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Marburger setzen auf Jugendarbeit

Fechten Marburger setzen auf Jugendarbeit

An der Spitze des deutschen Fechtsports rumort es: Nach schwacher Olympia-Qualifikation stehen der Verband und seine Nachwuchsarbeit in der Kritik. Gerade kleine Vereine brauchen nun mehr Beachtung, fordert Olympiasieger Arnd Schmitt.

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Im deutschen Fechtsport wird derzeit heftig über die Zukunft diskutiert. Die Fechtabteilung des VfL Marburg erlebt gegenwärtig dennoch einen Aufschwung.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Britta Heidemann nimmt ihre Schutzmaske vom Gesicht und wirft einen leeren Blick durch die Halle in Prag. Nur ein paar Meter weiter jubelt die finnische Fechterin, gegen die Heidemann gerade verloren hat.

Die Olympiasiegerin von 2008 verpasst durch diese Niederlage ihre letzte Chance, ab diesem Freitag in Rio de Janeiro bei den Olympischen Spielen dabei zu sein – und macht das Debakel aus Sicht des Deutschen Fechter-Bunds (DFB) perfekt.

Denn schon zuvor war klar, dass 2016 erstmals seit dem Jahr 1956 keine deutsche Fecht-Mannschaft bei den Olympischen Spielen vertreten sein wird. Lediglich die vier Einzelfechter Max Hartung, Matyas Szabo, Peter Joppich und Carolin Golubytskyi hatten sich qualifiziert. Nun ist also auch Heidemann, die Olympia-Heldin von Peking und die große Hoffnung des DFB, am Boden – ein Symbolbild für den gesamten Fechtsport in Deutschland?

Manch einer der Kritiker sieht das so. Bereits Anfang des Jahres holte der zweimalige Olympiasieger Arnd Schmitt zum Rundumschlag gegen den Verband aus, bezeichnete die aktuelle Situation im deutschen Fechten als „desolat“.

Dafür seien vor allem die Spitzenfunktionäre verantwortlich, die „nicht das Wohl des Fechtsports, sondern einfach ihre eigene Karriereleiter“ im Blick hätten, sagte der 50-Jährige im Interview mit dem „Bonner Generalanzeiger“.

In der Tat plagen den DFB seit geraumer Zeit Querelen an der Spitze: Im Januar trat Präsident Lothar Blase zurück. Er habe „eigene strukturelle Ideen und seine Zielvorstellungen nicht verwirklichen“ können, hieß es von offizieller Seite.

Schon im Jahr zuvor hatte Vizepräsident Luitwin Ress sein Amt mangels Unterstützung durch die Landesverbände niedergelegt. Die beiden wichtigsten Posten des Verbands sind damit momentan nur kommissarisch besetzt.

Viele Talente aus Vereinen herausgerissen

Darüber hinaus prangert Schmitt aber auch die Nachwuchsarbeit im deutschen Fechtsport an. Viele Talente würden in Stützpunkten zentralisiert und damit aus ihren Vereinen herausgerissen. „Das ist völliger Nonsens. Das führt dazu, dass die kleinen Vereine ausbluten und keine Lust mehr haben“, sagte der Olympiasieger.

Fehlt es erst einmal an Vereinen, schwindet gerade in einer Randsportart wie Fechten schnell der begabte Nachwuchs. Hängen die Probleme in der Spitze also unmittelbar mit der Breite zusammen? Hätten die Interessen der kleinen Vereine in der Vergangenheit stärker berücksichtigt werden müssen?

Jan Tränkner, Vizepräsident des Hessischen Fechterverbands, erklärt gegenüber der OP: „Der DFB hat sich zuletzt vor allem um sei‑
ne Topathleten gekümmert. Der Anschluss nach unten war verbesserungswürdig.“ Aus Sicht von Tränkner sei es eine der Lehren der Olympia-Qualifikation, nun „die Kluft zwischen DFB und Landesverbänden beziehungsweise den Vereinen“ schließen zu müssen.

Nachwuchs sollte in Vereinen weitertrainieren können

Im Konkreten heißt das: Für talentierte Fechter soll es künftig möglich sein, trotz der Ansiedlung in einem der Förderstützpunkte – die den einzig realistischen Weg nach ganz oben bieten – weiterhin auch im Heimatverein trainieren zu können. Ein Konzept dafür ist aktuell in der Ausarbeitung.

Knapp 100 Mitglieder zählt die Fechtabteilung des VfL Marburg laut Auskunft ihres Leiters Fabian Sälzer momentan. Unter den Aktiven habe es in der Vergangenheit vereinzelt Athleten gegeben, denen der Sprung in einen der Stützpunkte nach Offenbach oder Tauberbischofsheim gelungen sei, berichtet er: „Viele überschreiten aber eine gewisse Schwelle auf dem Weg in die Spitze nicht“, ergänzt Sälzer.

Eine engere Verdrahtung von Verband und Verein wäre für die Sportler des VfL daher von Vorteil – gerade weil die Marburger in Sachen Jugendarbeit selbst sehr aktiv sind und derzeit einen Aufschwung erleben. „Die größte Ausbildungsarbeit passiert ja in den kleineren Vereinen“, betont der Abteilungsleiter.

Sälzer selbst sieht die deutschen Fechter in der Weltspitze für seinen Teil gar nicht so schlecht aufgestellt – obwohl andere Nationen wie die USA und China sportlich auf dem Vormarsch sind. Mit einer gesunden Basis sowie Konstanz in den Führungspositionen, so glaubt der Marburger, habe der Fechtsport Deutschlands gute Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft.

von Yanik Schick

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