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Mindestlohn sorgt weiter für Ärger im Sportkreis

Breitensport Mindestlohn sorgt weiter für Ärger im Sportkreis

Das seit dem 1. Januar 2015 geltende Mindestlohngesetz hat Konsequenzen, die auch in den Amateursport hineinwirken. Über die Art der Information der Vereine gibt es Animositäten.

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Marburg. Die mit erheblichem öffentlichem Hall vom Bundestag beschlossene und verkündete Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro hat auch seine Auswirkungen auf die 90000 Sportvereine im Lande. Dezidierte Informationen darüber, für wen und in welcher Form das Gesetz Konsequenzen habe, hielten sich zunächst in überschaubaren Grenzen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verwies auf das von ihm herausgegebene Rechtstelegramm, das auch auf der Homepage des Landessportbundes Hessen für seine 7800 Mitgliedsvereine zugängig ist (die OP berichtete bereits).

Auf der Ebene des hiesigen Landkreises herrschte einige Wochen relative Unklarheit in der Sache, weil sich sowohl der Sportkreis Marburg-Biedenkopf als auch einige Vereine im Regen stehengelassen fühlten.

„Gesetz ist offenbar mit heißer Nadel gestrickt“

So monierte etwa der VfL Marburg, einer der mitgliederstärksten Vereine im Landkreis, einen Informationsmangel, dessen Behebung man sich über die Institution des Sportkreises Marburg-Biedenkopf erhofft habe, der schließlich aus Mitteln der Stadt Marburg, des Landkreises und des Landessportbundes finanziert werde.

Ulrike Ristau, die Vorsitzende des VfL, und der 2. Vorsitzende Dr. Gerhard Eisel haben dies in Schreiben an den Präsidenten des Landessportbundes Hessen (LSB H), Dr. Rolf Müller, sowie an den Sportkreis und dessen Vorsitzenden Jürgen Hertlein direkt mitgeteilt. „Wir sehen uns auch als Vertreter der vielen kleinen Vereine an, die unbedingt Hilfe brauchen“, sagt Ristau. Man könne sich nicht damit zufrieden geben, wenn es heiße, man habe sich noch nicht damit beschäftigt.

„Das Gesetz ist offenbar mit heißer Nadel gestrickt“, sagt Ristau. Sie erhoffe sich schnellstens Antworten auf viele Fragen. „Angeblich soll das Gesetz im April schon wieder nachgebessert werden.“

Inzwischen hat LSB-Chef Dr. Müller Ulrike Ristau geantwortet. Im Schreiben vom 3. März betont er, dass es ihm „prinzipiell an einem guten Verhältnis zwischen den Vereinen und den 23 hessischen Sportkreisen gelegen ist“ und rät aus diesem Grund zu einem „klärenden Gespräch“, um den Konflikt aus der Welt zu schaffen und bietet sich als Vermittler eines solchen an.

Sportkreis veröffentlicht Informationen im Internet

Sportkreis-Chef Jürgen Hertlein weist die Vorhaltungen Ristaus entschieden zurück. „Uns Untätigkeit vorzuwerfen, ist eine Frechheit“, schimpft er und weist darauf hin, dass nach der Sitzung des Sportkreisbeirates in der vergangenen Woche auf der Homepage des Sportkreises einschlägige Informationen für die Mitglieder platziert worden seien.

In einem Schreiben mit dem gestrigen Datum beantwortet der Sportkreis auch das Schreiben Ristaus vom 9. Februar, in dem es unter anderem heißt: „Aufgrund der unklaren Auslegungen in Bezug auf den Sport war der Sportkreis Marburg-Biedenkopf gehalten, erst nach ausführlichen Recherchen ebenfalls an die Öffentlichkeit zu treten. Nach dem Sondierungsgespräch zwischen Bundesregierung und dem DOSB ist erst seit der letzten Woche mehr Klarheit zu diesem Themenkomplex eingekehrt.“ Den Vereinen des Sportkreises würden über dessen Homepage (www.sportkreis-marburg-biedenkopf.de) aktuelle Entwicklungen zeitnah mitgeteilt.

Rechtsanwalt nennt Richtlinien

Aktuell nennt Rechtsanwalt Carsten Dalkowski für den Sportkreis einige Essentials:

•Der Mindestlohn gilt in Sportvereinen nicht für ehrenamtliche Übungsleiter und andere ehrenamtlich Tätige im Sportverein. Das Gesetz erlaubt weiterhin, eine finanzielle Aufwandsentschädigung an die Freiwilligen zu zahlen. Das betrifft Ausbilder, Übungsleiter und Trainer mit einer Vergütung im Rahmen des Übungsleiterfreibetrages sowie ehrenamtlich Tätige, die eine Ehrenamtspauschale erhalten.

•Amateur-Vertragsspieler und andere ehrenamtlich Engagierte im Sport sind von der Mindestlohnregelung nicht betroffen.

Ulrike Ristau, die selbst Rechtsanwältin ist, vermisst unter anderem Hinweise darauf, wie die so genannte Dokumentationspflicht zu bewerkstelligen sei. „Außerdem muss beantwortet werden, was gilt, wenn die Arbeit eines Übungsleiters mit mehr als der Jahrespauschale von 2400 Euro vergolten werde“, sagt sie.

Überdies sei es nicht nachvollziehbar, warum ein Vertragsamateur nicht unter das Mindestlohngesetz falle, ein Platzwart allerdings. Die Begründung, ein Vertragsamateur übe seine Tätigkeit als Hobby aus, sei wahnwitzig.

Sie befürchtet zudem, dass über die Dokumentationspflicht der Tätigkeiten, die vom Gesetz betroffen seien, erhebliche bürokratische Hemmnisse entstünden. „Wenn diese weiter fortschreiten, werden wir kaum noch jemand für die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen gewinnen können“, betont sie. Eine ausführliche Aufklärung in der Sache sei daher umso dringender geboten.

von Bodo Ganswindt

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