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Lucas Schäfer rudert in Rio

Olympia Lucas Schäfer rudert in Rio

Lucas Schäfers Traum geht in Erfüllung. Der Ruderer aus Gisselberg fährt zu den Olympischen Spielen – und das schon vier Jahre früher als erhofft.

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Der Gisselberger Ruderer Lucas Schäfer (hinten links) hat sich für die Olympischen Spiele in diesem Sommer qualifiziert.

Quelle: Privatfoto

Luzern. Es war die letzte Chance, um nach Rio zu kommen. Elf Boote gingen am Dienstag auf dem Luzerner Rotsee ins Rennen, um zwei noch zu vergebende Tickets für die Sommerspiele in der brasilianischen Metropole zu ergattern. Und es war spannend bis zum Schluss. „Erst ganz kurz vor dem Ziel, etwa 100 Meter, habe ich gewusst, dass es klappt“, sagte Lucas Schäfer nach dem Rennen und vor dem spätabendlichen Bankett. „Da waren wir noch im vollen Endspurt.“
Sechs Boote hatten sich für den Endlauf qualifiziert, vier davon lagen aussichtsreich im Rennen. Die Spanier waren dabei, die das Quartett des Deutschen Ruderverbandes (DRV) ohnehin als stärksten Konkurrenten auf der Rechnung hatte. Außerdem die Griechen und die Russen, die sich in dieser Saison abseits aller Weltcup-Regatten gezielt auf das Ausscheidungsrennen in Luzern vorbereitet hatten.
„Die Russen kamen mega-rangeflogen“
„Es war gut, dass wir die Russen links neben uns hatten und die Griechen rechts neben uns“, sagte Schäfer, der die Stärke dieser Kontrahenten im Vorfeld nicht richtig einschätzen konnte. „Dahinter standen Fragezeichen, also haben wir uns an denen orientiert“, erklärte der 21-Jährige.
Drei Viertel des Rennens bestimmte Griechenland das Tempo. Deutschland lag eine Sekunde zurück, dahinter in Schlagdistanz Russland und Spanien. Auf den letzten 500 Metern starteten die Russen dann ihren Angriff. „Sie kamen mega-rangeflogen“, beschrieb Schäfer die entscheidende Phase des Rennens. „Wir waren schon nicht langsam, aber die waren noch schneller. Ich habe gedacht, wir müssen vor den Russen bleiben.“
Das gelang ihm mit seinen Kollegen Jonathan Koch, Tobias Franzmann und Lars Wichert allerdings nicht. Doch die Griechen mussten ihrem hohen Anfangstempo Tribut zollen und auch die Spanier mussten abreißen lassen. Platz zwei knapp hinter Russland und mit etwa zwei Sekunden Vorsprung vor Griechenland genügte, um sich das letzte Ticket für Rio de Janeiro zu sichern.
„Gott sei dank! Oh Mann, war das knapp“, entfuhr es Martin Strohmenger, der das nervenaufreibende Rennen zusammen mit Björn Gemmer, dem Leiter des Landschulheims Steinmühle, live im Internet verfolgt hatte. Strohmenger war der erste Trainer Schäfers, der bei Rudern und Sport (RuS) Steinmühle in der sechsten Klasse den Grundstein für seine baldige Olympiateilnahme legte.
Trainer Strohmenger verdrückt Freudentränen
Unmittelbar nach dem Rennen verabschiedete sich Strohmenger, der die eine oder andere Freudenträne verdrückte, schon wieder von Gemmer. Mit der Bemerkung, am Bootssteg würden schon die nächsten Olympiaanwärter auf ihre Trainingseinheit warten.
„Die Steinmühle hat an dem Erfolg einen großen Anteil“, wusste Lucas Schäfer, bei wem er sich zu bedanken hatte. Der Verein sei „das Rückgrat“ für ihn, „die managen ganz viel für mich, ohne die geht es nicht“.
Umgekehrt weiß Schulleiter Björn Gemmer aber auch: „Lucas ist unser absolutes Aushängeschild, er hat ja erst vor zwei Jahren hier Abitur gemacht. Er trainiert auch noch bei uns und ist ein Vorbild für alle aktiven Ruderer.“
Für Lucas Schäfer erfüllt sich ein Traum. Der Student der Ökotrophologie (Ernährungswissenschaften) hatte zwar mit den Olympischen Spielen geliebäugelt. Eigentlich war das Ziel aber erst Tokio 2020. Jetzt fährt er im August nach Rio. „Ich war mega-aufgeregt vor dem Rennen“, sagte er Dienstagabend. Auf dem Rückweg zum Hotel habe er erst angefangen, darüber nachzudenken. Und nein: „So richtig realisiert habe ich es noch nicht.“

von Holger Schmidt

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