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Lokalsport Spitzensportler wohnt jetzt in Kirchhain
Sport Lokalsport Spitzensportler wohnt jetzt in Kirchhain
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00:16 03.07.2018
Maximilian Schwetz lebt seit Mai in Kirchhain und bereitet sich dort auf die Triathlon-Wettkämpfe vor. Sonntag startet er bei der Deutschen Meisterschaft in Düsseldorf. Quelle: Thorsten Richter
Kirchhain

Von Neuseeland nach Kirchhain – ein großer Schritt. „Ich hatte mir Kirchhain davor nur auf der Karte angeschaut, auf Bildern. Ich war noch nie hier“, sagt Maximilian Schwetz, der sich aber trotzdem bereits angekommen fühlt in Mittelhessen. Zumal er in Kirchhain optimale Bedingungen vorfindet für seinen Sport. „Schwimmbäder sind immer ein Knackpunkt“, sagt er. Das Phönix-Hallenbad ist nun ganz in der Nähe. Auf den wenig befahrenen Straßen lässt es sich zudem gut radeln, im Wald sammelt er Laufkilometer. Dazu gibt es noch die Sportanlagen Kirchhains. Etwa an der Alfred-Wegener-Schule. Dort hat die Partnerin des 27-Jährigen ihr Referendariat angefangen, was auch der Grund war, warum die beiden nach Kirchhain gezogen sind. Zuvor lag der Lebensmittelpunkt in Saarbrücken. Wobei der Profi-Triathlet ein halbes Jahr lang während des europäischen Winters im neuseeländischen Sommer in Cambridge lebte und trainierte.

Am Sonntag kämpft Maximilian Schwetz, der für das Kinelogiq Team Saar an den Start geht, um die Deutsche Meisterschaft. Die Chancen stehen gar nicht schlecht, denn sein ärgster Rivale wird in Düsseldorf nicht dabei sein können. Justus Nieschlag aus Saarbrücken, der den Titel auf der Sprintdistanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) in den vergangenen beiden Jahren gewann, verpasst die DM wegen einer Achillessehnenverletzung.

Wichtiger als die nationale Meisterschaft ist für den gebürtigen Erlanger Schwetz, der bis zu seinem 20. Lebensjahr als Schwimmer zur deutschen Jahrgangsspitze gehörte, aber das letzte Weltcup-Rennen der Saison im ungarischen Tiszaujvaros eine Woche später. Darüber will er sich für die noch wichtigere WM-Serie qualifizieren. „Es kommt immer darauf an, wie der Weltcup besetzt ist. Aber wahrscheinlich muss ich eine Top-Ten-Platzierung bringen“, sagt Schwetz.

Und die WM-Serie soll nicht das Ende sein. Denn das große Ziel ist Olympia 2020 in Tokio. „Das verfolge ich mit aller Kraft. Rio 2016 hat noch nicht geklappt“, sagt Schwetz und erklärt: „Im Jahr vorher hatte ich Pfeiffersches Drüsenfieber bekommen und musste ein halbes Jahr aussetzen.“
Wie die Normen für die Sommerspiele aussehen, steht noch nicht fest. Allerdings wird die Deutsche Triathlon Union (DTU) maximal drei Starter melden können. Was an die internationalen Erfolge der deutschen Sportler geknüpft ist.

Zoff mit dem Verband

Was das angeht gerieten Schwetz und die DTU im vergangenen Jahr aneinander. Dem Triathleten ging die Struktur­reform und das Nominierungssystem des Verbandes gegen den Strich. Die DTU forderte von den Dreikämpfern Normen bei einem internen Leistungstest, um sie für internationale Rennen zu melden. Schwetz verpasste den Test im März 2017 krankheitsbedingt, nachholen wollte er ihn im Mai nicht. Denn nicht beim Leistungstest, sondern bei Großereignissen sollten die Sportler doch in Topform sein, findet Schwetz.

„Aus meiner Sicht gibt es viel zu viele Restriktionen, sodass die meisten Athleten hauptsächlich versuchen, gegen die Kriterien des Verbands zu bestehen und dann keine Kraft mehr haben, um international bei den Rennen – wenn sie dann irgendwann teilnehmen dürfen – richtig zuzuschlagen.“ Deshalb wehrte er sich dagegen und wollte vor dem Landgericht Frankfurt erwirken, dass ihn die DTU für drei bestimmte internationale Rennen meldete. Vergeblich, die Klage scheiterte. Letztlich flog Schwetz aus dem Kader, „weil ich mich geweigert habe, einen Athletenvertrag zu unterschreiben, den sie mir vorgesetzt haben“. Damit hätte er Rechte abgegeben, so Schwetz, dafür aber keine Gegenleistung erhalten.

"Einstein" will den Physik-Master machen

Noch dazu blieb er bei seinem Trainer Dan Lorang, der auch Ironman-Triathlet Jan Frodeno unter seinen Fittichen hat. Lorang hatte die Strukturreform des Verbandes nach Olympia 2016 nicht mittragen wollen und ist seitdem nicht mehr Bundestrainer. „Das hat auch keinen so guten Anklang gefunden bei der DTU, weil sie gerne gehabt hätten, dass die Besten bei ihren Trainern trainieren“, erklärt Schwetz. Doch der ehrgeizige und selbstständig planende Athlet wollte lieber bei Lorang bleiben, den er eher als Berater sieht und als „extremen Datenfuchs“ bezeichnet. „Wir machen da viel höchst wissenschaftlich.“

Was wiederum zu Maximilian Schwetz passt. Denn: An der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich machte er seinen Bachelor in Physik, an der Uni in Marburg will „Einstein“ den Master draufsatteln. „Ich glaube, der Spitzname kam eher wegen der Frisur. Aber es passt natürlich auch wegen des Studiums“, schmunzelt Schwetz.

Inzwischen haben sich die Wogen zwischen Schwetz und dem Verband auch ein wenig geglättet, zumal die DTU die Anforderungen an die Triathleten ein wenig gelockert hat. „Es ist besser geworden. Aber man darf es nicht verwechseln mit gut“, sagt Schwetz, der fordert: „Man soll den Leuten freien Zugang zum internationalen System geben. Wenn die Sportler ihre eigene Wettkampfplanung machen können, gehe ich davon aus, dass sich dann deutlich größere Erfolge einstellen würden.“

von Holger Schmidt