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"Kinder wollen immer mit Kontakt spielen"

Rugby-Jugendspieltag in Marburg "Kinder wollen immer mit Kontakt spielen"

Hochbetrieb herrschte am Wochenende auf den Afföllerwiesen, wo der Nachwuchs von sieben Rugby-Klubs spielte. Die große Resonanz steht exemplarisch für den Aufwärtstrend bei der Rugby-Union Marburg (RUM).

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Hier geht‘s richtig zur Sache! Die neunjährige Jule (Mitte) von der U-10-Mannschaft der Marburger Rugby-Tiger wird im Spiel gegen den SC Frankfurt 1880 getackelt. Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Weiter, weiter! Tackeln! Helft ihm!“ Wenn es für den Nachwuchs der Rugby-Union Marburg auf dem Spielfeld zur Sache geht, fällt es auch Matthias Bingel sichtlich schwer, nicht emotional mit den Jüngsten des Vereins mitzufiebern. Immer wieder geht sein Blick erwartungsvoll in Richtung des Spielgeschehens: Kommt der Angriff durch? Wann wird der Gegner gestoppt? Hoffen, bangen, zittern.

Für den Vorsitzenden der RUM und deren Jugendwart Matthias Koch steht nicht nur der Nachwuchs auf dem Platz, sondern vielmehr die Hoffnung auf eine rosige Zukunft. Was den Jugendbereich betrifft, ist die Gegenwart bereits vielversprechend.

Rugy Marburg RC Worms U8 . Bildmitte Marburg Tyler (8) : Foto / Michael Hoffsteter

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„Derzeit haben wir allein in den Altersklassen U8 und U10 25 Kinder, die bei uns spielen. Zählt man die U12, U14 und U16 dazu, sind es etwa 40“, erzählt Bingel, der seit 16 Jahren dem Verein angehört. Jugendarbeit habe man immer gemacht, so groß wie derzeit sei der Zuspruch - insbesondere im Bereich der jüngeren Altersklassen - aber noch nie gewesen.

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis, ein so großes Interesse an einer Sportart zu wecken, der Matthias Koch hierzulande ein „Exotendasein“ attestiert und die bei den Olympischen Spielen in Rio erstmals seit 1924 wieder olympisch ist? Es gibt mehrere, glaubt man beim RUM. „Zunächst einmal treten wir an Kindergärten und Schulen heran und stellen uns vor. Wichtig ist es, die Sportart möglichst früh an die Kinder heranzubringen“, schildert Koch seine Erfahrungen.

Spiele mit und ohne Körperkontakt

Gerade oberhalb der Altersklasse U10 sei es „kaum noch möglich“ (Koch), Kinder und Jugendliche für den Einstieg ins Rugby zu gewinnen - allein aus Zeitgründen aufgrund schulischer Verpflichtungen.

„Im Weiteren bieten wir einmal jährlich ein großes Schnuppertraining an. Wir überlegen derzeit, es auf zweimal auszuweiten“, verrät Koch. Und noch ein dritter Schritt sei ganz entscheidend, um junge Spieler an den Verein zu binden. „Wir probieren auch, deren Eltern an uns zu binden“, sagt Bingel. Durch deren Unterstützung bei der Ausrichtung eines Caterings beim Marburger Nachtmarathon sei es nun unter anderem möglich geworden, alle Jugendteams für die kommende Saison mit neuen Trikots auszustatten.

Erfolge in Form hervorgebrachter Topspieler hat die Rugby-Union bereits vorzuweisen: So spielte Jenny Naruhn für die deutsche Nationalmannschaft, in Milan Sabo hat ein österreichischer Nationalspieler seine ersten Schritte an der Lahn gemacht - und Bingels Sohn Jonas wurde im Mai Deutscher U-18-Meister mit dem SC Frankfurt 1880, dem Rugby-Schwergewicht Deutschlands auf Jugendebene.

„Langfristig wollen wir den Sport hier etablieren, ihn ins öffentliche Bewusstsein rücken“, sagt Koch. Dafür sei der Nachwuchs entscheidend, denn der RUM-Seniorenbereich besteht zu einem Großteil aus Studierenden, die Fluktuation ist dementsprechend groß.

Verletzungsrate hält sich in Grenzen

Bedenken, so Bingel, brauchten auch Neulinge bei der Wahl für den Rugby-Sport nicht zu haben, denn: „Die Verletzungsrate hält sich wirklich in Grenzen“, sagt der Vorsitzende. Generell werde bei den Jüngeren zu Beginn ohne Körperkontakt gespielt. Und auch bei Turnieren sei es anfangs üblich, die sogenannte Tag-Variante zu spielen. Dabei werden - wie beim Flag-Football - Streifen an den Hüften befestigt, die es abzuziehen gilt, um den Gegner (nahezu) kontaktlos zu stoppen.

Generell stimmen sich die Teams aber ab, ob mit Körperkontakt gespielt werden soll, oder nicht. Doch die Erfahrung zeigt: „Unsere Kinder wollen immer mit Kontakt spielen“, berichtet Bingel, der mit seinen Vereinskollegen auf eine erfolgreiche Runde zurückblickt.

Sowohl beim großen Turnier auf den Afföllerwiesen, an dem am Wochenende mehr als 200 Sportler der Altersklassen U8 bis U16 aus Marburg, Frankfurt, Hausen, Krofdorf, Heusenstamm, Götzenhain und Worms teilnahmen, als auch zum Rundenabschluss belegte die Marburger U8 den vierten Platz, die U10 wurde jeweils Fünfter.

„Es war eine rundum gelungene Veranstaltung“, bilanzierte Bingel, für den solche Events etwas von einem großen Familientreffen haben. Denn ein Großteil der Spieler und Eltern übernachtete mit Zelten nur einen Steinwurf vom RUM-Platz entfernt.

von Marcello Di Cicco

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