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Lokalsport Jetzt wird wieder gekickt
Sport Lokalsport Jetzt wird wieder gekickt
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00:17 02.02.2019
Rasched Allraschi (vorn) und Baschir Nasrah vom TSV Marbach kämpfen in einer Kreisliga-B-Partie gegen den Sterzhäuser Philipp Riehl um den Ball. Ihre Vereine sind nach Pausen wieder mit Mannschaften im Senioren-Spielbetrieb aktiv. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Vier Jahre lang hatte der TSV Marbach kein Seniorenteam im Spielbetrieb. „Darunter“, sagt Helmut Inerle verschmitzt, „habe ich ganz schön gelitten. Ich wusste gar nicht, was ich sonntags machen soll.“ Derzeit ist zwar Winterpause, ab Anfang März gibt’s aber wieder Fußballspiele, die sich der Abteilungsleiter anschauen wird. Denn in dieser Saison ist der Verein wieder mit einem Team in der Kreisliga B vertreten. Ebenso wie der FSV Sterzhausen nach einigen Monaten Pause und der FC Sindersfeld, bei dem rund zwei Jahre lang nicht gekickt wurde. Die Ausgangslage bei den drei Vereinen war unterschiedlich. Gemeinsam haben sie hingegen: Die Zwischenbilanz nach einem halben Jahr fällt positiv aus.

Gekickt wurde auf dem Marbacher Rasenplatz auch in den vergangenen Jahren – vom Nachwuchs, ebenso von den Alten Herren. Doch Seniorenteams stellte der TSV seit 2014 nicht mehr, damals fehlte es Marburger Stadtteil schlicht am spielenden Personal. Versuche zur „Wiederbelebung“ der ersten Mannschaft scheiterten. „Es gab mal zehn Leute, die wieder spielen wollten, mal waren es zwölf. Mindestens 18 hätten es aber sein müssen“, erzählt Inerle. Nun gibt es sogar genügend Spieler für zwei Mannschaften, was einer „glücklichen Fügung“, wie es das TSV-Vorstandsmitglied ausdrückt, zu verdanken sei: Eher zufällig sei die Vereinsführung mit den Brüdern Blerim und Kushtrim Berbati in Kontakt gekommen. „Wir haben miteinander gesprochen und schließlich zusammengefunden.“

Kushtrim ist Spielertrainer, Blerim fungiert als Sportlicher Leiter. Zum Kader gehören mehr als 40 Spieler, viele davon kennen die Berbati-Brüder aus Hobbyteams. Mit einigen kickten sie zuvor auch schon bei Germania Betziesdorf und beim FSV Borts-/Ronhausen.

Bei diesen beiden Vereinen habe es „letztlich nicht gepasst“, sagt Blerim Berbati, räumt ein, dass es insbesondere in Betziesdorf Differenzen mit der Vereinsführung gegeben habe. Davon weiß Inerle, sieht aber kein Problem: „Wir haben offen gesprochen und die Aufgaben klar verteilt. Bislang funktioniert es, wie wir uns das vorgestellt haben.“

So stellt der Vorstand die Infrastruktur des Vereins zur Verfügung, um den Spielbetrieb – Spieler, Ausstattung, Sponsoren, Formalitäten – kümmert sich hingegen Blerim Berbati, unterstützt von seinem Bruder. Die Zusammenarbeit mit den „alten Hasen“ Inerle und Schatzmeister Karl-Heinz Schaub funktioniere sehr gut, sagt der Sportliche Leiter, der hin und wieder selbst auf dem Platz steht. „Sie sind für uns wie Väter, die uns unterstützen, uns im sportlichen Bereich aber unser Ding machen lassen.“ Aktuell belegt die erste Mannschaft Platz zehn in der Kreisliga B Marburg II. „Die erste Runde ist kompliziert“, meint Blerim Berbati. Von manchen Spielern habe sich der Verein „aufgrund einzelner Vorfälle“ wieder trennen müssen, „Jetzt haben wir Leute hier, die sich einbringen und mitziehen.“ Dennoch solle der Kader verstärkt werden, denn: „Unser Anspruch ist es, in Zukunft weiter oben mitzuspielen.“

Rund sieben Kilometer nordwestlich, in Sterzhausen, war Mitte November 2017 das vorerst letzte Spiel ausgetragen worden, ehe der FSV seine erste Mannschaft nach 17 Spieltagen aus der Kreisliga A Marburg zurückzog. Vor Beginn der Saison hatten sich einige Leistungsträger verabschiedet, im Laufe der Runde wurde die Personaldecke immer dünner. Daniel Ehm ist froh, „dass der Neustart gelungen ist“. Er selbst gehörte zu den Aktiven, die den Verein im Sommer 2017 aufgrund fehlender sportlicher Perspektive verlassen hatten – ein Jahr später kam er „nach guten Gesprächen“ mit den Vereinsverantwortlichen um den Vorsitzenden Stefan Jost als Trainer zurück.

Die „neue“ FSV-Mannschaft steht in der Tabelle zurzeit sechs Punkte und zwei Plätze besser da als das Marbacher Team. Weiter nach oben blickt Ehm aktuell nicht, wenngleich er sagt: „Natürlich wollen wir immer so erfolgreich sein wie möglich. Wichtiger ist aber, dass wir überhaupt wieder dabei sind.“ Auf dem Platz stehen einige Spieler, die schon in der Vergangenheit das FSV-Trikot getragen hatten – neben dem Trainer etwa sein Bruder Jan-Niklas sowie Luca Alfano –, aber auch Nachwuchsspieler aus der eigenen Jugend und erfahrenere Kicker wie Salih Ipek und Manuel Eichert, die über persönliche Kontakte nach Sterzhausen gelotst wurden.

Die Kameradschaft werde unter den Spielern gelebt. „Menschlich passt das“, sagt der Coach. Der Trainingsbetrieb gestalte sich allerdings aufgrund zahlreicher Schichtarbeiter teilweise schwierig, auch die schwere Kreuzbandverletzung von Routinier Eichert, der vor der Saison gemeinsam mit Ehm von Wacker Frohnhausen gewechselt war, trübe die Stimmung etwas. „Im Großen und Ganzen“, sagt der 32-jährige Spielertrainer, der selbst aus Sterzhausen stammt und dort auch lebt, „bin ich bislang zufrieden.“

Ähnlich fällt das Zwischenfazit von Ludwig Bauerbach aus: „Es läuft bislang ziemlich gut“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des FC Sindersfeld. Mit 20 Punkten aus 18 Spielen und Rang neun in der Kreisliga B I ist die Mannschaft von Robert Schulz in die Winterpause gegangen. Dem Trainer, das macht Bauerbach deutlich, sei es zu verdanken, dass es im 400-Einwohner-Dorf nach der Abmeldung im Spätsommer 2016 überhaupt wieder eine Mannschaft gibt.

Schulz, der viele Jahre in Hessen- und Verbandsliga gespielt hatte und inzwischen in Sindersfeld lebt, initiierte den Neustart mit dem Vorstand, lockte frühere Mitspieler wie „Junior“ Hull, der ihn als Co-Trainer unterstützt, und „Jay Jay“ Gantenberg zum FC. Aber auch einige Fußballer aus dem Kirchhainer Stadtteil haben nun wieder die Möglichkeit, in ihrem Heimatort zu spielen, wie Bauerbach hervorhebt. Fast 30 Männer stehen auf der Spielerliste, nicht alle davon sind regelmäßig dabei. „Für eine zweite Mannschaft reicht es noch nicht“, sagt der stellvertretende Vorsitzende. „Mit einem Unterbau wären die Aussichten für die Zukunft aber natürlich besser. Daran arbeiten wir.“

Ebenso wie die Sterzhäuser. „Jetzt stehen Gespräche an“, erklärt FSV-Trainer Ehm, der selbst bereits für die nächste Saison zugesagt hat. „Priorität hat, unsere Spieler zu halten. Aber wir hoffen auch auf Zugänge, um in der nächsten Saison wieder eine zweite Mannschaft stellen und damit auch unseren Jugendspielern eine bessere Perspektive im eigenen Verein bieten zu können.“ Darum geht es auch den Verantwortlichen des TSV Marbach um Abteilungsleiter Inerle: „Vor allem in den unteren Jugend-Altersklassen sind viele Marbacher aktiv. Wir wünschen uns natürlich, dass sie irgendwann in unserer ersten oder zweiten Mannschaft spielen.“

von Stefan Weisbrod