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Kombination der Kulturen

Fußball-Trainingscamp Kombination der Kulturen

Fußball in Japan und Fußball in Deutschland sind zwei verschiedene paar Schuhe, findet Mitsuhiro Haneda. Der ausgebildete Trainer vereinte in Marburg die beiden Fußballwelten miteinander.

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Mitsuhiro Haneda (8. von rechts) leitete mit vier japanischen Landsleuten ein Trainingscamp bei den Sportfreunden Blau-Gelb Marburg. Foto: Yanik Schick

Marburg. Der Ausgang der Weltmeisterschaft hat Mitsuhiro Haneda nicht überrascht. Deutschland gewinnt den Titel, sein Heimatland Japan scheidet schon nach der Gruppenphase aus. In den entscheidenden Spielen fehle seinen Landsleuten die starke Mentalität, der Wille, aber auch die Nervenstärke, meint der 25-Jährige. Topspieler seien deswegen häufig nicht in der Lage, ihre Qualitäten abzurufen. Ein großer Vorteil der Deutschen. Die seien insgesamt einfach lockerer.

Umgekehrt - und das betont Haneda besonders - könne man sich hierzulande auch einiges aus Fernost abschauen. Technik und Schnelligkeit zum Beispiel. Disziplin gehört auch dazu: Vor allem Pünktlichkeit und Trainingsfleiß seien Tugenden, die im Land der aufgehenden Sonne mit großer Sorgfalt praktiziert werden.

Der C-Lizenz-Trainer will Elemente beider Kulturen kombinieren. „Der Fußball braucht beides: Spaß und Disziplin“, sagt Haneda. Und genau das versuchte er 15 C-Jugend-Spielern der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg während eines Trainingscamps zu vermitteln. Dem Fachmann standen vier weitere Japaner im Trainerteam zur Seite, die allesamt erfolgreich in Deutschland Fußball spielen. Darunter auch Manato Ikari, Mittelfeldmann der Marburger in der Gruppenliga. „Wichtig ist uns der Austausch zwischen Deutschen und Japanern, da treffen auch ganz unterschiedliche Charaktere aufeinander“, so Haneda.

Für ihn persönlich habe es große Bedeutung gehabt, den Sportfreunden „Dankbarkeit zu zeigen“. Anfang 2012 war der 25-Jährige nach Deutschland gekommen, um die Sprache zu lernen und die Trainerlizenz zu erwerben. In Japan, wo Haneda inzwischen als hauptamtlicher Coach arbeitet, sei der deutsche Schein viel angesehener, berichtet er.

Eineinhalb Jahre spielte der sympathische Haneda für die Marburger und hinterließ bleibenden Eindruck. „Mitsuhiro war der erste Japaner, der jemals für uns gespielt hat. Er kennt noch viele der Jungs aus seiner Zeit in Marburg und er hat die Idee mit dem Camp gehabt“, sagt Thomas Koch, stellvertretender Jugendleiter der Blau-Gelben. Die Pläne des früheren Kapitäns der japanischen U-21-Nationalmannschaft habe der Verein allzu gerne unterstützt.

Und das erste echte japanische Trainingscamp am Zwetschenweg - es gefiel auch dem Initiator selbst. Dennoch möchte Haneda in den kommenden Jahren noch viel mehr Austausch zwischen deutschen und japanischen Kickern schaffen.

So denkt er für den Sommer bereits an eine Neuauflage - vielleicht sind dann auch einige Spieler dabei, die Haneda in seiner Heimat trainiert. „Ich hoffe, dass deutsche Kinder irgendwann einmal nach Japan zum Fußballspielen kommen. Das ist mein Traum“, sagt der 25-Jährige.

von Yanik Schick

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