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"No risk, no fun"

Wahnwitziger Wakeboarder "No risk, no fun"

Ungewöhnlich, wagemutig und ein bisschen durchgeknallt – so sind Marco Schmidts Trainingsmethoden. Am Sonntag will der Reddehäuser seinen Hessenmeister-Titel verteidigen.

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Mit Karacho übers Wehr: Marco Schmidt lässt sich mit rund 40 km/h von einem Seil ziehen, fliegt gut fünf Meter durch die Luft und landet im flachen Kiesbett am Cölber Wehr.

Quelle: Nadine Weigel

Cölbe. Die Sonne strahlt vom azurblauen Himmel. Die ersten goldenen Blätter fallen lautlos in die Lahn. Das Wehr rauscht. Es ist ein wunderbarer Herbsttag, den sich Marco Schmidt da für seine Aktion ausgesucht hat. „Ich springe mit dem Wakeboard übers Wehr“, erklärt der 19-Jährige und lacht.

Was sich für den nicht so wakeboard-affinen Normalbürger wie eine völlig irre Idee anhört, ringt Marco nur ein Lächeln ab. „Ok, es ist schon eine Herausforderung, aber es ist doch einfach auch schön, mal woanders zu fahren, zum Beispiel hier draußen auf der Lahn“, sagt der Reddehäuser.

 

Am Sonntag Hessenmeistertitel verteidigen

Seit fünf Jahren steht Marco Schmidt auf dem Brett. Seit Beginn an ziemlich erfolgreich. So will er am kommenden Sonntag zum wiederholten Mal seinen Hessenmeistertitel verteidigen. Auf seiner Heimbahn im Hotsport-Seepark Niederweimar wird sich der 19-Jährige mit Hessens besten Wakeboardern messen.

Aber zuerst gilt es, das Wehr zu bezwingen. Auf der Brücke steht sein Freund Pascal Mayer, der die sogenannte Winch, eine motorbetriebende, zugstarke Seilwinde, bedient. Das Ende des Seils lässt er zu Marco herunter, der es sich schnappt und damit samt Wakeboard lahnaufwärts durchs Wasser stapft.

Mit Karacho übers Wehr: Marco Schmidt lässt sich mit rund 40 km/h von einem Seil ziehen, fliegt gut fünf Meter durch die Luft und landet im flachen Kiesbett am Cölber Wehr. Fotos: Nadine Weigel

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Ein Angler ist irritiert und fürchtet um den Fischbestand. Radfahrer bleiben stehen und schauen sich das Spektakel neugierig an. Auch Marcos Mutter und sein kleiner Bruder sind gekommen, um dem wagemutigen Familienmitglied die Daumen zu drücken. Bruder Cedrik filmt, Mutter Sonja blickt auf die schäumende Gischt der Lahn.

"Ich habe immer Angst um ihn und überlege, ob ich überhaupt komme. Aber dann bin ich doch immer dabei und bin stolz“, sagt seine Mutter und verteilt frischgebackenen Apfelkuchen an die Umstehenden. Auch Carlo Mazzoletti ist gekommen, um Marco zuzuschauen. Der Inhaber der „Pizzeria da Carlo“ in Cölbe ist fasziniert vom Wakeboardfahren. Er sponsert den jungen Reddehäuser, der sogar seine eigene Pizza hat. „Das ist doch Wahnsinn, was der macht“, findet Mazzoletti.

Marco wird aus dem Wasser katapultiert

Mittlerweile ist Marco übers Wehr geklettert und ins tiefe Wasser der Lahn geschwommen. Gegen die eisigen Fluten schützt ihn ein Neoprenanzug.
Er schnallt sein Wakeboard an und umfasst den Griff des Seils. Er gibt Pascal ein Handzeichen. Der schmeißt den Motor der Seilwinde an. Das Seil strafft sich, Marco wird aus dem Wasser katapultiert. Er rast auf das Wehr zu, springt ab, fliegt gut fünf Meter durch die Luft und landet mit einem lauten Knall im flachen Kiesbett. Nur wenige Zentimeter von spitzen Steinen und Felsen entfernt. Der Atem stockt. Marco reckt den Daumen nach oben, lächelt. Alles ok.

"Ich weiß schon, was ich tue"

Marco, der die 13. Klasse der Adolf-Reichwein-Schule besucht, ist kein durchgeknallter Adrenalin-Junkie. „Ich weiß, was ich tue. Klar, man muss schon aufpassen, aber so gefährlich ist das gar nicht“, beschwichtigt er.

Noch ein paar Mal lässt er sich übers Wehr ziehen, variiert dabei die Sprünge, dreht sich zum Beispiel in der Luft um die eigene Achse und landet dabei immer heil im schmalen und flachen Flussbett. Wahnsinn. Wirklich. Der Laie kann nur staunend den Kopf schütteln und innerlich den Spruch wiederholen: „Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen.“

von Nadine Weigel

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