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Lokalsport Skirennfahrer Achenbach peilt Top Ten an
Sport Lokalsport Skirennfahrer Achenbach peilt Top Ten an
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13:24 11.03.2018
Frank Achenbach gewann für den Ski-Club Hartenrod im vergangenen Jahr die Hessenmeister-Titel im Riesenslalom und Slalom. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

So wirklich verwundern mag es nicht, dass Frank Achenbach im Alter von fünf Jahren das erste Mal auf Skiern einen Hang hinuntersauste. Schließlich wuchs der heute 56-Jährige im beschaulichen Hinterland-Ort Hartenrod auf, wo es einen Skilift gibt. „Als Kind habe ich an Kreis- und Bezirksmeisterschaften sowie Vereinsrennen teilgenommen“, erzählt Achenbach, der für den Ski-Club (SC) Hartenrod startet.

Doch mit der Zeit kam es so wie bei manch anderen: Die Ausübung des Sports beschränkte sich nur noch auf den Urlaub – wenn auch regelmäßig. Nicht ganz drei Jahre ist es her, da packte Achenbach der Ehrgeiz. „Ich wollte mich noch mal weiterentwickeln“, erzählt er. Also was tun? Rennen fahren!

So nahm der heute in Marburg wohnhafte passionierte Skifahrer Kontakt zu Luis Eichner auf, der beim Deutschen Skiverband für Masters-Rennen (Wettkämpfe für die älteren Jahrgänge) zuständig ist. Jener verwies Achenbach schließlich an Jochen Reinders vom Ski-Club Aßlar, den im Stützpunkt Hessen zuständigen Masters-Beauftragten, der heute auch als Achenbachs Trainer fungiert.

Super-G und Riesenslalom zählt Achenbach zu seinen Disziplinen. Im vergangenen Jahr gewann der gebürtige Hartenroder bei seinen ersten Hessenmeisterschaften in Dietzhölztal-Ewersbach in seiner Altersklasse auf Anhieb zwei Titel. „Im Riesenslalom hatte ich vielleicht etwas Glück“, mutmaßt Achenbach, der zudem im Slalom gewann – dabei war er dort nur „aus Spaß“ gestartet.

„Der Veranstalter sagte zu mir: ‚Wenn du schon hier bist, kannst du doch im Slalom auch noch starten.‘“ Gesagt, getan, gewonnen. Doch was nach einem Spaziergang klingt, erforderte eine akribische Vorbereitung. Denn mit Material „von der Stange“ komme man im Rennzirkus nicht weit.

Über den Marburger Lucien Gerkau, Begleitfahrer der Weltklasse-Sehbehindertenrennfahrerin Noemi Ristau, erhielt Achenbach Zugang zu professionellem Material. „Ich habe eine Physiotherapie-Praxis in Marburg. So kam der Kontakt zu Lucien zustande“, verrät Achenbach, der inzwischen die von Ristau abgelegten Skier nutzt.

„Diese Ausstattung ist mit der handelsüblichen Ausrüstung nicht zu vergleichen“, betont der 56-Jährige, der auch schon mal nach Kempten ins Allgäu fährt, nur um dort den passenden Ski-Schuh zu finden, wo es auch Spitzenrennfahrer Marcel Hirscher hinzieht – mit einem Unterschied: „Hirscher probiert bei der Gelegenheit zwischen 50 und 70 Modelle an“, sagt Achenbach augenzwinkernd.

Mit seiner kleinen Trainingsgruppe (ein loser Zusammenschluss hessischer Sportler) trainiert der Marburger jeweils einige Tage im Oktober in Sölden, im Dezember in Ischgl (beides in Österreich) sowie im Januar in Hochfügen im Zillertal. „Unsere Stangen haben wir dann immer dabei, sodass unser Trainer den Hang abstecken kann.“

Unfälle wie in Sölden, wo ihn mal eine Schweizer Rennläuferin rammte, woraufhin beide mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert werden mussten, „gehören dazu“, nimmt es Achenbach gelassen. Auch, weil die schönen Erlebnisse mindestens genauso schwer wiegen. So bestehe auch schon mal die Möglichkeit, mit den Stars der Szene nach deren Tests ins Gespräch zu kommen: etwa mit Felix Neureuther oder Mikaela Shiffrin. „Sie saß beim Abendessen bei uns und hat ihr Schnitzel mit Pommes gegessen“, plaudert Achenbach aus dem Nähkästchen.

Was den Marburger an dem Aufwand reizt? Die Begegnungen mit Gleichgesinnten – und mehr noch: „Es ist einfach mal etwas anderes, als nur die Piste herunterzufahren. Man hält sich fit und verbessert sich“, sagt Achenbach, für den zwar der Spaß im Vordergrund steht, der deshalb aber nicht weniger ambitioniert ist. Bei den „Deutschen“ im Vorjahr wurde er 14. im Super-G der Masters. Am kommenden Samstag ist er in Hochfügen wieder dabei: im Super-G und Riesenslalom. „Ein Platz unter den Top Ten wäre diesmal schon super.“

von Marcello Di Cicco