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Schäfers Blick geht schon gen Tokio

Rudern Schäfers Blick geht schon gen Tokio

Beim ersten Mal war Dabeisein alles. Beim zweiten Mal soll es ein Stück weiter nach vorne gehen für Lucas Schäfer. In welchem Boot der Gisselberger zu den Tokio-Spielen rudern will, steht allerdings noch nicht fest.

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Lucas Schäfer (rechts) legte sich mit (von links) Jonathan Koch, Lars Wichert und Tobias Franzmann mächtig ins Zeug. Letztlich reichte es in Rio nicht zum erhofften Einzug ins A-Finale. Trotzdem hat die erste Olympia-Erfahrung Schäfer motiviert.

Quelle: Soeren Stache

Marburg. Olympia in Rio de Janeiro liegt gerade einmal zwei Wochen zurück. Nach vielen aufregenden Erlebnissen und neuen Erfahrungen ist Lucas Schäfer wieder zurück in Deutschland, zurück im Alltag. Die große Leere nach dem bisherigen sportlichen Höhepunkt seines Lebens empfindet der Athlet des Vereins Rudern und Sport (RuS) Steinmühle jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. Schäfer zieht viel Energie aus seiner olympischen Premiere, die mit Platz neun für seinen Leichtgewichtsvierer doch etwas enttäuschend endete. „Das war die erste Erfahrung, ich will darauf aufbauen.“

Nach Rio schaute Schäfer erst einmal bei der U-23-WM in Rotterdam vorbei und sah seine Freundin Bronze gewinnen. Jetzt ist Urlaub angesagt. Im Herbst nimmt er das Training für die neue Saison auf. „Und perspektivisch für Tokio“, sagt er. „Rio war sozusagen das Startsignal. Ich bin total motiviert.“

Der leichte Vierer wackelt

Tokio ist also das Fernziel. In der japanischen Hauptstadt finden 2020 die nächsten Sommerspiele statt. Da will Schäfer wieder rudern. In welchem Boot, das ist allerdings noch nicht klar. „Sicher ist: Ich werde weiterhin leicht fahren“, sagt der Gisselberger. Ob er im Leichtgewichtsvierer bleibt, hängt auch vom Internationalen Ruderverband und vom Internationalen Olympischen Komitee ab. Denn eine leichte Klasse soll gestrichen werden - der Vierer wackelt also. Die Entscheidung ist jedoch verlegt worden und soll nun frühestens im nächsten Jahr fallen.

Sollte es den Vierer treffen, würde Lucas Schäfer auf den leichten Doppelzweier umschwenken. „Der Aufbau des Trainings ist nahezu gleich“, sagt der 22-Jährige. Allerdings gäbe es dann logischerweise zwei Plätze weniger. Zudem unterscheidet sich die Rudertechnik. Beim Riemenrudern im Vierer hält der Sportler mit beiden Händen ein Ruder, beim Skullen im Doppelzweier hält er in jeder Hand ein Ruder. „Wenn ich wüsste, dass es den leichten Vierer nicht mehr gibt, würde ich nächste Saison Einer fahren“, sagt Lucas Schäfer. So aber wird er wohl weiterhin im leichten Zweier ohne Steuermann fahren. So hatte er sich auch in einem komplexen Verfahren für den Rio-Vierer qualifiziert.

Kritik an Lage der Regattastrecke

Die Kritik an Hygiene und Organisation, die viele Olympia-Veteranen äußerten, teilt der Ökotrophologie-Student (Ernährungswissenschaften) nur bedingt: „Ich hatte von einem Land wie Brasilien auch nicht erwartet, dass alles so wie in Deutschland oder Japan durchgetaktet ist. Das Leben im olympischen Dorf hat mir gefallen, einfach dabei sein zu dürfen.“

Die Lage der Regattastrecke missfiel Schäfer dagegen: „Der Standort war superanfällig für Wind und Wellen.“ Zu sehr, so die Selbstkritik, habe er sich mit dem deutschen Boot im Vorlauf von den äußeren Bedingungen beeinflussen lassen. „Ausschlaggebend war, wer besser über die Wellen kommt. Da hätten wir besser performen können für eine bessere Startposition im Hoffnungslauf.“ Gleichwohl habe man sich nichts vorzuwerfen, da man an die Leistungsgrenze gegangen sei. „Die Rennen bei Olympia waren um ein Vielfaches härter als die Qualifikation in Luzern. Du musst sofort da sein - oder du fliegst raus.“

Usain Bolt stürmte direkt auf ihn zu

Diese Erfahrung nimmt er mit. Und jede Menge Eindrücke. Sein 22. Geburtstag zum Beispiel, den er am Barra-Strand unweit des deutschen Hauses feierte; neue Bekanntschaften wie den Bahnrad-Vierten Joachim Eilers; Live-Erlebnisse beim Tischtennis, Hockey, Handball; und das 200-Meter-Finale, wo Superstar Usain Bolt praktisch direkt auf ihn, der aus der Kurve hinter dem Ziel zuschaute, zustürmte. „Das war vom Feinsten“, sagt Lucas Schäfer.

von Holger Schmidt

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