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Kids aus zwei Nationen in einem Camp

Japanisches Fußball-Camp Kids aus zwei Nationen in einem Camp

Auf dem Sportgelände der Sportfreunde Blau-Gelb Marburg fand in der vergangenen Woche ein "japanisches Fußball-Trainingscamp" statt.

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Auf dem Kunstrasenplatz am Zwetschenweg trainierte der Nachwuchs mit Mitsuhiro Haneda (hinten rechts) und Iori Shintani (Mitte, 2. von links).

Quelle: Michael Seehusen

Marburg. 15 japanische und 25 Marburger Kinder erweiterten unter Anleitung japanischer Fußballtrainer ihre Fertigkeiten und den Spaß am Fußballsport. Marburg-Nagasaki“ stand auf der Rückseite der eigens für das Camp angefertigten Trikots. Berührungsängste zwischen den Kindern im Alter von zehn bis zwölf Jahren gab es nicht, schnell und wie selbstverständlich wurden in den Trainingseinheiten „gemischte“ Teams verabredet.

Organisiert hatte das Trainingscamp, das während einer zwölftägigen Reise der Kinder aus Asien stattfand, der Fußballlehrer Mitsuhiro Haneda. Der aus der Stadt Toyoda stammende Haneda war 2012 der erste Akteur aus dem „Land der aufgehenden Sonne“, der für die SF/BG Marburg spielte.

Nicht nur auf dem Platz spielte er eine starke Rolle, auch lernte er intensiv die Sprache und erwarb die deutsche C-Trainer-Lizenz. Zurück in Japan nahm er die Tätigkeit eines Jugend-Fußballtrainers beim FC Bristol Nagasaki auf. Seinen Wunsch, seinen Schützlingen Deutschland und den hier praktizierten Fußball näher zu bringen, erfüllte er sich nun.

Haneda: „In Deutschland wirken die Menschen offener“

„Der Charakter des japanischen Fußballs ist anders als der deutsche. In Japan achten wir sehr auf Pass-Spiel, Technik und Schnelligkeit. Wir kennen aber nicht so sehr die deutsche Mentalität des ‚Ich muss und will gewinnen‘“, sagte Haneda. Iori Shintani, einer der drei japanischen Trainer-Partner Hanedas und aktuell Spieler bei den Blau-Gelben, ergänzte: „In Deutschland gibt es selbst im Training diese Leidenschaft, unbedingt ein Tor schießen zu wollen.“ Beide sehen Unterschiede auch im sozialen Miteinander: „In Japan sind die Menschen zurückhaltender, sehr auf Harmonie bedacht. In Deutschland wirken die Menschen offener. Oft fragen sie: Wo kommst du her? Was machst du hier?“, beobachtete Haneda.

Auch wären die Bedingungen für Kinder unterschiedlich, Fußball zu spielen - schon in der Infrastruktur: Zwar ist Fußball neben Baseball in Japan sehr beliebt, aber es gibt weniger Vereinsmitglieder, weniger Mannschaften, dagegen viele Hartplätze und kaum Vereinsheime. „Die Kinder waren überrascht vom Kunstrasen und den vielen weiteren Sportplätzen hier in der Nähe“, sagt Haneda. In Japan müssten Eltern auch deutlich mehr Geld dafür aufbringen, um ihren Kindern das Fußballspielen zu ermöglichen.

Gäste besuchen die Partie Dortmund gegen Mainz

Hinzu kommt, dass die Schüler in Japan bis 17 Uhr zur Schule gehen. „Zu lernen und fleißig zu sein, ist den japanischen Eltern sehr wichtig“, sagt Shintani. Daher werden die Kinder auch noch nach der Schule dazu angehalten, zusätzlich zu „büffeln“ und haben nur wenig freie Zeit.

In Testspielen - unter anderem gegen Jugendmannschaften des FC Ederbergland, der SF BG und des VfB Marburg - maßen die Gäste aus dem Fernen Osten ihre sportlichen Kräfte. Auch das „Sightseeing“ stand unter sportlichen Zeichen. Dabei war ein Höhepunkt der Besuch des Bundesliga-Spiels Borussia Dortmund gegen den FSV Mainz - und dies nicht nur, weil das Dortmunder Stadion „das beste der Welt“ (Haneda) ist.

Sowohl bei Dortmund mit Shinji Kagawa als auch bei Mainz mit Yoshinori Muto stehen zwei Japaner im Profi-Kader. Eben diesen Muto trafen die Trainingscamp-Kinder auch bei einer Stippvisite zum Mainzer Trainingsgelände, und der Profi stellte sich bereitwillig für jedes der Kinder zum Foto bereit. In den Trainingspausen brauchten die japanischen Kinder nicht auf Vertrautes verzichten, die Übersetzerin Yasuko Tsuruki bereitete mit ihren „Beiköchen“ in der Küche „Sushi und Co.“ zu.

Die Reisekosten trugen die japanischen Gäste komplett selbst. Von blau-gelber Seite standen unter anderen Jugendleiter Thomas Koch, Jörg Chylek und Stefan Zelder mit Rat und Tat zur Seite.

von Michael Seehusen

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