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Lokalsport Für Dauser und Co. ist alles drin
Sport Lokalsport Für Dauser und Co. ist alles drin
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00:17 13.11.2018
Lukas Dauser in Doha bei einer Übung an den Ringen. Bei den Weltmeisterschaften landete er im Mehrkampf auf Platz 24, am Samstag ist er wieder für die KTV Obere Lahn im Einsatz. Quelle: Ulrik Pedersen
Biedenkopf

„Wenn wir die Möglichkeit bekommen“, sagt Albert Wiemers, „wollen wir sie natürlich auch nutzen.“ Der Teamchef der KTV Obere Lahn meint damit die Chance, im letzten Bundesliga-Jahr noch einmal – zum zweiten Mal nach 2013 (30:38 gegen den TV Wetzgau) – im „großen Finale“ der Kunstturn-Bundesliga anzutreten.

Zwei Siege braucht die Riege um die deutschen WM-Starter Lukas Dauser und Nick Klessing dafür aus den verbleibenden Wettkämpfen morgen (17 Uhr) in Kreuztal bei der Siegerländer KV und am nächsten Samstag (18 Uhr) im zumindest vorerst letzten Erstliga-Heimwettkampf in der Lahntalhalle gegen KTT Heilbronn – dazu dürfte der SC Cottbus nur noch maximal zwei von vier möglichen Siegpunkten holen.

SC Cottbus ist im Vorteil

Die Lausitzer, gegen die die Hinterländer im September mit 49:26 gewannen, müssen morgen bei Titelverteidiger und Tabellenführer KTV Straubenhardt ran. Leistet das ehemalige Team von Dauser, mit dem der Top-Mehrkämpfer 2015 und 2016 den Titel gewann, Schützenhilfe? Der 25-Jährige ist eher skeptisch, erwartet eine Niederlage der Turner seiner ehemaligen Riege.

„Sie sind schon so gut wie durch und werden wohl mit einem B-Team ohne Ausländer antreten“, meint Dauser. Stattdessen setzt er auf die SKV, gegen die die Mannschaft aus Cottbus nächste Woche ran muss.

Er rechnet im Gespräch mit der OP vor: „Wenn wir bei den Siegerländern gewinnen, dann brauchen sie wahrscheinlich am letzten Wettkampftag einen Sieg, um Platz vier zu erreichen und um Bronze turnen zu dürfen.

Dann werden sie gegen Cottbus alles geben“ – und, so hofft er, gewinnen. Dass sich die Hinterländer Kunstturnvereinigung nach sieben Jahren aus organisatorischen Gründen aus der Bundesliga zurückzieht (die OP berichtete ausführlich), bedauert Dauser sehr.

Er habe überlegt, ob er – auch mit Blick auf die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr in Stuttgart – überhaupt weiter in der Bundesliga turnen soll. „Aber es macht mir großen Spaß, außerdem spielt auch das Finanzielle eine Rolle“, erzählt er. Für welchen Verein er künftig antreten wird, lässt er offen: „Es gibt eine Tendenz, aber unterschrieben ist noch nichts.“

Sein Fokus liegt nach den Weltmeisterschaften in Doha, bei denen sich seine Hoffnungen als Achter am Barren, mit Platz 24 im Mehrkampf sowie Rang zehn mit der deutschen Mannschaft nicht vollends erfüllten, nun aber zunächst auf den bevorstehenden Wettkämpfen mit der Obere-Lahn-Riege.

Am 1. Dezember beim Ligafinale in Ludwigsburg um Gold turnen zu dürfen, „wäre natürlich ein toller Abschluss mit der KTV“, sagt Dauser. Zum Ende der Hauptrunde gegen Schlusslicht Heilbronn sei ein Sieg „absolute Pflicht“, morgen bei der SKV „sehe ich uns vorn, wenn wir unsere Leistung abrufen“.

SKV am Boden sehr stark

Philipp Wiemers ist ähnlicher Meinung: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Unterm Strich sehe ich uns stärker“, sagt der KTV-Vorsitzende, der die Riege diesmal betreuen und für die Taktik verantwortlich sein wird. Die derzeit punktgleichen Gastgeber schätzt er am Boden, dem ersten der sechs Geräte, am stärksten ein: „Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht direkt einem deutlichen Rückstand hinterherlaufen.“

Am folgenden Seitpferd sowie am Sprung, dem vierten Gerät, sieht er beide Mannschaften auf ähnlichem Niveau, „ansonsten sind wir stärker“, ist der 32-Jährige überzeugt. Unabhängig vom Cottbuser Abschneiden wäre mit einem Sieg morgen mindestens die Qualifikation für das „kleine Finale“ so gut wie sicher.

Bekanntester Athlet der SKV, die selbst noch Chancen auf den zweiten Tabellenplatz hat, ist Nationalturner Philipp Herder, noch stärker ist nach Meinung von Philipp Wiemers‘ der Kubaner Manrique Larduet einzuschätzen: „Er kann einen Sechskampf auf hohem Niveau absolvieren.“ Denkbar ist aber auch, dass der Slowake Saso Bertoncelj an seinem Paradegerät, dem Seitpferd, die Ausländerposition einnimmt; der Brite Courtney Tulloch steht ebenfalls auf der Meldeliste, er ist an den Ringen am stärksten.

Voraussichtlich wird die KTV personell vollständig antreten – jedenfalls was die Aktiven angeht: Albert und Felix Wiemers werden morgen wahrscheinlich nicht in Kreuztal, sondern in Karlsruhe sein; dort gastiert die Biedenkopfer Drittliga-Riege. Sohn Felix ist als Turner eingeplant, Albert als Kampfrichter. „In diesem Bereich haben wir derzeit leider einen Engpass“, erklärt der Vater.

von Stefan Weisbrod