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Lehnerz verklagt den Hessischen Fußball-Verband

Fußball, Hessenliga Lehnerz verklagt den Hessischen Fußball-Verband

Im Sportrechtsstreit zieht Hessenligist TSV Lehnerz alle Register, um sich die an Eintracht Stadtallendorf verlorenen Punkte zurückzuholen und reicht eine Klage gegen den Hessischen Fußball-Verband (HFV) ein.

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Der unberechtigte Einsatz von Sebastian Bartel (rechts, gegen Del-Angelo Williams) kostete Lehnerz drei Punkte

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Wir haben die Urteilsbegründung erhalten. Aus unserer Sicht hat das Verbandsgericht an der Satzung vorbeigeurteilt. Das kann nicht sein. Spielordnung und Satzung sind dazu da, um sich daran zu halten“, begründet der Lehnerzer Finanzvorstand Martin Geisendörfer den Gang vor ein ordentliches Gericht.

„In naher Zukunft“ wollen die Osthessen Klage gegen den HFV einreichen. Gerichtsstand ist „wahrscheinlich Frankfurt“, so Geisendörfer, den Vergleichsurteile aus Baden-Württemberg zuversichtlich stimmen.

„Es ist das gute Recht eines Vereins, gerichtlich gegen ein Urteil vorzugehen. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, will ich zu den Erfolgsaussichten nichts sagen“, sagt Torsten Becker, HFV-Vizepräsident für Recht und Satzung. Da Verbände und deren Organe in ihren Entscheidungen autonom handelten, bestehe mit einer derartigen Klage zum Beispiel dann Aussicht auf Erfolg, wenn etwa Verstöße gegen die Verfahrensvorschriften vorlägen.

„Ich sehe der Sache aber gelassen entgegen“, schlägt Becker in dieselbe Kerbe wie Albert Lembach, 2. Vorsitzender der Eintracht-Fußballer, denen in zweiter Instanz die drei Punkte zugesprochen wurden: „Wir können uns nicht vorstellen, dass sich in dieser Angelegenheit noch etwas ändert. Der Vorsitzende des Verbandsgerichts (Hans-Konrad Neuroth, Anm. d. Red.) ist schließlich Anwalt.“

Fall sorgt für Verunsicherung

Die verlorenen Punkte könnte das ordentliche Gericht dem Klub aus dem Fuldaer Stadtteil ohnehin nicht zusprechen. Es würde den Fall lediglich an das Verbandsgericht zu einer neuerlichen Überprüfung zurückgeben. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass sich ein Verein gerichtlich gegen den HFV zur Wehr setzt.

„Das kommt zwar nicht oft vor“, räumt HFV-Geschäftsführer Gerhard Hilgers auf OP-Anfrage ein, „in den vergangenen Jahren ist es aber immer mal wieder passiert, dass Vereine mit Entscheidungen des Verbandes nicht zufrieden waren und deshalb geklagt haben. Bei den Lizenzierungsverfahren für die Hessenliga kam dies vor, weil sie nicht zugelassen wurden.“

Bei einigen Amateurfußballern hat der Fall TSV Lehnerz schon für etwas Verunsicherung gesorgt, wie Verbandsfußballwart und Hessenliga-Klassenleiter Jürgen Radeck berichtet: „Kürzlich erhielt ich einen Anruf eines Vertreters von Rot-Weiß Hadamar, der den elektronischen Spielbericht vor dem Spiel schon freigegeben hatte. Da der darin aufgeführte Torwart aber kurzfristig zu seiner Frau in den Kreißsaal musste, fragte man mich, ob ein nachträglicher Spielerwechsel noch möglich sei. Selbstverständlich ist das möglich. Kurzfristige Wechsel dieser Art kamen und kommen jedes Wochenende vor.“

Doch gerade weil das Prozedere der elektronischen Spielberichte laut Radeck „hundertprozentig funktioniert“, sieht der Ortenberger „auf keinen Fall“ Handlungsbedarf hinsichtlich weiterer beziehungsweise zu konkretisierender Rechtsbestimmungen. Gelegenheit dazu bestünde am 4. Juni kommenden Jahres beim Verbandstag des HFV.

„Es gibt einen allgemein verbindlichen Teil in der Spielordnung, in dem das geregelt ist. Hier handelt es sich um einen Einzelfall. Denkbar wäre, den Ausführungsbestimmungen noch mal eine Klarstellung anzuhängen“, fügt der Verbandsfußballwart an.

von Marcello Di Cicco

 
Hintergrund: Fall Lehnerz

Am 5. September gewann der TSV Lehnerz seine Hessenliga-Partie mit 3:0 beim TSV Eintracht Stadtallendorf. In Sebastian Bartel stand dabei von Beginn an ein Spieler auf dem Platz, der nicht auf dem Spielbericht der Gäste aufgeführt und dessen Einsatz vor der Begegnung weder Schiedsrichter noch Gegner angekündigt worden war.

Die Eintracht sah darin einen Verstoß gegen die allgemeinen Durchführungsbestimmungen der Hessenliga und gegen Bestimmungen in einem Schiedsrichter-Merkblatt, wonach die im Spielbericht auf den ersten elf Positionen aufgeführten Spieler zwingend in der Startelf spielen müssen.

Die Eintracht forderte deshalb vor dem Sportgericht der Verbandsligen den Spielverlust des TSV Lehnerz, der von der Kammer aber nur zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Anfang November kippte das HFV-Verbandsgericht das erstinstanzliche Urteil und wertete die Partie mit 3:0 Toren und 3 Punkten für Eintracht Stadtallendorf.

 
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In zweiter Instanz wurde das Hessenliga-Spiel TSV Eintracht Stadtallendorf - TSV Lehnerz mit drei Punkten und 3:0 Toren für die Eintracht gewertet. Der Grund: ein formaler Fehler im Spielbericht der Gäste.

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