Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
"Kleine Revolution" im Handball

Regeländerungen "Kleine Revolution" im Handball

Die Sommerpause ist zu Ende, an diesem Wochenende geht es in den regionalen Handball-Ligen wieder los. Neue Regeln, die schon bei Olympia eine Rolle spielten, greifen nun auch auf Bezirksebene - zumindest die meisten.

Voriger Artikel
Kirchhainer Sportler starten in Berlin
Nächster Artikel
Eintracht ist gnädig mit Seligenstadt

An diesem Wochenende beginnt für viele Teams – etwa den TSV Kirchhain um Pascal Oswald – die neue Handball-Saison. Die Spieler müssen sich auf einige neue Regeln einstellen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Als „kleine Revolution“ bezeichnen einige Experten die Veränderungen im Handball-Regelwerk, die bereits bei den Olympischen Spielen zu beobachten waren. Am offensichtlichsten: Ein zusätzlicher Feldspieler muss nun kein Leibchen mehr tragen. Das klingt nach einer Formalie, hat aber Folgen aufs Spiel. Ebenso wie manch andere Neuerung.

Die Mannschaften haben sich in der Vorbereitung mit den Veränderungen beschäftigt, die Schiedsrichter auch: Seit August laufen im Bezirk Gießen Schulungen für die Unparteiischen, teilt Harald Späth, Bezirksschiedsrichterwart aus Leihgestern bei Gießen, auf OP-Anfrage mit. Er selbst findet viele Änderungen „gut und sinnvoll“ - nämlich die, die „mehr Klarheit bringen“. Zugleich mahnt er aber, dass der Sport an anderen Stellen für Aktive und Schiedsrichter nicht zu kompliziert gemacht werden sollte: „Wir betreiben hier auf Bezirksebene Freizeitsport, das sollte nicht außer Acht gelassen werden.“ Ein Überblick:

Zusätzlicher Feldspieler ohne Leibchen: Schon nach dem alten Regelwerk durften Mannschaften einen zusätzlichen Feldspieler bringen, um durch einen siebten Mann eine Überzahl oder während einer Zeitstrafe ein gleiches Kräfteverhältnis zu erzeugen. Neu ist eine Kleinigkeit, aber die - so meinen zumindest manche Experten - hat sehr starken Einfluss auf das Spiel. Bisher musste ein zusätzlicher Feldspieler, der für einen Torwart ins Spiel kam, ein Leibchen tragen, war formal also auch Torhüter. Eben dieser Spieler musste auch wieder ausgewechselt werden, um den eigentlichen Keeper wieder ins Spiel zurückzubringen. Nun ist keine Kennzeichnung mehr nötig; jeder Spieler kann damit für einen Torhüter aus dem Spiel genommen werden.

Die Neuerung bietet zusätzliche taktische Möglichkeiten: Beim Angriff muss nicht mehr darauf geachtet werden, dass der jeweils gekennzeichnete Akteur möglichst in der Nähe der Ersatzbank bleibt, um schnell zurückwechseln zu können. Nachteil: Wenn der zusätzliche Spieler nicht mit einem Leibchen gekennzeichnet ist, darf er bei einem Gegenstoß auch nicht in den eigenen Kreis laufen und wie ein Torwart den Wurf eines Gegners abwehren.

Jan Lücker, Trainer von Bezirksoberliga-Aufsteiger TSV Kirchhain, hat sich mit dem möglichen Überzahlspiel befasst, hätte auch „gern im Training daran gearbeitet“, erklärt er. „Leider war die Beteiligung dafür zu gering.“ Denn: „Das ist eine komplexe Angelegenheit, das muss intensiv trainiert werden und bei allen sitzen, sonst fängt man sich schnell Gegentore ein.“ Eher vorstellbar sei zunächst, in Unterzahlsituationen einen sechsten Feldspieler zu bringen, um dann einen normalen Spielzug vorzutragen. Auf der anderen Seite hat die Mannschaft in Testspielen erste Erfahrungen gesammelt, wie es ist, gegen ein Team mit sieben Feldspielern zu verteidigen. „Die Spieler müssen dann der Versuchung widerstehen, nach Ballgewinnen immer direkt aufs leere Tor werfen zu wollen“, meint Lücker, „denn aus der Bedrängnis sind weniger als 50 Prozent der Würfe drin.“

Passives Spiel: Durch diese Regel kommt auf die Schiedsrichter zusätzliche Arbeit zu - sie müssen im laufenden Spiel mitzählen: Zeigen sie passives Spiel an, indem sie den Arm heben, hat die angreifende Mannschaft nur noch sechs Pässe, ehe sie zum Abschluss kommen muss. „Die Sache ist damit für alle klarer“, sagt Späth. Bislang lag es im Ermessen des Referees, wann er nach entsprechender Anzeige einen nicht abgeschlossenen Angriff abpfeift. Kirchhains Coach Lücker glaubt, dass es durch die neue Regel mehr als bisher auf die Kommunikation ankommt, denn: „Nicht jeder Spieler bekommt immer sofort mit, wenn der Arm gehoben wird.“

Besonderheiten der letzten halben Spielminute: Eine Spielverzögerung - etwa, wenn die schnelle Ausführung eines Freiwurfs verhindert wird - oder ein grober Regelverstoß führen in den letzten 30 Sekunden eines Spiels für den verteidigenden Spieler zu einer Roten Karte, zudem bekommt das angreifende Team einen Siebenmeter. „Ich hoffe, dass diese Regel für mehr Fairplay sorgt“, sagt Späth. Lücker widerspricht nicht, ergänzt aber: „Ich hoffe, dass solche Situationen nicht zu häufig spielentscheidend sind.“ Seinen Spielern habe er mitgegeben, dass sie in den letzten 30 Spielsekunden eher zurückhaltend agieren sollen. In der Bundesliga wurde die Regel bereits in der vergangenen Spielzeit angewandt - die Erfahrungen sind positiv.

Blaue Karte: Es geht um eine Formalität: Zeigt ein Schiedsrichter einem Spieler die Rote Karte, informierte er bislang nur am Zeitnehmertisch und jeweils einen Offiziellen der Mannschaften, ob der Platzverweis mit einer Sperre verbunden ist. Künftig zeigt der Referee zusätzlich die Blaue Karte. „Dadurch ist für alle sofort ersichtlich, dass es eine Sperre gibt“, sagt Späth und freut sich über zusätzliche Transparenz.

Pause nach Behandlung: Ein Spieler, der sich auf dem Spielfeld wegen einer Blessur behandeln lässt, soll mindestens für drei Angriffe nicht wieder ins Spiel kommen dürfen, außer es gibt eine Karte oder Zwei-Minuten-Strafe gegen den Foulenden - so will es der Weltverband IHF. Doch diese Regeländerung wird in den Hallen der Region zunächst nicht umgesetzt. Der Deutsche Handball-Bund (DHB) hat sie außer Kraft gesetzt, der IHF gefällt das gar nicht - Ausgang der Auseinandersetzung offen. Späth hofft, dass diese Regelung auch in Zukunft nicht kommt, nennt dafür einen Grund: „Die Sekretäre hätten dadurch eine zusätzliche Belastung.“ Sie wären es, die darauf achten müssen, dass ein entsprechender Spieler nicht zu früh wieder aufs Feld kommt.

Überhaupt ist die Regel umstritten. Eigentlich, so der Sinn, soll sie Verzögerungen durch simulierte Verletzungen vereiteln. Doch auch Spieler, die sich leicht verletzen und etwa durch einen Zusammenprall mit einem Gegner kurz benommen sind, werden dadurch ausgebremst.

Einsatz von Harz: Aktuell gibt es in diesem Bereich keine Änderung - aber es wird darüber diskutiert: Soll der Einsatz von Harz, durch das der Ball an der Hand klebt und dadurch besser kontrollierbar ist, grundsätzlich verboten werden? IHF-Präsident Hassan Moustafa will es so, rechnet nach einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ mit einer Umsetzung schon im Jahr 2017. Die Handballerinnen und Handballer in den heimischen Teams brauchen sich damit allerdings nicht zu befassen: Harz darf in Deutschland in unteren Klassen ohnehin nicht eingesetzt werden.

von Stefan Weisbrod

Voriger Artikel
Nächster Artikel
../dpa-ServiceLine-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-170707-99-155169_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Wie werde ich Sounddesigner/in?