Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Lukas Dauser zieht Bilanz
Sport Lokalsport Lukas Dauser zieht Bilanz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 30.12.2018
Lukas Dauser am Barren, seinem Paradegerät. Mit der KTV Obere Lahn wurde der 25-Jährige Anfang Dezember Deutscher Meister – künftig wird er für die TG Saar turnen. Quelle: Reinhold Becher/imago
Biedenkopf

Eine Woche Urlaub in Lissabon hat Lukas Dauser hinter sich, ließ nach einer kräftezehrenden Saison einfach mal die Seele baumeln. Weihnachten verbringt der 25-Jährige bei seiner Familie in Glonn nahe München. Vor den Feiertagen hat der (Noch-)Turner der KTV Obere Lahn im Gespräch mit der Oberhessischen Presse auf seine zwei Jahre bei der Biedenkopfer Riege und den Titelgewinn im letzten Wettkampf vor dem Bundesliga-Rückzug zurückgeblickt – aber auch vorausgeschaut …

Oberhessische Presse: Lukas Dauser. Sie haben mit der KTV Obere Lahn den Meistertitel errungen. Aber der Verein meldet seine Riege aus der Bundesliga ab. Überwiegt die Freude über den Erfolg oder das Bedauern über den Rückzug?
Lukas Dauser: Die Freude, ganz klar. Natürlich bedauere ich, dass es in Biedenkopf in der ersten Liga nicht weitergeht. Aber seit der Entscheidung ist einige Zeit vergangen, um das zu verdauen. Der Meistertitel macht den Abschied ein bisschen leichter. Man sagt ja immer: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Das passt ­irgendwie. Es war der beste ­Abschluss überhaupt.

OP:  Als Sie im Frühjahr 2017 als Zugang vorgestellt wurden, haben Sie sofort den Meistertitel als Ziel ausgegeben. Wie fest war der Glaube daran, dass sie ihn mit dieser Riege erreichen?
Dauser: Er war immer da. Es lief aber natürlich nicht immer so, wie ich es mir vorgestellt habe. Für mich lief das erste Jahr durch meinen Kreuzbandriss blöd. Bronze war eine starke Leistung, dieses Jahr wollten wir dann Gold holen. Das haben wir geschafft.

Zitat

„Der Teamspirit war immer unser Trumpf-Ass. Die ganze Mannschaft steht hinter einem, auch wenn es an einem Gerät mal nicht so gut läuft.“
Lukas Dauser

OP: Fabian Hambüchen hat seine Karriere Ende 2017 beendet, außerdem konnten Sie Anfang des Jahres nur eingeschränkt turnen. Da waren die Voraussetzungen für diese Saison doch eigentlich deutlich schlechter …
Dauser: Natürlich ist Fabi vor allem am Reck nicht zu ersetzen, da ist er der Beste der Welt gewesen (Olympiasieger 2016 in Rio de Janeiro; Anmerkung der Redaktion). Und natürlich war es ein Handicap, dass ich im Frühjahr noch keinen Sechskampf turnen konnte. Aber diese Riege bestand ja nicht nur aus Fabi und mir. Wir haben viele gute Leute. Fabs (Fabian Lotz) hat das super gemacht, wenn man sich nur die Reckübung beim Ligafinale anschaut, Thao (Hoang) und Nick (Klessing) haben abgeliefert, die anderen ebenso. Auch in anderen Mannschaften gibt es starke Turner, aber bei uns war an jedem Gerät auch die Nummer vier, fünf oder sechs noch richtig stark. Das ist bei den wenigsten so.

OP: Trotzdem gingen im Frühjahr zwei von vier Wettkämpfen verloren. Haben Sie weiterhin an eine Titelchance geglaubt?
Dauser: Ja, es war ja alles noch recht offen. Ich wusste, dass wir die restlichen drei Wettkämpfe gewinnen würden, wenn wir unsere Leistung zeigen. Am Ende hatten wir aber auch etwas Glück, dass die Siegerländer KV in Cottbus gewonnen hat und wir deshalb noch auf Platz zwei gesprungen sind. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Straubenhardter gegen Cottbus gewinnen würden. Aber die wollten im Finale nicht gegen uns turnen – nicht ohne Grund, wie man dann gesehen hat (lacht).

OP: Dennoch galt Straubenhardt im Finale als Favorit. Was war ausschlaggebend, dass Sie und Ihr Team gewonnen haben?
Dauser: Wenn man die Turnpunkte über die ganze Saison zusammenzählt, waren wir insgesamt besser als Straubenhardt. Wir wussten daher, dass wir gewinnen können. Daran haben wir immer geglaubt, auch als wir zwischenzeitlich mit einigen Scorepunkten zurückgelegen haben (4:16 nach dem Boden und drei von vier Duellen am Pferd). Unsere große Stärke ist gewesen, dass wir eine echte Mannschaft waren, auch wenn jeder für sich turnen muss. Der Teamspirit war immer unser Trumpf-Ass. Die ganze Mannschaft steht hinter einem, auch wenn es an einem Gerät mal nicht so gut läuft. Da wird man schnell wieder aufgebaut.

Bundesliga-Rückzug als Meister

Sieben Jahre lang war die Kunstturnvereinigung Obere Lahn in der höchsten Turnliga aktiv, 2017 und 2018 mit Lukas Dauser. Der Bayer, der in Berlin lebt, wechselte seinerzeit vom damals amtierenden Meister Straubenhardt nach Biedenkopf. In der Saison 2017 verpasste der EM-Zweite am Barren jedoch aufgrund eines Kreuzbandrisses, den er sich im Juni bei den Deutschen Meisterschaften zugezogen hatte, einen großen Teil der Wettkämpfe inklusive des Ligafinales, bei dem die KTV – zum letzten Mal mit Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen – Bronze gewann, auch Anfang 2018 war Dauser deshalb noch gehandicapt, erst in den Herbstwettkämpfen turnte der 25-Jährige wieder an allen sechs Geräten.

Im Spätsommer dieses Jahres verkündete der Verein den Rückzug der ersten Mannschaft aus organisatorischen Gründen. Begründung: Der Fokus soll verstärkt auf den eigenen Nachwuchs gelegt werden. Durch den Aufstieg der zweiten Mannschaft, in der einige junge Turner aus der Region aktiv sind, wird der amtierende Deutsche Meister, der sich den Titel Anfang Dezember beim Ligafinale in Ludwigsburg durch einen 36:34-Sieg über die KTV Straubenhardt sicherte, in der kommenden Saison mit einer Riege in der 2. Bundesliga starten.

OP: Sie bleiben der Bundesliga erhalten. Was hat den Ausschlag für die TG Saar gegeben?
Dauser: Es kamen einige Angebote. Letztlich gab es zwei Gründe: Ich wollte weiter um den Titel turnen, die Aussichten mit der TG sind sehr gut, die Riege ist stark. Und ich kenne einige der Saar-Turner von Wettkämpfen, verstehe mich sehr gut mit ihnen. Mit Felix Remuta bin ich zusammen in Unterhaching aufgewachsen, ihn kenne ich schon ewig. Das ist eine coole Truppe. Ich denke, da passe ich gut rein.

OP: Im Oktober 2019 finden die Weltmeisterschaften in Stuttgart statt, 2020 dann die Olympischen Spiele in Tokio. Was haben Sie sich dafür vorgenommen?
Dauser: Erst mal ist alles auf die WM ausgerichtet. Sie im eigenen Land zu haben, das ist ein Höhepunkt für alle deutschen Turner. Unser primäres Ziel ist, uns als Mannschaft für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, dafür müssen wir unter die besten Zwölf kommen. Ich persönlich will wieder das Barren-Finale erreichen, dann aber eine bessere Übung turnen als dieses Jahr und besser abschneiden (Platz acht bei der WM in Doha Anfang November). Dafür werde ich den Ausgangswert um vier Zehntel erhöhen, indem ich ein weiteres anspruchsvolles Element einbaue. Dann bin ich in einer Region, in der auf der Welt sonst nur Zou Jingyuan und Oleg Verniaiev turnen. Ich muss eine Übung zusammenbauen, die dann auch sauber aussieht – das ist mein Ziel. Wofür es dann reicht, wird sich zeigen.

von Stefan Weisbrod