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Lokalsport „Es ist cool, ein Teil davon zu sein“
Sport Lokalsport „Es ist cool, ein Teil davon zu sein“
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16:16 12.03.2018
Die Meistertrophäe und der Pokal für den zweiten Platz in der CEWL waren die Hingucker in der kleinen Ausstellung. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Seit 1992 spielt das Team ununterbrochen im Oberhaus – seit der Saison 1997/98 als eigens dafür gegründeter Basketball-Club. Das macht Marburg zum dienstältesten Standort in der 1. Bundesliga.
Zum Jubiläum kamen am Mittwoch rund 120 Gäste ins Congresszentrum. Mannschaft, Vorstand, Helfer, Sponsoren und Freunde hielten Rückschau auf ein Vierteljahrhundert Spitzenbasketball in Marburg. BC-Präsident Oliver Pohland sagte in seiner Begrüßung, er halte es für einen Fehler, für nationale Titel ausschließlich auf ausländische Spielerinnen zu setzen: „Wir wollen in der Bundesliga der attraktivste Verein für deutsche Spielerinnen sein.“ Und das, ohne den Breitensport und den männlichen Bereich zu vernachlässigen.

Der Hessische Staatsminister Dr. Thomas Schäfer betonte die soziale Funktion des Sports für die Gesellschaft und appellierte an die Spitzensportlerinnen, ­ihre Vorbildfunktion für die ­ihnen nacheifernden Jugendlichen zu erfüllen. Marburgs Stadträtin Kirsten Dinnebier lobte das Engagement der Ehrenamtlichen, vom Vorstand bis zu den Helfern. Dabei hob sie den BC-Ehrenpräsidenten Jürgen Hertlein hervor, der „sich in den zurückliegenden 20 Jahren auch durch missliche Lagen hindurchgekämpft“ habe.

Hier die Bildergalerie vom Liga-Spiel gegen Herne am Samstag:

Michael Rüspeler, Präsident des Hessischen Basketball-Verbandes betonte die Verdienste­ des BC um den heimischen Nachwuchs. Er sei stolz, dass von den fünf Nationalspielerinnen im Marburger Kader drei Hessinnen sind. Für Achim Barbknecht, Geschäftsführer der Bundesliga, sticht aus den 25 Jahren eines hervor: die Kontinuität. Während eines Vierteljahrhunderts habe man gerade einmal so viele Trainer gehabt, „wie mancher Fußball-Bundesligist während einer einzigen Saison“.

Eine kleine Ausstellung mit Souvenirs und Trophäen ­gaben den Besuchern Anlass, ­Erinnerungen und Anekdoten auszutauschen. Dabei kam heraus, dass die Schützin des ersten Marburger Korbes nach dem Wiederaufstieg, Cornelia Günther, die Patentante von Finja­ Schaake ist, derzeitige Topscorerin des Teams. Außerdem, dass alle Fahrten – allein für die bisher 342 Bundesliga-Auswärtsspiele – addiert rund fünf Mal um die Erde führen würden. Oder dass der Abstieg im Jahre 1994 nur durch das Tragen violetter Trikots verhindert wurde.

Die wertvollste Trophäe

Ausgestellt waren unter anderem das Hallenheft zum allerersten Spiel am 19. September 1992 sowie Original-Plakate zum „Finale“ um den Klassenerhalt am 12. März 1994 und dem Pokal-Top-Four im März 2003, bei dem der BC seinen ersten nationalen Titel holte. Mannschaftsfotos aus allen Spielzeiten waren ebenso zu sehen, wie 25 Original-Trikots – aus jeder Saison eines. Alles aus Privatbesitz von Fans.

Die Besucher konnten alle­ neun bisher gewonnenen ­Medaillen der Marburgerinnen ebenso bewundern wie den am vorigen Wochenende gewonnenen Pokal für den zweiten Platz im CEWL-Europacup. Wertvollster Teil der Ausstellung war die Trophäe für den Deutschen Meister. Die gewann der BC im Jahre 2003. Liga-Geschäftsführer Barbknecht brachte zur ­Feier das Original für ein paar Stunden mit nach Marburg.

Zu den Gästen gehörte auch Karl-Heinz Kuhn. Der 79-Jährige hatte Anfang der 70er-Jahre gemeinsam mit Hannes Kleinhenz die Marburger Basketball-Mannschaft mit ins Leben gerufen, wie er erzählte. „Als Leichtathlet war ich für die Kondition der Spielerinnen zuständig. Sie haben mich immer ,locker antraben‘ genannt, weil das mein Spruch war.“ Bis zum Schloss habe er die Mädels hoch gehetzt. Auch während der Saison nach dem Wiederaufstieg habe er geholfen, die VfLerinnen fit zu machen.

Trikots aus der ersten Saison

Marcus Hesselbarth ist laut ­eigenen Angaben zwar kein Fan und Helfer der ersten Stunde, „aber so seit gut 20 Jahren bin ich dabei“. Dafür wurde er vom BC-Präsidenten ausdrücklich gelobt. Feier und Ausstellung fand Hesselbarth „total interessant. Es kommen viele Erinnerungen hoch und ganze Gefühlswelten“. Witzig findet er: „Heute sind Spielerinnen in der Mannschaft, die damals noch gar nicht geboren waren.“

Eine davon ist Kim Winterhoff. Sie ist 22 Jahre alt und bestritt mit 16 ihr erstes Bundesliga-Spiel – für den BC. Das Basketballspielen lernte sie bei der SG Wallau/Laasphe, bevor sie zum Training nach Marburg pendelte. Für eine Schülerin kein ­unerheblicher Zeitaufwand. Die Trikots aus ihrer ersten Saison habe sie noch, die anderen alle­ verschenkt. Eins davon steuerte nun ein Fan zur Ausstellung bei. „Es ist cool, ein Teil davon zu sein. Und es ist schön, mal mit einigen Leuten zu sprechen, wozu man in der Halle manchmal nicht so die Zeit hat“, sagte die 22-Jährige.

Hans Brauer trainierte das VfL-Team bereits in der Zeit vor dem Abstieg Anfang der 80er – und dann nochmal 2004/05. Der pensionierte Lehrer sprach von einer „sehr gelungenen Veranstaltung, 25 Jahren Bundesliga würdig“. Brauer lobte das Engagement der beiden Vorstandsmitglieder Christine Hellkötter und Björn Backes über die vergangenen 14 Jahre: „Ohne sie gäb es keine Bundesliga mehr in Marburg.“

von Marcus Richter