Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Fußballer sprechen über aktuelle Probleme
Sport Lokalsport Fußballer sprechen über aktuelle Probleme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 01.12.2018
Verbandsfußballwart Jürgen Radeck (links), Kreisschiedsrichterobmann Markus Bengelsdorff, Kreisfußballwart Peter Schmidt und HFV-Referent Sebastian Fink besprachen mit den Vereinsvertretern in Wehrda die Situation im Spielbetrieb und im Schiedsrichterwesen. Quelle: Kurt Arke
Wehrda

Der Fußballkreis Marburg hatte die Themen „Spielbetrieb“ und „Schiedsrichterwesen“ auf seine Agenda gesetzt. Der Referent für Qualifizierung und Vereinsentwicklung im HFV, Sebastian Fink, sowie Kreisfußballwart Peter Schmidt und Kreisschiedsrichterobmann Markus Bengelsdorff trafen sich dazu mit Verbandsfußballwart Jürgen Radeck und 40 Teilnehmern aus verschiedenen heimischen Vereinen. In vier Arbeitsgruppen diskutierten diese die aktuelle Situation im Spielbetrieb und im Schiedsrichterwesen und brachten ihre Ergebnisse durch einen jeweiligen Sprecher zur Kenntnis.

Schmidt fordert Stärkung des Jugendspielbetriebs

Kreisfußballwart Peter Schmidt sah in der Stärkung des Jugendspielbetriebs den dringlichsten Gesichtspunkt. „Wir verlieren seit 2009 auf dem Weg von der E-Jugend bis zur A-Jugend kontinuierlich Mannschaften. Diesem Drop-out gilt es entgegenzusteuern. Es kommen zwar jetzt wieder die geburtenstarken Jahrgänge. Aber das wird sich erst ab 2027 bemerkbar machen.“ Probleme gebe es auch bei den Senioren seit geraumer Zeit bei der Gestaltung der Spielklassen. „Es gab Diskussionen, war die Einteilung richtig oder nicht?“ Der Regionalbeauftragte und stellvertretende Kreisfußballwart Jörg Wolf, der vor sechs Wochen auf einer Sitzung mit den anderen Fußballwarten der Region war, sagte, man müsse sich Gedanken darüber machen, die Spielklassen überregional zu reformieren.

Teams mit neun Spielern wären eine Alternative

Angesichts der immer weniger werdenden Spieler nannte Nils Pfeiffer als einer der Sprecher der Arbeitsgruppen Spielbetrieb das „Norweger-Modell“ mit neun Spielern als Alternative. Oder auch in kleineren Klassen zu spielen und dann Play-off-Spiele auszutragen. Auch müssten wieder mehr Reservespiele zur Austragung kommen und dazu ein finanzieller Anreiz geboten werden.

Eine Satzungsänderung sollte es hinsichtlich des Festspielens der Spieler aus der 1. Mannschaft bei den Reserven in Konkurrenz geben, die in den letzten vier Wochen nicht mehr eingesetzt werden können, wenn sie nach der Winterpause mehr als sechs Spiele für die „Erste“ bestritten haben. Jürgen Radeck antwortete dazu, dass der Antrag auf dem letzten Verbandstag abgelehnt wurde. Die Folge sei gewesen, dass 73 Mannschaften die Runde nicht zu Ende spielen konnten und wegen dreimaligen Nichtantretens ausgeschlossen wurden. Den Antrag, dass zwei Spieler aus der 1. Mannschaft durchgehend bis Ende der Saison spielen können, sollte man wieder aufnehmen.  

Bengelsdorff beklagt Abwärtstrend

Kreisschiedsrichterobmann Markus Bengelsdorff stellte zur Situation im Schiedsrichterwesen fest: „Es liegt ein Abwärtstrend vor. Wir haben große Probleme, die Spiele der Senioren zu besetzen.“ In den B-Ligen sei dies bereits der Fall gewesen. Der aktuelle Stand sei unbefriedigend. „Es melden sich zu wenige an oder hören aus verschiedenen Gründen zu früh auf.“ Man habe schon die eine oder andere Aktion wie den „Aktionstag“ initiiert (die OP berichtete ausführlich).

Junge Schiedsrichter sollten mehr unterstützt werden

Sein Fazit dieser Veranstaltung fiel positiv aus. „Die Vereinsvertreter haben uns mit ihren Gedanken weitergebracht.“ Schiedsrichter-Ausschussmitglied Jonas Stehling sah ein grundlegendes Problem darin, dass die Schiedsrichter oft massiv angegangen werden, sei es von Spielern oder Zuschauern, im Jugendbereich von den Eltern. Im Verein sollte jemand gerade für die jungen Schiedsrichter zuständig sein und ihnen entsprechende Wertschätzung wie zum Beispiel eine Einladung zur Weihnachtsfeier entgegenbringen.

Verbandssportwart Jürgen Radeck nannte es einen Tiefschlag, dass die DFL künftig an manchen Sonntagen drei Spiele ansetzen will. „Das können wir nicht erlauben. Wir haben dagegen schon unseren Unmut kundgetan und eine Petition eingereicht.“ Referent Sebastian Fink fand die Veranstaltung in Wehrda sehr kreativ. „Der Verband ist keine abgehobene Institution und kassiert nur Strafgelder, sondern ist ein Partner der Vereine. Deshalb habe man auch einen Vereinsservice-Assistenten eingestellt. Für die Kreise Marburg und Alsfeld ist dies Günter Stiebig, der in einer Ansprache den Vereinsvertretern mit auf den Weg gab, ihn öfter zu kontaktieren.

von Kurt Arke