwei Jahre hintereinander das Playoff-Aus in der ersten Runde. Dies lag insbesondere an einem halben Dutzend Interceptions in zwei Spielen - nicht gut genug. „Micah war sicherlich ein Top-Athlet und unheimlich mobil, aber er hat viel zu schnell daran gedacht, mit dem Ball zu laufen, anstatt auf eine Anspielstation zu warten“, resümiert Dalwig.

Von Ensminger, der am Freitag aus dem US-Bundesstaat Mississippi nach Marburg fliegen wird, erhoffe sich der Headcoach mehr Passgenauigkeit und mehr Auge für die Wide Receiver. Ensminger, der am Dienstag seine letzte Klausur an der Belhaven University geschrieben hat, wird am Samstag ein Sondertraining mit der Mannschaft einlegen, um vor dem Saisonauftakt noch ein wenig Chemie mit seinen Mitspielern zu entwickeln. „Könnte aufgrund der späten Anreise vielleicht Startschwierigkeiten am Sonntag geben, aber wir vertrauen dem Jungen“, sagt Dalwig.

Effektives Laufspiel

Running Back Andrecus Lindley wird nicht erst am Freitag in Deutschland landen. Er ist bereits drei Jahre hierzulande, und spielte 2014 für die Ravensburg Razorbacks in der GFL 2. Der groß gewachsene und bullige US-Amerikaner soll die Achilles-Ferse des Teams in der vergangenen Saison schützen - das Laufspiel. Die Mercenaries hatten 2014 große Probleme, Führungen über die Zeit zu bringen. Ein physisch starker Running Back, der Zeit von der Uhr hätte nehmen können, fehlte im Repertoire der Offensive. Der 27-jährige Lindley, aus Atlanta stammend, habe laut Dalwig „auf ganzer Linie überzeugt“ und sei „definitiv eine Bereicherung“ für die Mercenaries. Running Back-Coach Sebastian Nau (links) wird an dem massigen Spieler seine Freude haben.

Dem Team wird in dieser Spielzeit die Qualität des Top Wide Receivers Bernard Luster, der ein Tryout für die amerikanische Profiliga NFL besucht, fehlen. Hinzu kommen die Abgänge von Luke McCann Jannis Fiedler. Dagegen ist Wide Receiver Henrik Hinrichs, der die Mercenaries während der Saison 2014 wegen eines Auslandssemesters verlassen hatte, wieder zurückgekehrt.

Fokus: Besserer „Pass Rush“

„Sergej hat einen unheimlich guten Job gemacht, die Fundamentalien des Defensivspiels gelehrt. Auf diesem Grundstock kann ich gut aufbauen“, lobt der neue Defensive Coordinator Carsten Weber die Arbeit seines Vorgängers Sergej Schmidt, der in dieser Saison die Jugendmannschaft der „Söldner“ trainiert. Nichtsdestotrotz sieht Weber Raum für Verbesserungen. Wie soll das gelingen? „Zum einen nehmen wir ein paar taktische Änderungen vor, zum anderen wollen wir versuchen, aus jedem Spieler noch ein bisschen mehr herauszukitzeln“. Insbesondere der „Pass Rush“, Druck der Defensive auf den gegnerischen Quarterback, war in der vergangenen Spielzeit eher sporadisch. Durch einen besseren „Pass Rush“ sollen die passfröhlichen Quarterbacks der Gegner in Schach gehalten werden.

Auch die Secondary (Cornerbacks und Safeties) will Weber verbessern. Dabei wird dem Coach der US-amerikanische Importspieler Sam Weiss zur Seite stehen. Der US-Amerikaner aus New Jersey soll als Safety Anker der Secondary sein. Weber nutzt eine 4-3-Defensive (vier Defensive Lineman, drei Linebacker). Allerdings gibt sich der Coach variabel: „Es kommt natürlich auch darauf an, was der Gegner macht. Ich denke, dass wir das Personal haben, um auch eine 4-4-Defense (ein zusätzlicher Linebacker oder ein vorgezogener Safety) zu spielen. Auf die Frage, wie seine Spielphilosophie in der Verteidigung aussähe, antwortete Weber grinsend: „So wenig Punkte zulassen wie möglich!“ Eine exzellente Philosophie!

Unterschätzt: Special Teams

Football besteht nicht nur aus Offensive und Defensive. Das dritte Element sind die sogenannten Special Teams. Dazu gehören vor allem Kick-offs und Kick-returns, Punts und Punt-returns. Es sind die Aspekte des Spiels, die laut Running Back Lindley am ehesten unterschätzt werden: „Football ist ein Spiel, bei dem Feldposition entscheidend ist.

Wenn die Special Teams der Offensive und Defensive gute Ausgangspositionen verschaffen, erleichtert es das Spiel ungemein!“ Sind die Mercenaries also in der Lage, dem Gegner bei seinem Ballbesitz aufzuzwingen, möglichst viele Yards gutmachen zu müssen, um Punkte auf die Anzeigetafel zu bringen, ist dies ein Rezept für Erfolg. Je besser die eigenen Special Teams, desto weniger Druck lastet auf der Offensiv- und Defensivabteilung.

von Benjamin Kaiser

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