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Lokalsport Der Kampf gegen finanzielle Interessen
Sport Lokalsport Der Kampf gegen finanzielle Interessen
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00:17 05.12.2018
Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga wird es ab der Saison 2021/22 nicht mehr geben. Nun formiert sich ein Protest gegen mehr Sonntagsspiele. Quelle: Arne Dedert / dpa
Marburg

Die Fans-Szene protestiert seit langem gegen arbeitnehmerunfreundliche Bundesliga-Spiele unter der Woche – mit einem ersten Erfolg. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat jüngst bekannt gegeben, ab der Bundesliga-Saison 2021/22 auf die Austragung der Spiele an Montagen zu verzichten (wir berichteten ausführlich).

Allerdings wird die nächste­ Protestwelle gegen die DFL nicht lange auf sich warten lassen. Denn die DFL plant pro Saison fünf weitere und damit insgesamt zehn Entlastungsspiele am Sonntag, möglicherweise am Nachmittag, auszutragen. Dies wäre für den ohnehin schon arg gebeutelten Amateurfußballer der Supergau.

HFV: Basis lebt von Sonntagsspielen

Dies befürchtet Marburgs Kreisfußballwart Peter Schmidt. „Derzeit finden ohnehin schon viele Spiele der Profis ab 13.30 oder ab 14.30 Uhr statt. Künftig noch weitere zu diesen Zeitpunkten auszutragen, spült noch weniger in die Vereinskassen der Amateure. Ich habe ja Verständnis, dass die Mannschaften, die donnerstags in der Europa 
League an den Start gehen, nicht bereits wieder am darauffolgenden Samstag spielen sollen. ­Allerdings sollte der Sonntagnachmittag allein für die Amateure da sein.

Auch der Vorstand des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV) befürchtet, dass zusätzliche Bundesliga-Spiele am Sonntagnachmittag ausgetragen werden könnten. Dies lehnt der Vorstand des HFV entschieden ab und fordert die DFL auf, darauf zu verzichten. „Tausende von Amateur-Spielerinnen und -Spielern sind auf diesen Tag angewiesen. Die Amateurvereine als Basis für den Profi­fußball leben von den Spielen am Sonntag. Sie können auf ihre Spieler und ihre Zuschauer – die sich potenziell auch gerne Bundesligaspiele anschauen – nicht verzichten. Die Amateurspiele­ schaffen Begeisterung in den Vereinen und animieren junge Nachwuchskicker, ihre Freizeit dem Sport zu widmen, ihr Talent zu entwickeln und sich in die Gemeinschaft einzubringen. Der daraus resultierende­ langfristige gesellschaftliche Nutzen ist unbezahlbar“, erklärt HFV-Präsident Stefan Reuß.

Kreisfußballwart schließt Streik nicht aus

Deshalb „bittet der Vorstand des HFV das Präsidium des Süddeutschen Fußball-Verbandes­ sowie die Amateurvertreter im Präsidium und Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes, sich dieser Position ausdrücklich anzuschließen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Stellt sich die Frage, ob die Bitte allein ausreicht. Peter Schmidt bezweifelt dies: „Es geht in erster Linie um massive finanzielle Interessen. Da stellt sich die Frage, ob und welcher Druck überhaupt möglich ist, um die DFL und den DFB zu überzeugen, dass der Sonntagnachmittag den Amateuren gehört.“

Immerhin gibt es bereits Überlegungen, an einem bestimmten Wochenende alle Spiele im Amateurfußball ausfallen zu lassen, „um mal ein Zeichen zu setzen“, sagt Peter Schmidt für den Fußballkreis und stellt im gleichen Atemzug infrage, ob solche oder ähnliche Aktionen in den oberen Etagen zu einem Umdenken führen: „In ihren Sonntagsreden heißt es immer, ohne die Amateure gäbe es keine Profis oder die Basis unseres Lieblingssports sind die Amateure. Wenn es aber darum geht, sich für diese Amateure ins Zeug zu legen, spielen die verbalen Bekundungen keine Rolle mehr. Dann geht‘s nur noch um Verträge und viel Geld.“

Profi sieht stete Entfernung von der Basis

Um wie viel Geld, zeigen die TV-Verträge: Der derzeitige Kontrakt inklusive der noch bis 2021 laufenden Montagsspiele bringt dem Profifußball von 2017 bis 2021 insgesamt 4,64 Milliarden Euro. Die DFL hat nun den Auftrag, bei der Medienausschreibung des neuen Vierjahresvertrags, der im Frühjahr 2020 abgeschlossen werden soll, keine­ Montagsspiele mehr zu verankern. Trotzdem wird es wieder um Milliarden gehen.
Insofern ist der Streit um die Montagsspiele und auch der um mehr Sonntagsspiele auch immer mehr zur allgemeinen Kritik an der Geldmaschine Profi­fußball mit ihren wahnwitzigen Ablösesummen und Gehältern gewachsen.

Zuletzt hatte Manager Jörg Schmadtke vom VfL Wolfsburg in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ eingeräumt: „Wie nah wir mit dem Profifußball in Deutschland noch an der ­Basis sind, ist eine berechtigte Fragestellung. Im Zuge der starken Kommerzialisierung entfernen wir uns scheinbar immer mehr.“

Bei der Mitgliederversammlung am 13. Dezember hätte die Liga Gelegenheit, sich auch mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Man darf zumindest gespannt sein, ob die Interessen der Amateure dann eine gewichtige Rolle spielen werden.

von Michael E. Schmidt