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Lokalsport Mercenaries bezwingen Ingolstadt
Sport Lokalsport Mercenaries bezwingen Ingolstadt
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13:01 25.06.2018
Auf dem Weg zu seinem vierten Touchdown in dieser Saison: Marburgs Philip Lanieri (rechts) schüttelt seine Verfolger ab. In der zweiten Hälfte fehlte er den Mercenaries jedoch. Quelle: Miriam Prüßner
Marburg

Als die Marburg Mercenaries sich im Georg-Gaßmann-Stadion aufwärmten, fehlte ein Spieler. Der erst vor zwei Wochen verpflichtete Quarterback Robert Webber glänzte durch Abwesenheit. Sein Fehlen war keiner Verletzung geschuldet.

Vereinspräsident Carsten Dalkowski ließ die Nachrichten-Bombe platzen: Der US-Amerikaner sei unter der Woche aus Deutschland abgereist – ohne irgendeinen Funktionär, Coach oder Spieler zu informieren.

„Wir sind natürlich geschockt darüber. Er war einfach weg. Ich habe mit Kollegen von anderen Vereinen geredet. Das ist anscheinend eine Premiere in der Geschichte dieser Liga“, erklärte Dalkowski. Der getürmte Spielmacher sei wohl unzufrieden mit seinem Aufenthalt in Marburg gewesen.

Es soll Ersatz verpflichtet werden. Ein neuer „Rasengeneral“ ist bereits im Gespräch. Somit mussten die „Mercs“ gestern zum Notfallplan greifen. Und der hieß Silas Nacita. Der etatmäßige Running Back, der in dieser Saison bereits einmal die Schlüsselposition der Offensive bekleidet hatte, erwies sich als Luxus-Notlösung. Vier Touchdowns warf er und hatte somit großen Anteil daran, dass die Marburger nicht nur ihren fünften Saisonerfolg feiern konnten. Es war auch der vierte Heimsieg in ebenso vielen Versuchen.

Trotz dieser Bilanz war Head Coach Dale Heffron mit dem Ergebnis nicht rundum zufrieden: „Wir haben gelernt, knappe Spiele zu gewinnen. Aber wir müssen eben noch lernen, einem Team, gegen das wir führen, den Todesstoß zu versetzen.“ Das Spiel war zu knapp für seinen Geschmack. Die Marburger machten es spannend. Das lag auch an einigen Verletzungen. Linebacker Jack Rice fiel im ersten Durchgang mit einer Schulterverletzung aus. Einen noch größeren Verlust stellte Phil Lanieris Abwesenheit dar. Der „Iron Man“ der Hausherren fiel für die gesamte zweite Hälfte aus. „Das verändert natürlich enorm die Art und Weise, wie wir verteidigen können. Er macht eben so einen großen Unterschied“, versicherte Defensive Coordinator Sam Weiss.

Die „Mercs“ begannen die Partie wie die Feuerwehr. Mit Nacita als Spielmacher hatte die Defensive der Gäste nicht gerechnet. Es dauerte, bis sich die Ingolstadt Dukes auf den Quarterback einstellten. Vor allem Nacitas Qualität als Läufer machte den „Herzogen“ zu schaffen. „Damit haben sie natürlich nicht gerechnet“, meinte Weiss. Es half, dass die ­Dukes-Offensive in der gesamten ersten Hälfte kaum etwas auf die Beine stellte.

Quarterback Nelson Hughes, ebenso wie Nacita ein Irrwisch als Läufer, leistete sich eine Interception und wurde von der auftrumpfenden Marburger Defensive weitgehend in Schach gehalten. Das 23:10 zur Halbzeit war unterm Strich sogar ein bisschen zu wenig. Phil Lanieri und Marvin Rutsch sowie Henrik Schwarz hatten die Touchdowns besorgt, Kicker Kristof Szakacs ein Field Goal beigesteuert.

Nach der Pause waren die ­Dukes am Zug, den sechsten Gang einzulegen. Ein individueller Fehler in der Secondary der Mercenaries servierte Ingolstadt den Touchdown auf dem Silbertablett – nur noch 23:17. Dennoch zeigte die Marburger Verteidigung insgesamt eine gute Leistung. Besonders Linebacker Neal Howey überzeugte mit einer Vielzahl wichtiger Tackles.

Das 23:17 währte nicht lange. Denn die Passverteidiger der Ingolstädter, die bei Nacitas tiefen Pässen schon einige Male schlecht ausgesehen hatten, wurden erneut übertölpelt. Ein tiefer Pass auf Schwarz sorgte im dritten Viertel fürs 30:17. „Sie wussten, dass Silas unheimlich schwer zu tacklen ist. Deswegen wollten sie auch mit den Passverteidigern näher an der Line of Scrimmage sein“, sagte Weiss.

Die Dukes kamen noch einmal auf 24:30 heran. Den Touchdown markierte Hughes dank seiner blendenden Geschwindigkeit höchstpersönlich. Doch beim folgenden Angriff nahmen die „Söldner“ so viel Zeit von der Uhr, dass den Gästen am Ende nicht mehr genügend Zeit blieb.

von Benjamin Kaiser