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Lokalsport Schwedischer Zauberer hofft auf magische Momente
Sport Lokalsport Schwedischer Zauberer hofft auf magische Momente
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00:16 26.06.2018
Sune Pedersen ist ein wahrer Ballzauberer. Bei der WM drückt er Schweden die Daumen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Sune Pedersen ist Ballzauberer. Dem schwedi­schen Team hilft das bei der WM jedoch nicht weiter. Denn die Bälle, mit denen der Marburger so geschickt hantiert, sind kleiner als Fußbälle. Pedersen ist Jongleur, außerdem Zauberer, Einradfahrer, Komiker. Mit seinen Shows wird der Schwede nicht nur bei Firmenfeiern und Stadtfesten wie „Drei Tage Marburg“ gebucht, sondern deutschlandweit und auch mal für mehrere Tage, wie jüngst im Legoland.

Sogar ins Fernsehen hat es 
Sune Pedersen geschafft. Bei „Wetten, dass ..?“ schüttelte­ er 2006 Thomas Gottschalk die Hand – und außerdem jede Menge Cocktails. Sein Kollege Holger Höstge, mit dem er „Die fabelhaften Shaker Boys“ bildet, erkannte nur am Geräusch und an der Länge des Einschenkens, welchen Cocktail der Show-Barkeeper Pedersen da zusammenmixte. Wette gewonnen! Und damals immerhin Platz zwei in der Kultsendung.

Hoffnung auf „ein bisschen 
Glück“ und ein frühes Tor

Von Platz zwei bei der Fußball-WM können die Schweden nur träumen. Die Silbermedaille, der größte Erfolg der Nationalmannschaft, datiert aus dem Jahr 1958, als man bei der Heim-WM im Finale Brasilien unterlag. Auch in Russland wird es für die Skandinavier schwer, die Gruppe mit Deutschland, Mexiko und Südkorea zu überstehen.

„Ich fände es schön, wenn sie es packen würden, weit zu kommen“, sagt Sune Pedersen, der seit 20 Jahren in Marburg lebt, aber sich sein schwedisches Herz bewahrt hat. „Deutschland ist ein starker Gegner. Ein bisschen Glück braucht man beim Fußball aber auch. Wenn ein frühes Tor für uns fällt, ist der Glaube da“, sagt er zum Vorrundenspiel am Samstag (20 Uhr).

Eine Rolle wie die Islands würde er sich für sein Heimatland wünschen. Bei der EM avancierten die Insel-Kicker zur Überraschungsmannschaft und stießen bis ins Viertelfinale vor.
„Island fand ich sehr sympathisch“, sagt der Marburger. Pedersen weiß aber auch: Ohne 
Superstar Zlatan Ibrahimovic wird es verdammt schwer für Schweden.

Aufgewachsen im 
„Astrid-Lindgren-Land“

„Er war schon ein sehr starker Spieler. Ich bin gespannt, wie sie sich ohne ihn schlagen“, sagt der 40-Jährige über den vier Jahre jüngeren Exzentriker, der inzwischen für Los Angeles Galaxy spielt, aber eben nicht mehr für die Nationalmannschaft. „Man ist in Schweden stolz auf ihn“, fügt Pedersen über Ibrahimovic hinzu, dem zu Ehren der Begriff „zlatanieren“ (übersetzt: stark dominieren) in die schwedische Version des Dudens aufgenommen wurde.

Ein Titel mit der Nationalmannschaft war Ibrahimovic nicht vergönnt. Dafür ist Fußball aber auch einfach nicht groß genug im weiten Land der Elche. Skilanglauf ist populärer. Und im Eishockey sind die Schweden Mitte Mai erst Weltmeister geworden. „In der Schule wirst du bei uns nicht nach Fußball gefragt, sondern eher: Welche Eishockeymannschaft findest du gut?“, weiß Sune Pedersen aus Erfahrung. Schlittschuhlaufen war allerdings nie sein Ding. Jonglieren und Einradfahren dagegen schon.

Außerdem ist er gerne draußen, in der Natur. Das rührt schon daher, dass der Schwede als Sohn zweier dänischer Eltern auf dem Land aufgewachsen ist. In der Nähe der Kleinstadt Västervik, in der Provinz Småland an der Südostküste. „Astrid-Lindgren-Land“, sagt Sune Pedersen.

„Größer als Marburg muss es nicht sein“

Jedes Jahr im Sommer fährt der Zauberer mit seiner Frau Petra und den Kindern Fridjof (10 Jahre) und Liska (12) in die alte Heimat. Freunde­ besuchen, aber auch mal abschalten. „Ich vermisse die unberührte Natur und die Stille. Da sind keine Autos zu hören, das ist sehr erholsam.“ Überall seien dort Seen. Man müsse nur ein paar Kilometer fahren und sei am Wasser, manchmal sogar ganz für sich allein.

Ein wenig verklärt ist der Blick
 Pedersens. Verständlich, denn seine Erlebnisse beschränken sich ja inzwischen auf die Urlaubszeit. „Als ich da noch gewohnt habe, habe ich auch im Winter geflucht über den Schnee, die Kälte und die Dunkelheit“, weiß er das einzuordnen. Von Mai bis August sei in Schweden die schönste Zeit. „Das Licht ist ganz besonders im Sommer, anders als hier.“

Seine Wahlheimat hat Sune Pedersen aber auch längst liebgewonnen. Alles, was man brauche, sei ganz in der Nähe. Durch die Universität sei die Kulturszene sehr lebendig und dennoch sei man schnell im Grünen. „Ich bin kein Großstadtfan, größer als Marburg muss es nicht sein“, sagt Pedersen.

Elche, Ikea und
 blonde Schweden

Mit elf Jahren fing der Schwede mit der Zauberei an, mit 15 Jahren kam die Jonglage hinzu. Im englischen Bristol verfeinerte er seine Fertigkeiten ein Jahr lang an der Zirkus- und Theaterakademie. Danach zog es ihn nach Marburg. Sein Ansatz: Zauberei und Jonglage mit ­Comedy verbinden, denn: „Unterhalten werden und lachen wollen die Leute immer.“

Mit den Klischees über sein Land kann Sune Pedersen durchaus leben. „Es gibt ja tatsächlich viele Elche“, nennt er eines. „Nur sieht man die nicht so oft, weil es sehr scheue Tiere sind.“ Und bei Ikea würde er selbst auch einkaufen gehen. „Lustig finde ich aber, dass die Leute denken, dass alle Schweden blond und blauäugig sind.“

Diesem „typischen“ Bild des Schweden entspricht Pedersen nicht. Da passt schon eher, was er selbst über seine Landsleute sagt: „Wir sind eher etwas zurückhaltender und bescheiden, stellen uns nicht so gerne in den Vordergrund.“ Wenn sich die Schweden bei der Fußball-WM aber in den Vordergrund spielen und für ein paar magische Momente sorgen würden – dagegen hätte der Zauberer nichts einzuwenden.

von Holger Schmidt