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Mit einem "Back Roll Backside 180" zum Titel

Wakeboard-Weltmeisterin Vanessa Weinhauer Mit einem "Back Roll Backside 180" zum Titel

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hat Vanessa Weinhauer am Dienstag einige Runden auf dem Weimarer See gedreht. Bis zu 30 Grad wärmer ist es derzeit in Mexiko. Dort hat die 18-Jährige drei WM-Medaillen gewonnen.

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Die Weltmeisterin ist zurück in der Heimat: Am Dienstag stand Vanessa Weinhauer bereits wieder auf dem Wakeboard.

Quelle: Nadine Weigel

Niederweimar. Wasser ist ihr Element, Wakeboarden ihre Leidenschaft. Und besonders spektakuläre Sprünge sind ihre große Stärke. Am See in Niederweimar ist Vanessa Weinhauer am Montagabend von Verwandten und Freunden gefeiert worden. Wenige Stunden zuvor war sie nach zwei Wochen in Mexiko am Frankfurter Flughafen angekommen - als zweifache Weltmeisterin.

Bei der WM in Morelos hat die Marburgerin in der vergangenen Woche gezeigt, was sie auf dem Brett draufhat. Sie hat etwas erreicht, worauf sie jahrelang hingearbeitet hat - sie ist Weltmeisterin in ihrer Altersklasse „Junior Ladies“ (U19) geworden. Quasi nebenbei trug sie mit ihrer Leistung zum Teamtitel für die deutsche Mannschaft - vor Frankreich und Italien - bei. Und nicht nur das: Zur Krönung holte sie sich Bronze bei den „Open Ladies“. „Das war unglaublich, ein tolles Gefühl“, erzählt sie. Auch in dieser offenen Klasse aufs Podium zu fahren, „war nicht zu erwarten“.

2008, als Zehnjährige, machte Vanessa Weinhauer im Seepark in Niederweimar ihre ersten Versuche auf dem Wasser. Auf dem Kneeboard und auf Wasserskiern hatte sie großen Spaß; im folgenden Jahr wagte sie sich ans anspruchsvollere Wake­boarden. Sie lernte schnell, wurde immer besser. Lucien Gerkau begleitet sie seit vielen Jahren. „Sie hat eine enorme Entwicklung gemacht“, sagt der Trainer, der auch in Mexiko dabei war.

Verletzung hält sie nicht auf

2014 wurde Vanessa Weinhauer Europameisterin ihrer Klasse, gewann zudem WM-Silber in Norwegen. Im vergangenen Jahr dann der Schock: Sie riss sich das Kreuzband, musste zehn Monate lang aussetzen. Doch ans Aufgeben dachte die ehemalige Schülerin der Marburger Elisabethschule, die in diesem Jahr ihr Abitur gemacht hat, nie. Im Frühsommer wagte sie sich wieder aufs Wasser. „Es war schwer, nach der Verletzung zurückzukommen“, erzählt sie. Wie gut es klappte, zeigte sich im September, als sie in Israel erneut den EM-Titel errang. Der Sieg motivierte sie umso mehr, auch weltweit wollte sie die Beste sein. Mit ihren Trainern - Lucien Gerkau sowie den fürs deutsche Team verantwortlichen Aaron Armborst und Philip Thiele - plante sie Läufe, die für den WM-Sieg reichen sollten. Aber dennoch: „Dass ich den ersten Platz geholt habe, dass ich jetzt Weltmeisterin bin, kann ich noch gar nicht glauben.“

„Mega“ sei der Moment gewesen, in dem sie das Ergebnis registrierte. „Man vergisst alles, denkt an gar nichts mehr“, beschreibt sie ihre Gefühlslage. Zugleich war sie „super erleichtert“. Denn am Ende hatte sie nichts mehr selber in der Hand, musste zusehen, was ihre stärkste Konkurrentin Juliette Labelle abliefert. Die Französin machte ihre Sache gut, überzeugte die Kampfrichter. Aber Vanessa Weinhauer war zuvor noch ein kleines bisschen besser gewesen. Ein einziger Punkt gab letztlich den Ausschlag. „Das ist fast nichts, entspricht höchstens einem kleinen Wackler“, erklärt die neue Weltmeisterin. Ihre deutsche Mannschaftskameradin Joelina Gerards lag im Endklassement als Dritte nur einen weiteren Zähler zurück.

Ein perfekter Lauf sei ihr nicht gelungen, sagt Vanessa Weinhauer zum „Junior Ladies“-Finale. Ihr Paradesprung mit 360-Grad-Drehung nach links, den sie als erste Frau weltweit überhaupt gestanden hatte, ging daneben. Im zweiten Lauf riskierte sie deshalb etwas weniger, stand acht dennoch anspruchsvolle Tricks sauber, darunter einen „Back Roll Backside 180“ (über die rechte Schulter gedrehter Rückwärtssalto mit halber Drehung nach links). Lucien Gerkau beschreibt es so: „Vanessa hat das Feingefühl, um auch bei den Standardtricks einen Tick besser als die anderen zu sein.“ Das stellte sie nicht zum ersten Mal unter Beweis.

Training auch im Winter

Ins Finale der offenen Klasse am Samstag, vier Tage nach der Entscheidung bei den „Junior Ladies“, ging sie ohne jeden Druck, zeigte erneut einen souveränen zweiten Lauf. Auf die Französin Aurelie Godet hatte sie drei Punkte Rückstand. Die Deutsche Julia Rick dominierte und erreichte mit mehr als 20 Punkten Vorsprung ein überragendes Ergebnis. „Sie fährt in einer eigenen Klasse“, sagt Vanessa Weinhauer über die fünf Jahre ältere Weltmeisterin, weiß aber auch: „Ich bin noch jung, ich kann mich weiter verbessern.“ Und nach ihren Erfolgen von Morelos gibt es für sie nur noch eine Möglichkeit der Steigerung: Sie will „Open Ladies“-Weltmeisterin werden.

Dafür wird sie weiter hart trainieren - auch im Winter. Für sie ist es „ein großer Vorteil“, dass sie die Anlage in Niederweimar auch außerhalb der Saison nutzen kann. „Solange nicht alles zugefroren ist, fahre ich“, erzählt sie. Mit Neoprenanzug war sie auch am Dienstag auf dem Wasser aktiv, zeigte für Fernsehaufnahmen ein paar Tricks. „Nur die Hände und das Gesicht werden kalt. Aber das ist kein Problem“, betont sie, schiebt aber hinterher: „Die Temperaturen in Mexiko waren mir schon lieber.“

von Stefan Weisbrod

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