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Mit ganzer Kraft für den Fußballnachwuchs

Serie "Die gute Seele des Vereins" Mit ganzer Kraft für den Fußballnachwuchs

Nikol Gröning ist die Frau in einer vermeintlichen Männerdomäne. Bei den Fußballern des Jugendfördervereins Stadtallendorf/Ostkreis gehört die 39-Jährige zu den Machern.

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Nikol Gröning lehnt lässig an einem Torpfosten in der Abendsonne auf dem Stadtallendorfer Fußballplatz.

Quelle: Bodo Ganswindt

Stadtallendorf. Sie hat ein taffes Auftreten und lässt erahnen, wie viel Energie in ihr steckt. Freundlich lächelnd begrüßt sie ihren Gast und so alle zwei Minuten einen der Fußballer oder Funktionäre, die gerade das Gelände vor dem Funktionsgebäude des TSV Eintracht Stadtallendorf betreten. Man kennt sie, die Nikol Gröning, die fast alle „Niki“ nennen.

Die „Niki“ ist an sechs Tagen der Woche auf dem Gelände der Eintracht unterwegs - außer montags, dann ist sie in Marburg, wo ihr elfjähriger Sohn Tim am DFB-Stützpunkttraining der D-Jugend teilnimmt. Tim und sein Bruder Mio (9) kicken natürlich bei der Eintracht in der jungen Stadt im Grünen. Aber eigentlich sei sie ein „Marburger Kind“, sagt sie.

Dort arbeitet sie auch als Verwaltungsangestellte der Philipps-Universität. Dennoch: Sie wohnt in Stadtallendorf - quasi als „Beigefreite“ - und widmet sich in ihrer freien Zeit dem Fußballgeschehen im Jugendförderverein (JFV), dem als Stammvereine der TSV Eintracht Stadtallendorf, der TSV Erksdorf und der SV Emsdorf angehören. „Die Begeisterung für den Fußball hat mein Bruder Dejan Grujic in mir geweckt, der beim VfL Marburg seine fußballerische Ausbildung erhalten hat.“

Das Stadtallendorfer Herrenwaldstadion mit den dazugehörigen Liegenschaften in der Umgebung ist so der „Niki“, die mazedonische Wurzeln hat, eine Art zweite Heimat geworden.

Nach der kürzlich erfolgten Etablierung des JFV, der eine neue Form repräsentiert, wie junge Talente in der hiesigen Region zu halten und zu fördern sind, gehört sie als Schriftführerin zum erweiterten Vorstand. „Wir sind ein gut harmonierendes Team, das ist unsere Stärke.“

Organisatorisches Talent ist gefordert

Die Zusammenarbeit mit den sportlichen Koordinatoren Mario Selzer und Markus Kubonik sowie Hermann Weitzel (Vorstandsmitglied im JFV und Leiter der Jugendabteilung Eintr. Stadtallendorf) habe sich zunehmend stabilisiert.

Sie sei bereit gewesen, Aufgaben zu übernehmen. Diese gehen schon mal über die Abwicklung der überwiegend organisatorisch-administrativen Aufgaben hinaus. So ist die „Niki“ zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, geht den Trainern bei der Erstellung der Spielberichte für das Internet zur Hand, unterstützt die Kollegen bei der Kontaktpflege zu anderen Vereinen und beflockt die Spielkleidung. Aber auch sonst beweist sie ihr organisatorisches Talent, etwa bei der Einteilung der Balljungen für die Heimspiele des Hessenliga-Teams. „Da be­kommen die Nachwuchskicker einen kleinen Eindruck davon, wohin es auch für sie mal gehen könnte.“ Außerdem fördert diese Nähe die Identifikation mit dem Verein. Beim JFV haben immerhin etwa 30 Trainer rund 250 junge Fußballer von der E- bis zur A-Jugend unter ihren Fittichen. „Das sind nicht nur lizensierte Übungsleiter“, sagt Gröning, „sondern auch Trainer aus der Elternschaft, denen wir es ermöglichen, Lizenzen zu erwerben.“ Gleichwohl sei der Verein keine Kaderschmiede. „Wir wollen vor allem den Fußball im Ostkreis am Leben erhalten.“

Dabei sieht sie in ihrer Arbeit auch eine gesellschaftliche Aufgabe: „Wir möchten unseren Teil dazu beitragen, die Fußballjugend zu Toleranz und Respekt zu erziehen.“ Als Mitglied im Fairplay-Forum bringe sie sich in Workshops ein und befasse sich unter anderem mit dem Thema Konfliktmanagement. Einmal pro Jahr findet mit den Partnern im Forum ein Fair-Play-Turnier statt.

Inzwischen hat sich die umtriebige „Niki“ in Grünberg zur Vereinsjugendmanagerin ausbilden lassen. Der Hessische Fußball-Verband (HFV) vermittelte ihr in Wochenendseminaren, die über ein halbes Jahr liefen, das Handwerkszeug für eine moderne Vereinsführung. Und damit nicht genug:

Sie will durch Leistung überzeugen

Derzeit „schnuppert“ sie in die Verbandsarbeit für die Juniorinnen hinein. „Der jetzige Regionalkoordinator arbeitet mich ein, damit ich seinen Job übernehmen kann.“ Nikol Gröning versieht ihre Arbeit mit Freude. „Ich fühle mich akzeptiert und hoffe, dass der ein oder andere noch existierende Vorbehalt gegenüber einer Frau in diesem Metier ausgeräumt werden kann.“

von Bodo Ganswindt

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